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Kulinarischer Streifzug durch Manila

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Irgendwie kommen wir nicht um Bangkok herum, diese Stadt ist und bleibt der Dreh und Angelpunkt Asiens. Nach einem hervorragenden Red Snapper mit frittiertem Basilikum und gerillten Calamari fangen wir an, uns zu entspannen und als wir in unserem altbekannten Gästehaus ein Zimmer mit Balkon bekommen, fühlen wir uns gleich wie Zuhause. Ein neuer Plan muss her, deshalb diskutieren wir, wie es jetzt weiter gehen soll.

Die Philippinen sind eine gute Option, allerdings nicht zu Ostern, denn da ist dort die Hölle los, also verschieben wir den Flug um 3 Wochen nach hinten. Warum gehen wir nicht noch einmal nach Nord Thailand, die Königsstadt Sukkotai haben wir noch nicht gesehen und außerdem hat uns Chiang Mai und Meh Hongson auch gut gefallen, meint Elke. Unser erster Stopp Sukkotai hat sich als Reinfall erwiesen, vielleicht hatten wir sie zu sehr mit der Königsstadt Ayutthaya verglichen. Im Norden Thailands ist gerade die Erntezeit vorbei, deshalb brennt man die Reisfelder und die Zuckerrohrfelder ab und das auf hunderte von Kilometern. In Chiang Mai kann man vor lauter Rauch die Sonne nicht mehr sehen, die Augen brennen und die Nasen ist am Abend voll mit Ruß. Wir sind froh, als die Zeit vorbei ist und wir wieder in Richtung Bangkok ziehen, wo gerade das Songkranfest, das thailändische Neujahrsfest, beginnt. Man nennt es auch das Wasserfest, weil sich jeder mit Wasser bespritzt, was natürlich in regelrechten Wasserschlachten ausartet. Als wir im Taxi zum Flughafen sitzen, wird uns klar, dass Reisen nicht immer nur Spaß ist, man kann halt nicht immer und überall zur richtigen Zeit sein. Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt wieder einmal, in eine andere Kultur eintauchen.

Schon der Anflug auf Manila ist ein kleines Abenteuer. Zuerst sah es so aus, als wollte der Kapitän abdrehen, doch dann fliegt er direkt ins Zentrum der Stadt zwischen den Hochhäusern hindurch und landet mit kräftigem Seitenwind. Die Abfertigung am Flughafen in Manila erweist sich als eine Katastrophe, hier gibt es überhaupt kein System, man hat das Gefühl, die schlafen alle. Umso lebhafter ist die Fahrt mit dem Taxi in den Stadtteil Malate. Eigentlich ist es ein Taxirennen, bei dem jeder Taxifahrer zeigt, wie stark er ist. Hat der Fahrer eine brenzlige Situation gemeistert, bekreuzigt er sich, dankt dem lieben Gott, bevor er wieder rücksichtslos aufs Gas tritt. Das Hotel, in das der Fahrer uns bringt, ist von oben bis unten vergittert, mit dem uniformierten Wachmann vor dem Eingang gleicht es eher einem Gefängnistrakt. Das freundliche Hotelpersonal lässt uns beim Einchecken des Zimmers zuerst einmal eine Inventarliste unterschreiben und nimmt dafür eine saftige Kaution. Kopfschüttelnd frage ich, was soll denn das alles? Der Chefportier klärt mich auf: wenn wir dieses System nicht machen, haben wir am nächsten Tag keine Einrichtung mehr, Philippos können halt alles gebrauchen. Es ist schon dunkel als ich an der Rezeption nach einem guten Restaurant nachfrage, lachend bekomme ich zur Antwort, immer die Straße lang, ihr werdet schon was finden. Die Straßen sind sehr dunkel, nur hier und da brennt ein Licht, überall erkennen wir Kinder, die auf der Straße Basketball spielen. Vor manchen Häusern hat man auf Tischen silberne Töpfe aufgestellt, in denen undefinierbares Essen verkauft wird. Die wenigen Restaurants sind sehr schlecht beleuchtet, es sitzen fast nur Bier und Schnaps trinkende Männer darin, die Kneipen sehen eher aus wie Verbrecherspielunken. Nach einer Weile erkennen wir von weitem ein schönes beleuchtetes Restaurant, das uns auf Anhieb gefällt. Also nichts wie rein und als wir die Speisekarte in die Hand gedrückt bekommen, bemerken wir erst, das wir uns in einem koreanische Restaurant befinden. Wir müssen beide lachen, da fliegt man auf die Philippinen, um in einem koreanischen Restaurant zu essen. Da es uns gefällt bleiben wir. Elke bestellt eine Gemüsevariation und ich gegrillte Leber und dazu Reis, doch bevor wir unser Essen bekommen, tischt der Kellner 8 kleine Schalen mit den verschiedensten Köstlichkeiten auf. Entschuldigung sage ich zu ihm, aber das haben wir nicht bestellt, ja sagt er, das ist ja auch nur der Gruß aus der Küche. Elke sagt, wenn wir das alles gegessen haben, sind wir schon satt. Der Kellner taucht wieder auf und hat einen Tischgrill in der Hand, auf dem er mir meine hauchdünn geschnittene Leber in einer Soja-, Knoblauch-, Honigsoße perfekt dünstet. Wir sind von dem koreanischen Essen so begeistert, dass wir uns allen Ernstes fragen, warum wir nicht nach Korea geflogen sind. Aber wir sind auf den Philippinen und deshalb gehen wir ab Morgen bei den Einheimischen Essen, egal wie schummrig das Lokal aussieht, verspricht mir Elke. Beim Nachhauseweg huscht uns irgendetwas ständig zwischen den Beinen herum, was wir bei der Dunkelheit nicht erkennen können.

Am nächsten Morgen wollen wir uns die Altstadt Manilas, auch Intramuros genannt, anschauen, die nach Elkes Angaben gleich nebenan um die Ecke liegt, weshalb ich mir vorsichtshalber festes Schuhwerk anziehe. Als wir auf die Straße kommen, sehen wir eine ganze Invasion toter Kakerlaken, jetzt wissen wir auch, was uns gestern Abend um die Beine herumgeschwirrt ist. Immer an der stinkenden Strandpromenade entlang, denn hier läuft die Kläranlage Manilas hinein, erreichen wir nach 8 Kilometern die Altstadt, ein Überbleibsel aus der spanischen Kolonialzeit. Um die Altstadt herum befindet sich ein picobello sauberer Rizal Park, den man zu einem Golfplatz umfunktioniert hat. Eine weitere, grüne, parkähnliche Anlage befindet sich direkt daneben. Hier schlafen die ärmsten Manilas entweder auf Zeitungspapier oder in fahrbaren Holzkisten, die tagsüber als Verkaufsstand und nachts als Schlafplatz dienen. Der weite Weg zurück durch einen laut hupenden und stinkenden Verkehr schlaucht uns ganz schön. Nach einer kalten Dusche freuen wir uns auf einen kulinarischen Streifzug durch das Stadtgebiet von Malate.

Tagsüber hatte ich in einer Seitengasse ein Zelt gesehen, unter dem Einheimische gegessen haben, es sieht aus wie ein Straßenrestaurant, da gehen wir hin, sage ich zu Elke. Die Leute unter dem Zelt, sind sehr freundlich und vergnügt, sofort bitten sie uns Platz zunehmen. Irgendwie haben wir ein komisches Gefühl und als ich mich herum drehe, erschrecke ich. Oh Gott, sage ich zu Elke, hinter uns ist ein Toter aufgebahrt, wir sind mitten in einer Beerdigung gelandet. Sofort wollen wir diese Zeremonie verlassen, doch die Trauergäste, die alle mit viel Alkohol am Feiern sind, bitten uns zu bleiben. Wir entschuldigen uns höflich, denn so hatten wir uns unser Abendessen in Manila nicht vorgestellt. Wir laufen von einer dunklen Straße zur anderen, als ich auf einmal an meiner rechten Hosentasche einen Druck verspüre. Als ich im Reflex danach greife, habe ich die Hand eines jungen, zerlumpten Burschen in der Hand, der doch tatsächlich versucht mir meinen Geldbeutel aus der Tasche zu ziehen. Mit einem Faustschlag auf die Brust und viel Geschrei lässt er von mir ab, wir sehen nur noch einen Schatten und schon ist er im Dunkeln verschwunden. Das muss uns eine Lehre sein, sagt Elke, von nun an passen wir noch viel besser auf unsere Wertsachen auf.

Endlich nach langem hin und her, entscheiden wir uns für ein kleines Restaurant mit Freisitz. Die Essensauswahl ist sehr bescheiden, da es nur einen großen Aluminiumtopf voll mit sauren Bohnen und gekochtem Schweinefleisch gibt. Der Duft erinnert mich an den Bohneneintopf meiner Mutter und auch der fette Schweinebauch schmeckt sehr gut. Elke untersucht die schwarzen Punkte, die auf der Suppe herum schwimmen, mit lautem Geschrei verkündet sie mir, dass es sich hier um Schweinsaugen handelt, nichts geht mehr. Also versuche ich für Elke noch etwas anderes Essbares zu besorgen. Das Einzige was ich noch vorfinde sind verschiedene Spieße, die kurz über dem Feuer gegrillt werden. Die Auswahl besteht aus Spieß mit gestocktem Blut, mit Hühnerkrallen, mit Hühnerköpfen, mit zusammen gerolltem Darm, mit zähen Fleischstücken vom Wasserbüffel oder mit Schweinsohren. Um Elke eine weitere Freude zu machen, bestelle ich die gegrillten Schweinsohren. Als die knusprigen Ohren serviert werden, atmet Elke tief durch und fragt mich: hast du dir diese Situation überhaupt schon einmal bildlich vorgestellt. Wir sitzen hier mitten in dem größten Moloch der Welt, vor uns steht ein Straßenverkäufer, der uns Balut, vorgetriebene Enteneier mit einem Embryo darin verkaufen will. Um uns herum lauter bettelnde Kinder, in der Kneipe hinter uns versuchen einige Philippinos mit fürchterlichem Gejaule Karaoke nachzusingen. Die Luft riecht nach verbranntem Plastik, überall Berge von Müll und unter unseren Füßen wimmelt es von Kakerlaken. In meinem Teller habe ich saure Bohnen mit Schweinsaugen und daneben verbrannte, knorpelige Schweinsohren. Kennst du irgendjemanden in unserem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis, der das hier mitmachen würde, fragt mich Elke etwas gereizt. Naja, sag ich, da gibt es bestimmt den ein oder anderen, dem das hier auch Spaß machen würde, allerdings muss ich zugeben, bei den Schweinsaugen und Ohren würden die meisten aussteigen.

Am nächsten Morgen wollen wir zur Busstation Sampaloc, um uns für morgen Fahrkarten nach Solano in den philippinischen Kordilleren zu besorgen. Da es angeblich zu weit und zu gefährlich ist, bestellt das Hotelpersonal für uns ein Taxi. Philippinos haben Probleme mit der Einschätzung von Entfernungen. Fragt man zum Beispiel, wie weit ist es von hier bis zum Bahnhof oder ins nächste Dorf oder zur Markthalle, wird man zur Antwort bekommen: zirka 3 Minuten oder eine halbe Stunde, niemals eine Meter- oder Kilometerangabe. Die meisten Philippinos bewegen sich nicht gerne, sie gehen aus dem Haus und warten davor bis ein Motorcycle oder ein Jeepney sie 100 bis 300 Meter weit zum Busbahnhof bringt. Ein Jeepney oder ein Bus bleibt immer genau dort stehen, wo der Fahrgast aussteigen oder einsteigen möchte, eine Prozedur, die uns am Anfang mächtig nervt. Je länger wir mit solchen abenteuerlichen Gefährten unterwegs sind, desto schneller gewöhnt man sich daran und am Ende empfinden wir es sogar als Luxus. Nachdem wir durch Chinatown geschlendert sind, besuchen wir noch einige Kirchen, die vor kurzem das katholische Oberhaupt, der Papst, besuchte. Wir finden uns immer besser in Manila zurecht, alles braucht seine Zeit und so empfinden wir den dritten Tag schon gar nicht mehr so schlimm, das fürchterliche Gehupe und der Gestank, gehören nun mal hierher. Die unglaublich netten und freundlichen Philippinos entschädigen für vieles und so freuen wir uns auf Nord Luzon und seine Reisterrassen.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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