Triefend nass und im strömenden Regen stehen wir vor den freundlichen indischen Zollbeamten, die uns einen Stempel in unsere Pässe drücken. Sie bestaunen unsere Räder und der Eine fragt uns: 'Seid ihr wirklich mit dem Fahrrad durch Indien gefahren?' Ja sagt Elke und wir leben noch, dabei zeigt sie ihm stolz unseren Tacho. Als er sieht, dass wir 4.000 Kilometer kreuz und quer durch Indien geradelt sind und dabei über 30.000 Höhenmeter geschafft haben, ruft er seine Kollegen herbei, die uns respektvoll ihre Hand reichen. Bis zu den nepalesischen Zollbeamten sind es zwar nur 500 Meter, aber die Straße ist so schlecht, dass wir unsere Räder durch knöcheltiefen Schlamm schieben müssen. Naja, denke ich so bei mir, das fängt ja schon wieder gut an.
Wir kommen an eine Schranke, wo uns zwei freundlich uniformierte Nepalesen empfangen und nach unserer Immigration fragen. Ich schaue ihn an und sage, wo ist denn hier die Immigration, wir haben keine gesehen? Da müssen sie lachen und deuten auf einen Holzschuppen, an dem wir vorbei gefahren sind. Also wieder zurück zu dem Bretterverschlag in dem ein Schreibtisch steht, dahinter ein Mann mit einem schäbigem Trainingsanzug. Für das drei monatige Visum verlangt er 100 US$. Ich gebe ihm 100 Euro, worauf er mir in nepalesischen Rupien heraus gibt. Da ich keinen Umrechnungsfaktor habe, versuche ich es ungefähr zwischen Dollar und Euro auszurechnen und stelle fest, dass er uns übers Ohr hauen will. Als ich ihn darauf anspreche, drückt er mir grinsend einen weitern Bündel Scheine in die Hand, damit waren wir schon eher zufrieden.
Zwei Tage später auf der Bank, erfahren wir den wahren Umrechnungsfaktor. Der Gute hatte uns immer noch um 9 Euro betrogen. Nach 12 Kilometern erreichen wir die erste Kleinstadt Mahendrenagar, wo wir uns durchgeweicht bis auf die Haut eine trockene Unterkunft suchen. Zwei Tage lang schüttet es so stark, dass es unmöglich ist auch nur einen Meter Fahrrad zu fahren, was uns wiederum Gelegenheit gibt, über die letzten sechs Monate, die wir durch Indien gereist sind, nachzudenken.
Und was Elke und mir so durch den Kopf ging ist kaum in Worte zu fassen ...


