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  » Kulinarischer Streifzug durch Manila

Das Achte Weltwunder

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Eine Busfahrt durch die 12 Millionenmetropole Manila ist und bleibt ein einmaliges Erlebnis, egal ob man hinein- oder herausfährt. Es ist kaum zu glauben dass dieses Chaos mit abertausenden Motorrädern, Jeepneys, Bussen und Zügen überhaupt funktioniert.

Kaum sitzen wir im Bus, werden wir von fliegenden Händlern regelrecht überfallen: Einfache Getränke, klebrig süße Donats, gekochte Wachtel- und Enteneier, frittierte Bananen in Blätterteig, Hühnchenteile in einer Mehlpampe oder das Lieblingsessen von Elke, knusprige Schweinsohren, alles wird geboten. Kilometer um Kilometer fahren wir durch die verschiedensten Stadtteile: durch Wolkenkratzerschluchten, durch saubere Stadtvillen, durch stinkende Slums, zwischendurch immer wieder mal ein paar Reisfelder und dann wieder Stadtviertel, wo alles drunter und drüber geht. Alle Häuser und Geschäfte sind von oben bis unten vergittert, vor den meisten stehen schwer bewaffnete Polizisten, wir haben das Gefühl, wir fahren durch den größten Knast der Welt. Nach gut zweieinhalb Stunden lichtet sich das Ganze ein bisschen, auf den Feldern sehen wir Bauern, die ihre Reisfelder bearbeiten, in den Dörfern fahren wir an bunten Märkten vorbei, wo Frauen ihr Gemüse und Obst verkaufen und überall erkennen wir lachende und spielende Kinder. Auch Elke und mir geht das Herz auf, die Anspannung der Großstadt lässt langsam nach und wir fühlen uns von einem Augenblick auf den anderen viel besser. Das Städtchen Solano ist nach gut 8 Stunden erreicht, Elke und ich freuen uns über eine Nudelsuppe und das einfache und saubere Zimmer. Von nun an geht es nur noch mit dem Jeepney weiter, eine etwas sehr beengte Reise steht uns bevor. Jeepneys sind das einzige und beste Überbleibsel der Amerikaner, das wird mir jeder Philippino bestätigen Nachdem die Amerikaner die Philippinen verlassen haben, ließen sie die Militärjeeps zurück, ein Segen für alle. Da die Jeeps viel zu klein waren, verlängerte man sie auf eine geschickte Art und Weise, so dass man heute in einem Jeepney mindestens 10-15 Personen unterbringen kann, außerhalb der Polizeikontrollen haben noch einmal 10 Personen auf dem Dach Platz. Bezahlt wird während der Fahrt. Egal wer zusteigt, gibt seinen Obolus dem Gast der neben ihm sitzt und der gibt es dem nächsten bis das Geld beim Fahrer ankommt. Ohne nur eine Sekunde den Verkehr aus den Augen zu verlieren, gibt der Fahrer das Wechselgeld auf dem gleichen Wege nach hinten zum Fahrgast zurück. In diesen sehr beengten und luftigen Jeeps lernen wir viele nette Menschen kennen, die uns mit guten nützlichen Tipps versorgen.

Nach weiteren 6 Stunden Fahrt über schlechte Straßen erreichen wir das Städtchen Banaue, das Eingangstor zu den größten Reisterrassen der Welt. Mit viel Glück bekommen wir in einem kleinen Hotel ein Zimmer mit Blick auf diese herrlich grünen Reisterrassen. Elke und ich beschließen, am nächsten Morgen zum 5 Kilometer entfernten Aussichtspunkt zu laufen, um von dort aus durch die Reisterrassen zurück nach Banaue zu wandern. Alles leichter gesagt als getan, denn eine Wanderung auf diesen schmalen, schwindelerregenden Mauern ist gar nicht so einfach. Es gibt keine Wanderwege oder Beschilderungen mit einer Wegbeschreibung, weshalb man sich ja auch einen Führer nehmen soll, was Elke und ich wieder einmal völlig ignorieren. Da stehen wir nun wie die Deppen mitten im Schlamm, nichts geht mehr nach vorne oder zurück. Gut, dass uns ein paar Reisbauern beobachtet haben und uns durch wilde Gesten den Ausgang aus diesem grünen Labyrinth zeigen. Unser Hotelbesitzer lacht, als er uns total verschwitzt und von oben bis unten verdreckt sieht. Wenn ihr die wirklich großen Reisterrassen sehen wollt, müsst ihr nach Batad und das sind noch über 20 Kilometer von hier, sagt er lachend. Ok, sagt Elke, dann werden wir morgen nach Batad wandern, eine Nacht dort bleiben und übermorgen wieder zurückkommen. Kopfschüttelnd steht der Chef des Hauses vor uns, für ihn ist es unbegreiflich, dass man an einem Tag über 20 Kilometer laufen kann. Die Wanderung durch ein üppig grünes Tal und einen steilen Berg hinauf tut uns beiden gut und als wir am Nachmittag vor diesem riesigen Bergareal stehen und diese gewaltigen Ausmaße der Reisterrassen sehen, wird uns erst einmal bewusst, dass wir hier mitten in einer 2000 Jahre alten Kultur stehen.

Das Dorf Batad liegt malerisch mitten in den Reisfeldern, es gibt keine einzige Straße ins Dorf, alles was diese Einwohner benötigen, muss auf dem Rücken über schmale Pfade getragen werden. Da man die Reisfelder nur über steile Treppen oder Mauern erreichen kann, besteht keine Möglichkeit, Maschinen oder Wasserbüffel bei der schweren Arbeit einzusetzen. Alles wird hier per Hand bearbeitet, genau wie vor vielen Generationen, weshalb man sich nicht wundern muss, dass die älteren Einwohner schwerste Rückenprobleme haben und kaum noch aufrecht laufen können. Wir unterhalten uns mit einem jüngeren Bauern, der uns von seinen Sorgen für die Zukunft erzählt. Früher mussten die heranwachsenden Jugendlichen in den Reisfeldern mitarbeiten, damit sie die Arbeit erlernen und so den Fortbestand sichern konnten, Geld gab es dafür nicht, bezahlt wurde mit Reis. Es gibt nur noch wenige, die sich mit der komplizierten Bewässerung auskennen, die das Quellwasser in die richtigen Terrassen leitet. Heute gehen unsere Jungen in die Schule, lernen Dinge, die sie beim Reisanbau nicht brauchen, um anschließend in einer Großstadt zu studieren, die meisten von ihnen kommen nicht mehr in die Dörfer zurück. Wir haben immer größere Probleme mit der Erosion und niemand, der die Dämme in schwieriger Handarbeit repariert. Wenn das so weitergeht, wird eine unserer wichtigsten Kulturen in einigen Jahren sterben. Würde man diese Parzellen aneinanderreihen, so würden diese Lehm- und Steinwälle 25000 Kilometer ergeben, immerhin 19000 Kilometer länger als die Chinesische Mauer, für die Philippinen ist das das Achte Weltwunder.

Das Wetter wird immer unbeständiger und die Gewitter, die sich hier in den Bergen aufbauen, sind sehr bedrohlich. Wir beschließen, weiter nach Sagada zu gehen, ein Dorf weiter nördlich in den Bergen, wo man vor einigen Jahren die Toten noch in Höhlen bestattete. Vorbei an Bontoc windet sich eine steile Straße, an den wenigen traditionellen Igorot-Häusern vorbei zu einem Hochtal, wo sich das malerische Dorf Sagada befindet. Das liebliche Bergdorf ist umgeben von Pinienwäldern, aus denen bizarre Kalksteinformationen herausragen. Die Höhlen von Sagada, die als Begräbnisstätte der Einheimischen dienen, gefallen Elke am besten. Die Sarkophage aus Pinienholz sind etwa 2 m lang und wiegen bis zu 100 Kilogramm, sie werden in den Kalksteinhöhlen über hunderte von Jahren verwahrt. Viele von ihnen werden in den steilen Felswänden mit langen Holznägeln befestigt und mit Seilen gesichert. Auch diese Kultur ist vom Aussterben bedroht, da sich immer mehr Einheimische verbrennen oder auf dem Friedhof beerdigen lassen. Die letzte große Jeepney Tour über die Kordilleren von Nord Luzon an die Westküste und über Bakuio, der Sommerhauptstadt der Philippinen, nach San Juan dauert immerhin 8 Stunden. Wenn wir schon auf den Philippinen sind, wollen wir zum Abschluss noch einmal ans Meer, sagt Elke. In San Juan trifft sich die Surfelite und die Schickeria von Manila, was wir sofort an den Unterkunftspreisen spüren. Tagsüber machen Elke und ich lange Spaziergänge am langen weißen Strand, hier und da springen wir in das warme Wasser, ansonsten faulenzen wir unter einem mit Palmen gedeckten Dach. Wir beobachten ein Filmteam, das am Strand eine Liebesszene zum hundertsten Mal wiederholt. Ich amüsiere mich darüber, dass die zwei hübschen, jungen Leute eher wie zwei Schulkinder aussehen, als ein junger Mann auf mich zukommt, sich als Regisseur ausgibt und mich mit Mister Suave anspricht. Bei unserer letzten Fahrradtour durch die Inselwelt der Philippinen wurde ich auch immer mit Mister Suave angesprochen. Anfangs dachten wir, Suave bedeutet Schnurrbart und die Philippinos machen sich einen Spaß daraus, mich zu hänseln. Doch dann stellte sich heraus, dass der Mister Suave ein Filmstar ist, ich ihm mit meinem Schnurrbart sehr ähnlich sehe und dadurch oft verwechselt werde. Immerhin sind fast 10 Jahre vergangen und ich werde immer noch als Mister Suave angesprochen. Dieser junge Regisseur fragt mich allen Ernstes, ob ich nicht die Liebesszene in seinem Film spielen möchte. Elke bekommt einen Lachanfall und ich sitze da und habe das Gefühl, der Typ will mich auf den Arm nehmen. Ich verneine zwar, doch der junge Mann lässt einfach nicht locker, er beschwört mich fast. Es würde mit mir viel authentischer aussehen und die Szenen sind ganz einfach und dauern auch nicht lange, also willige ich ein. Die Szene sieht so aus, dass meine neue Geliebte einsam unter einem schattigen Palmdach sehnsüchtig auf ihren Geliebten, nämlich mich, wartet. Während sie verträumt auf das Meer hinausschaut, komme ich zufällig am Strand daher geschwebt. Als sie mich bemerkt, fallen wir uns in die Arme, schauen uns tief in die Augen, nehmen uns an der Hand, drehen uns und und blicken glücklich auf das blaue weite Meer hinaus. Die Klappe fällt, der Regisseur ist total begeistert, wir brauchen die Szene nicht mehr zu wiederholen, schade.

Vigan in Nord Luzon gehört bereits zum Weltkulturerbe der UNESCO, sie gilt als einzigartige und besterhaltene, spanische Kolonialstadt in ganz Südostasien. Da sie nur 5 Stunden mit dem Bus von San Juan entfernt liegt, planen wir einen 3-tägigen Besuch. Elke und ich sind sofort von dieser Stadt, die sich seit der spanischen Eroberung kaum verändert hat, total begeistert. Das herausragende Bauwerk ist zweifelsohne die dreischiffige Kathedrale mit der großen Plaza davor, die im Jahre 1574 erbaut wurde und alle Erdbeben überstanden hat. Um die weltbekannte Calle Crisologo, eine mittelalterliche Straße mit Kopfsteinpflaster, herum befinden sich noch über 130 gut erhaltene Häuser aus der Kolonialzeit. Die abendliche Beleuchtung und die vielen Pferdefuhrwerke, mit denen sich die Gäste in den alten Gassen herumkutschieren lassen, geben dieser außerordentlich sauberen Stadt ein besonderes Flair. Tagsüber lassen wir uns mit einem Motorraddreicyclin zum 5 Kilometer entfernt liegenden Strand fahren, wo wir alleine entlang wandern. Die Einzigen, die wir bei der brütenden Mittagshitze hier antreffen, sind Fischer, die noch nach alter Tradition, mit selbst geknüpften Netzen ihre Fische fangen. Wir sind gerade richtig zum großen Stadtfest eingetroffen und können uns einen Einblick in diese Kultur verschaffen. Das Beeindruckende für uns ist die Lichtershow am Abend, die synchron mit Wasserfontänen und Musik im großen Teich am Stadtplatz zelebriert wird.

Gerne wären wir noch eine Weile hier in dieser sehr angenehmen Stadt geblieben, leider rennt uns die Zeit davon. Da wir nicht direkt nach Manila gehen wollen, beschließen wir ganz in der Nähe der Stadt, an einem angeblich schönen Sandstrand die restliche Zeit zu verbringen. Die Suche nach einem Hotelzimmer für eine Nacht gestaltet sich schwieriger als gedacht, ausnahmslos sind alle Hotels nur Stundenweise zu mieten. Frage ich an der Rezeption nach dem Zimmerpreis, kommt sofort die Gegenfrage, für 1 Stunde, 3–6 oder 12 Stunden. Mit viel Glück bekommen wir, nach harten Verhandlungen, ein Apartment mit Garage für 24 Stunden, zu einem akzeptablen Preis. Wer durch Asien reist, wird des öfteren mit Stundenhotels konfrontiert werden und das ist nicht nur hier so, auch in Südamerika und Südafrika findet man diese Art Hotels. Wer jetzt glaubt, dass diese Hotels nur für Urlauber und Touristen gedacht sind, liegt falsch und wer glaubt, dass hier alle fremd gehen, liegt ebenso falsch. Diese Einrichtungen, die es schon seit vielen Jahren gibt, sind eigentlich für Paare, die zuhause in großen Familienverbänden leben, gedacht. Es gibt keine Zweisamkeit, keine Intimitäten, da man oft noch mit den Großeltern und den Geschwistern in sehr beengten Räumen lebt. Was ist mit den vielen jungen Verliebten, die zuhause keine Möglichkeit haben, ein paar Zärtlichkeiten auszutauschen, auch für sie bleibt oft nur der Weg dorthin. Diese Stundenhotels sind in Asien zur Selbstverständlichkeit geworden, bei der sich niemand mehr aufregt. Unsere letzte Nacht verbringen wir in einem Stadtteil Manilas, der nur 3 Kilometer vom Airport entfern liegt, wir verbringen eine angenehme Nacht, wie sollte es anders sein, in einem Stundenhotel.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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