Sind zum Beispiel Unterkünfte vorhanden oder kommt unser Zelt in den Einsatz mit Schlafsack und Isomatte. Besteht die
Möglichkeit Ersatzteile für die Räder zu bekommen - wenn nicht, brauchen wir zusätzliche Werkzeuge. Wie sieht es mit
der ärztlichen Versorgung aus, müssen wir viel Medikamente für Malaria, Durchfallerkrankung oder spezielle
Infektionen mitnehmen. Dann kommen da noch unsere persönlichen Sachen dazu, die aufs Minimum reduziert sind. Ein
bisschen Luxus muss natürlich auch sein, so haben wir immer ein paar langstielige Weingläser für einen guten Wein
dabei. Das alles summiert sich sehr schnell und ergibt locker 25 bis 30 Kilogramm, hinzu kommen noch Trinkwasser und
Proviant für unterwegs. Wenn wir das alles an unseren Fahrrädern hängen haben, ist es kaum zu glauben dass wir sie fortbewegen können, noch
weniger können es die Menschen in Indien glauben.
Am meisten freuen sich die Kinder; wenn sie uns erblicken, kommen
sie aus allen Ecken auf uns zu gerannt, um uns freudig zu begrüßen. Natürlich wollen sie in erster Linie Geld,
Schokolade oder einen Kugelschreiber, auf jeden Fall wollen sie uns berühren, ob wir auch tatsächlich echt sind. Das
Ganze macht uns und vor allem den Kindern viel Spaß, so lange sich das alles einigermaßen in Grenzen hält.
Bei den
Jugendlichen und den Erwachsenen sieht das etwas anders aus, sie sind neugierig, zurückhaltend und vorsichtig, weil
sie dem, was sie da sehen, nicht trauen und es wahrscheinlich auch nicht glauben können. Oft ist es der schnelle,
unerwartete Moment, der sie regelrecht schockiert oder gar versteinern lässt. Überholt uns beispielsweise ein
Motorrad oder ein Auto, dann kann es passieren, dass sie ihre entgeisterten Blicke nicht mehr von uns lassen können,
sodass es fast schon zu Unfällen gekommen wäre. Kommen wir in ein Restaurant, das menschenleer ist, kann es
passieren, dass innerhalb von fünf Minuten 20 Personen vor uns sitzen, weder etwas essen noch trinken, sondern uns
einfach nur anstarren. Bleiben wir am Straßenrand bei einem Teestand stehen und bestellen zwei Chai, muss ich ihn oft
3 bis4 mal bestellen, weil der Gute sicherlich denkt, wir kommen vom Mond. Bei Frauen finden wir die Reaktionen oft
übertrieben, schnell werden die Saris über den Kopf oder vor das Gesicht gezogen und spielende Kinder eilig vom Hof
geholt.
Auf den Märkten Indiens werden wir als radelndes Wunder angesehen, sehr schnell bilden sich wahre Menschentrauben,
die sich um uns herum schaaren und uns mit Tausenden von Fragen löchern. In der Masse lösen sich so manche Ängste und
man wird so mutig, uns auch einmal auf Englisch anzusprechen.
Komischerweise dient unsere Quietschente als eine
große Kommunikationshilfe, wer einmal darauf herum gequietscht hat, verliert über das Lachen die Angst.
Das Schlimmste aber kommt, wenn wir am frühen Morgen mit unseren voll bepackten Fahrrädern und unseren bunten
Radklamotten durch die Straßen der Dörfer und über die Felder radeln. Überall vor den Häusern, in den Straßengräben,
hinter Büschen und auf den Feldern, sitzen Männer, Frauen und Kinder, die ihre Notdurft verrichten. Was denken all
diese gut gläubigen Menschen, wenn sie uns plötzlich schon so früh am Morgen vor sich vorbei rauschen sehen?
Sicherlich hält uns der eine oder andere für einen Geist, was ich sehr gut verstehen kann, versetzt man sich selbst
einmal in diese Situation. Mal angenommen, du sitzt auf einer Toilette, die Tür geht auf und ein Neger mit blauen
Gummistiefeln, roten Bermudas, gelben Hosenträgern und einem orangefarbenen Stirnband steht vor dir und fragt, wo
gehts denn hier zum Weinfest? Sicherlich würden wir vom Glauben abfallen und sofort an Geister denken.


