China, Trudi und Even sind eingetroffen und so machen wir gemeinsam mit Sam einen Plan für die Skype-Party am nächsten Sonntag. Jeder von uns ist sich darüber im Klaren, dass es ein besonderes Fest geben soll und so legen wir uns alle mächtig ins Zeug. Elke und Trudi machen einen Einkaufs-plan und kaufen gemeinsam für das geplante 9 Gänge Menü ein. Zusammen mit Sam überprüfen wir die Internetverbindung auf Signalstärke und Schnelligkeit. Leider stellen wir fest, dass der Zugang starke Schwankungen hat. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ein neues 50 Meter langes Kabel zu legen. Jeden Abend treffen wir uns bei Krishna, der schon in Deutschland in einem Zug zwischen Hamburg und Paris gekocht hat, in seinem Sun Welcome Restaurant, um alles weitere zu be-sprechen. Der Abend endet meistens in einem Trinkgelage. Gut, dass ich den Wein und den Sekt versteckt habe.
Auch in Deutschland laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: In unserem ehemaligen Weinbistro Stachelvino wird eine Grillparty mit Weinverkostung für Sonntagnachmittag vorbereitet. Einige unserer Freunde haben sich zusammen geschlossen um diese Party zu organisieren und so werden Lautsprecheranlagen und eine Großleinwand für die Skype- Übertragung installiert. Das einzige, was wir in Erfahrung bringen können, ist, dass sich viele unserer Freunde für die Party angesagt haben und jeder etwas dazu beitragen möchte, mehr wurde uns nicht verraten.
In der Zwischenzeit stehen Elke und ich in der Küche des Castle Resort, um die ersten Speisen vor-zubereiten, gemeinsam mit dem Küchenchef, der, wie könnte es anders sein, auch Krishna heißt. Zunächst einmal müssen wir uns in dieser kleinen Küche zurecht finden. Diese Küche hat überhaupt nichts mit einer zugelassenen Standard Profi Küche in Europa zu tun. Regale für Töpfe, die ausschließlich aus Aluminium sind, gibt es so gut wie keine. Es gibt drei Kochstellen, die mit Gas betrieben werden. Da sie undicht sind, passiert es schon mal, dass eine Stichflamme nach hinten los geht. Die Messerauswahl besteht aus einem großen viereckigen Messer, das eher einem Hackebeil gleicht, weshalb ich froh bin, mein eigenes Messer dabei zu haben. Da ein nepalesischer Koch nie gelernt hat, nach dem Kochen seinen Arbeitsplatz sauber zu machen, sieht es hier aus wie auf einem großen Gemüseabfallhaufen. Der Spüljunge, der zufälligerweise auch Krishna heißt und daher den Beinamen Bai trägt, was so viel wie der Kleine heißt, hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Das Lächeln vergeht ihm aber bald, da er unter den Unmengen von Töpfen und Geschirr kaum noch zu erkennen ist. Es ist schon beinahe ein Wunder, wie er das gesamte Geschirr sowie die schwarz ange-brannten Töpfe ohne heißes Wasser sauber bekommt. Wir versuchen ein System in die Küche zu bringen, was sich aber unter diesen Umständen als unmöglich erweist. Elke meint skeptisch, das hat etwas mit Akrobatikkochen in einem Zirkus zu tun, ich weiß nicht ob wir das Menü bis zum Sonn-tag fertig bekommen.
Wie wir es doch geschafft haben, unser 9-gängiges Menü auf den Punkt fertig zu bekommen, was wir für kulinarische Hochgenüsse auf die Teller gezaubert haben und wie unsere erste weinkulinari-sche Skype-Party mit vielen Emotionen ausgegangen ist ...


