Mount Kinabalu
Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …
Am nächsten Morgen organisieren wir die Weiterreise nach Indonesien, denn hier in KK ist die letzte
Möglichkeit, vor der Grenze ein Visum zu bekommen. Eigentlich gibt es das Visum immer nur für einen
Monat, wir können uns das Visum jedoch in Indonesien verlängern lassen. Bis zur Grenze sind es noch
mindestens 350 Kilometer und genug Zeit haben wir in Saba auch noch, deshalb steht der höchste Berg
zwischen Nord-Burma und Irian Jaya, der Mount Kinabalu, mit exakt 4095,2m Höhe auf dem Programm.
Für die Kadazan ist der Berg eine heilige Stätte, Heimat der Toten und Sitz der Götter, in ihrer
Sprache heißt Kinabalu “Heiliges Heim der Toten”. Die Besteigung dieses gewaltigen Bergmassives
sollte eigentlich Elkes Geburtstagsgeschenk werden. Mit seinen vielen verschiedenen Vegetationszonen
auf engstem Raum ist er hier die größte Touristenattraktion Sabas. In einem Reiseführer hatte ich
gelesen, dass man den Mount Kinabalu auf eigene Faust besteigen kann, leider ist dieser Reiseführer
schon sieben Jahre alt und seitdem hat sich alles verändert. Heute werden außer den Gebühren für den
Nationalpark zusätzlich Gelder für einen Tourguide und für Übernachtungen auf den Hütten fällig und
das kann pro Person bis zu 300€ teuer werden. Der Weg zum Gipfel ist ab der Power Station nur 8,7 km
lang und alle Jahre findet ein Climbathlon statt, wo sich die besten Gipfelstürmer messen.
Wenn der Beste den Aufstieg in 1 Std. 27 Min. schafft, dann schaffen wir den Auf und Abstieg an einem
Tag, so Elke.
Also, gesagt getan, der Berg ruft und so stehen wir Punkt sieben Uhr am Eingangstor bei
1800 m und wandern ohne Führer los. Die Passagen sind sehr steil und bestehen fast überwiegend aus
Treppen, Elke geht den Anstieg sehr schnell an, so dass ich Mühe habe, am Ball zu bleiben. In der
ersten Stunde bewältigen wir 500 Höhenmeter, mein T-Shirt ist klatschnass geschwitzt. Elke läuft
unbeirrt ihr Tempo weiter, wie Gemsen klettern wir dem Gipfel entgegen. Nach zwei Stunden kommen
uns die ersten Wandergruppen entgegen, die den Gipfel bei Sonnenaufgang bestiegen haben. Die
Bergführer schauen uns verblüfft an, da wir keinen Führer dabei haben und schon werden die ersten
Telefonate geführt. Wir ignorieren alles und wandern einfach weiter, bis wir nach 2,5 Stunden die
3000m Marke erreichen und ein Ranger vor uns steht, der uns klar macht, das wir ab hier eine hohe
Geldstrafe zu zahlen haben, wenn wir nicht umkehren. Alle Debatten nützen nichts, also kehren wir
kurz vor dem Gipfel um, macht nix, sagt Elke, wir haben es auf jeden Fall versucht.
Am nächsten Tag haben wir beide mit Muskelkater zu kämpfen, deshalb nehmen wir einfach den Bus
um weiter in Richtung Süden nach Sandakan zu kommen. Auf dem ersten Streckenabschnitt präsentiert
sich eine bergige Landschaft mit vereinzelten Wäldern, grünen Tälern und kleinen idyllischen Dörfern.
Das ändert sich leider sehr schnell und schon haben wir die monotone Landschaft der Ölpalmen wieder
vor uns. Sandakan selbst hat nicht viel zu bieten, es hat ein paar geschmacklose Hochhäuser und um
die Stadt herum stehen die Pfahldörfer, die im eigenen Dreck versinken. Der schönste Platz ist
immer noch das Haus der berühmten Schriftstellerin Agnes Keith, die auf einem Hügel ein englisches
Teehaus errichtet hat, von wo aus wir eine phänomenale Aussicht genießen. Ja und da ist natürlich
auch noch unser Hotel May Fair zu erwähnen, nicht nur, dass es billig und sauber ist, nein, in
jedem Zimmer steht ein DVD Player und Mr. Lam besitzt ungefähr 3000 Filme. Jeder Gast darf sich
davon bis zu 5 Stück auswählen und über Nacht anschauen, was gar nicht so einfach ist. In der ersten
Nacht schaue ich mir den legendären “James Bond 007 jagt Dr. No” mit Sean Connery an.
Nicht vergessen
dürfen wir den Nachtmarkt und die umliegenden preiswerten Restaurants, in denen malaiisch-indisches,
chinesisches und westliches Essen angeboten wird. Uns haben besonders die vielen verschiedenen
Fischgerichte geschmeckt, die auf einem Bananenblatt serviert werden. Die chinesischen Restaurants
bieten auch Krokodilfleisch an, das sie von einer Farm bekommen, die über 3000 Krokodile in kleinen
Becken halten und sie überwiegend zu Handtaschen und Lederwaren verarbeitet. Dann gibt es da noch
die sehr seltenen und teuren Vogelnester, die bei den Chinesen als gesundheit- und potenzfördernde
Delikatesse gilt. Seit Jahrhunderten werden die fast unbezahlbaren Nester der Salangane von Chinesen
abgeerntet, dementsprechend teuer sind die Lizenzen dafür. Die Fundstellen, die sich bis zu 60m hoch
an Höhlendecken befinden, werden mit langen Bambusgerüsten 2-mal im Jahr geerntet. Die Salanganen,
eine Schwalbenart, bauen ihre 5-6cm langen, halbmondförmigen Nester aus dünnen ausgehärteten
Speichelfäden, denen sie Federn beimischen. Nur die seltenen weisen Nester bestehen ausschließlich
aus reiner Speichelmasse und sind dementsprechend teuer. Das Sammeln von Schwalbennestern ist zwar
sehr lukrativ, aber auch gefährlich, jedes Jahr lassen einige Sammler dafür ihr Leben.
Hierhergekommen sind wir eigentlich wegen des 3km entfernten Sepilok Forest Reservat, wo Elke
unbedingt wieder ihre Lieblinge, die Orang-Utans sehen möchte. In dem Areal von Sepilok leben
zurzeit etwa 150 Tiere, davon viele Orang-Utan Babys die man aus der Gefangenschaft befreit hat
und erwachsene Tiere, die in den Plantagen herumwilderten. Sie alle versucht man in einem
langwierigen Prozess zu rehabilitieren und wieder an das normale Dschungelleben zu gewöhnen.
Zu sehen bekommt man sie nur bei der Fütterung, die zweimal am Tag stattfindet und da es zurzeit
genügend Obst gibt, erscheinen sie fast gar nicht. Da stehen dann 200 Touristen an einer Plattform,
um einen Orang-Utan abzulichten, nein, sag ich zu Elke, das müssen wir uns nicht antun. Nur zwei
Kilometer weiter ein ähnliche Rehabilitationszentrum nur dieses Mal sind es Malaien Bären,
auch als Sonnenbären bekannt. Diese hübschen Bären haben ein kurzes, schwarzes Fell mit einem hellen
Fleck auf der Brust, eine kurze Schnauze, eine lange rosafarbene Zunge, kleine, spitze Ohren und
an den Tatzen spitze, gebogene Krallen. Um diese Bären über die Runden zu bringen, bittet man die
Touristen, eine Patenschaft einzugehen, man kann zwischen einer Tages-, Monats- oder Jahrespatenschaft
wählen, die über 300 € kostet. Haben die Bären ein gewisses Alter erreicht, werden sie geschlachtet,
um ihnen die Gallenflüssigkeit zu entnehmen, da die Japaner und die Chinesen an eine heilende Kraft
glauben, das steht natürlich in keinem Prospekt. Die Krokodilfarm, mit dem anschließenden Ledershop
lassen wir aus.
Wie es weiter geht und was wir alles auf den schönsten Tauchbasen der Welt erlebten und wie wir
durch die Schmugglerstadt Tawau nach Indonesien gekommen sind, erfährt ihr, wenn wir wieder zuhause
sind bei einem guten Glas Wein oder bei unseren beliebten kulinarischen Diashows, vielleicht
auch in einem kleinen Buch der Weinschmitts.
Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis