In Lumbini angekommen suchen wir nach einem einigermaßen sauberen Gästehaus, was gar nicht so einfach ist, denn was wir vorfinden sind schmuddelige, dreckige Unterkünfte. Da der Strom wieder einmal ausgefallen ist, gibt es noch nicht einmal einen Ventialator zur Abkühlung. Beim Abendessen werden wir von den blutsaugenden Moskitos nur so zerstochen. Am Nachbartisch lernen wir Karin und Jan aus der Schweiz kennen. Sie haben es tatsächlich geschafft mit ihrem Allrad-Jeep von der Schweiz über die Türkei, den Iran, Pakistan, Indien bis nach Nepal zu fahren. Sofort sind wir uns sympathisch und bei einigen warmen Bierchen haben wir uns viel über unsere Reisen zu erzählen. Am nächsten Morgen mieten Elke und ich ein Fahrrad, um durch den Religionspark zur Geburtsstätte Buddhas zu radeln. Als wir vor einem großen nichtssagenden Loch stehen, ist unsere Enttäuschung groß, wir hatten eigentlich ein großes gewaltiges Monument erwartet. Stattdessen stehen ringsherum gewaltige Tempel und Paläste, gesponsert von den Regierungen aller Welt und als ich sehe, dass wir Deutsche mit einen von den schönsten und prunkvollsten Tempeln gestiftet haben, raste ich fast aus. Nichts gegen humanitäre Hilfe, aber das ist eine Selbstdarstellung von Reichtum, die der kleine Steuerzahler in Deutschland zahlen muss. Ich halte es hier nicht länger aus und sage zu Elke, lass uns Morgen in aller Frühe zum Chitwan Nationalpark fahren.
Am nächsten Morgen haben sich meine Nerven wieder ein bisschen beruhigt, als wir an kilometerlangen Autoschlangen vorbei direkt auf eine Straßenblockade zu fahren und man uns stoppt. Männer und Frauen, alle mit Knüppeln und Eisenstangen bewaffnet, erklären uns wütend, dass sie einen Milchstreik machen und wir hier die nächsten 5 Stunden warten müssten. Mit Engelszungen versuche ich ruhig und gelassen mit den Streikenden zu reden und erkläre ihnen, dass ich ihren Milchstreik gut finde, aber ich doch nur ein Tourist bin, der hier in ihrem schönen Land 14 Tage Urlaub machen möchte und wir doch überhaupt nichts mit ihrem Streik zu tun hätten. Einige fangen an zu überlegen, uns weiterfahren zu lassen und andere werden durch mein Gerede nur noch wütender, die Situation ist gefährlich angespannt. Nach zehn Minuten werden die Steine und Autoreifen von der Straße geräumt, so dass wir ungehindert weiterfahren können. Bis zum Nationalpark haben wir noch drei weitere Blockaden zu überwinden, alle konnte ich davon überzeugen, dass wir mit ihrem Milchstreik nichts zu tun hätten. In Sauraha nahe dem Parkeingang gelegen, gibt es unzählige Unterkünfte und Restaurants in allen Preisklassen, die natürlich alle eine geführte Tour verkaufen wollen. Durch Zufall treffen wir die Schweizer Karin und Jan wieder, wir nisten uns im gleichen Gästehaus ein und beschließen, morgen gemeinsam eine Dschungeltour zu unternehmen.
Die vielversprechende und sehr teure Tour sollte eigentlich früh morgens losgehen, doch unser Jeep hat erst einmal eine halbe Stunde Verspätung, zudem sieht das Gefährt nicht gerade vertrauenserweckend aus. Nun gehts endlich los, denken wir, aber wir haben die Rechnung ohne das Benzin gemacht. Da wir kein Benzin haben, müssen wir zuerst einmal in die Stadt zum Tanken fahren, was mich auf die Palme bringt. Ich raste aus, als wir in ein weiteres Dorf fahren, wo man uns die Gelegenheit gibt, ein Mittagessen für den Dschungel zu kaufen. Nur mit viel Mühe können mich Elke, Karin und Jan beruhigen. Ich schreie herum, was denken die sich eigentlich, meinen diese Abzocker vielleicht, dass die Tiere im Dschungel vormittags um 11 Uhr in Reih und Glied stehen und auf uns warten. Der Veranstalter und der Fahrer verstehen so langsam, dass das Ganze für uns kein Spaß mehr ist und so fahren sie uns auf dem schnellsten Weg in den Nationalpark.
Wie wir doch noch wilde Rehe, Wildschweine, seltene Vogelarten, das vom Aussterben bedrohte Panzernashorn und fast drei Meter lange Krokodile gesehen haben, wie wir durch einen gefährlichen Maoistenstreik gekommen sind und mit welchem leckeren 5 Gängemenü Elke mich zu meinem Geburtstag überrascht ...


