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« Freundschaften » Bei Freunden in New Zealand

Freitag, der 13.

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Eigentlich wollten wir über den Haastpass rüber zur Westküste, da das Wetter immer schlechter wird, ändern wir unsere Reiseroute. Also wieder zurück nach Queenstown, wo wir Cousin Uwe und seine Frau noch einmal treffen, um anschließend weiter in den Süden zu fahren. Das Wetter wird von Stunde zu Stunde besser, deshalb fahren wir ins Fjordland bis nach Monky Island ans Meer.

Wir haben gerade einen herrlichen ruhigen Platz mit Meerblick gefunden, als sich das Radlerpärchen Charlie und Claude zu uns gesellen. Die Beiden sind von Auckland bis hierher geradelt und weil Elke und ich fast die gleiche Tour vor 19 Jahren radelten, haben wir uns viel zu erzählen. Elke backt Brot, während wir in fröhlicher Runde ein paar gute Tropfen Wein trinken. Es gefällt uns so gut hier, deshalb beschließen wir, zwei Tage länger zu bleiben. Charlie, der gebürtig aus Malta stammt und Claude aus Australien sind mittlerweile am nächsten Tag schon wieder mit dem Fahrrad unterwegs, sie wollen die Southern Scenic Route durch den Catlins Nationalpark in Richtung Dunedin nehmen und da sie unweigerlich an Taierie Mouth bei Judith vorbei kommen, laden wir die Zwei einfach ein. Drei Tage später klopft es abends um 9 Uhr an die Tür, vor uns stehen Charlie und Claude fix und fertig. Nach einer heisen Dusche, einem Schluck Wein und einer kräftigen Gemüsesuppe päppeln wir die Beiden wieder auf. Judith und Pete laden sie spontan für den nächsten Abend zu einem schönen Abendessen ein, bei dem wir alle viel Spaß haben. Noch zweimal treffen wir das nette Radler Pärchen, einmal bei den Pinguinen in Oamaru, das zweite Mal in Twizel und jedes Mal waren sie durch den starken Gegenwind völlig ausgelaugt. Wer mit dem Fahrrad nach New Zealand kommt, wird auf die Härteprobe gestellt, es gibt Tage mit vier Jahreszeiten, vom tollen Sonnenaufgang zum unvergesslichen Sonnenuntergang, dazwischen Schnee, Regen und orkanartige Böen, doch die Landschaft entschädigt für so vieles.

In den letzten 14 Tagen ist es am neuen Haus gut voran gegangen, so dass Judith beschließt, es wird Zeit um einzuziehen und da werden alle Hände gebraucht. Ausserdem steht der Besuch von Judiths Mutter Christa und ihrem Mann Walti an und da soll alles gut aussehen. Nach einer Woche sieht es im neuen Haus sehr gemütlich und wohnlich aus, alles ist auf seinem Platz, die Schlafzimmer sind eingerichtet und auf dem Gasherd werden die ersten leckeren Gerichte gekocht. Für Elke und mich gibt es eigentlich nicht mehr viel zu tuen, deshalb beschließen wir noch einmal, so lange die gute Wetterperiode anhält, in den Norden der Südinsel zu fahren.

New Zealand wird auch Land der langen weißen Wolken genannt und wer einmal hier war, wird auch verstehen warum. Egal welches Landschaftsbild wir ablichten, sind es gerade die Wolken, die den Bildern etwas Besonderes geben. Elke fotografiert oft nur Wolkenformationen, die wie auf einer Glasscheibe liegen. Die Nordinsel hat natürlich mit ihren Vulkanen, ihren Dünen im Norden, den Städten Auckland, Wellington, dem Weinbau an der Ostküste und der starken Maori-Kultur viel zu bieten, doch kommt es landschaftlich nicht an die Südinsel heran. Es gibt nur wenige Inseln dieser Erde, die eine derartig abwechslungsreiche Naturlandschaft aufweisen wie Te Wai-pounamu oder auch Jadewasser, wie die Maoris ihre Südinsel liebevoll nennen. Angefangen im Nordosten von der Marlborough Region mit ihren Gebirgszügen, Kaikora und den Ausläufern der New Zealandischen Alpen. Zwischen diesen beiden Gebieten liegt das Tal des Wairau River, das in weiten Ebenen das Zentrum des newzealandischen Weinbaus bildet. Für uns wachsen hier die besten Sauvignon Blanc der Welt heran. Die Giesen Brüder aus Neustadt an der Weinstraße haben sich hier einen sehr guten Namen im Weinbau gemacht. Zur Nordostküste hin bilden die tief eingeschnittenen Marlborough-Sounds eine attraktive Fjordlandschaft, die gerade bei Wanderern in dieser herrlichen Landschaft sehr beliebt sind. Die kleine Hafenstadt Picton mit ihrem Fährhafen verbindet die Südinsel mit der Nordinsel. Die Region Tasman liegt ganz im Nordwesten der Südinsel und beherbergt die drei reizvollen Nationalparks Nelson-Lakes, Kahurangi und den wohl bekanntesten Tasman-Abel-Nationalpark, in dem man nicht nur gut Wandern kann. Durch die vielen vorgelagerten Inseln und das glasklare Meerwasser sind die Golden Bay und die Tasman Bay zu einem wahren Kajak-Eldorado geworden. Die Westküste ist mit ihrer weitläufigen Küstenregion von über 600 km für Naturliebhaber ein richtiger Augenschmaus, hier haben wir die größten Farnwälder der Welt gesehen. Die „Pancake Rocks“ und die kraftvollen „Blowholes“ von Punakaiki sind die beliebtesten Sehenswürdigkeiten im Norden der Westküste. Die erodierten Felsformationen sehen aus wie aufgestapelte Pfannkuchen, dadurch bieten sie ein wahres Naturspektakel. Der Höhepunkt bildet der lohnenswerte Besuch des Franz-Joseph und des Fox Gletscher,s der mit seinen gigantischen Gletscherzungen bis auf 250 m über dem Meeresspiegel an die Regenwälder heranreicht. Als wir die Gletscher sehen, erschrecken Elke und ich, wir können nun den Unterschied feststellen, wie er vor 19 Jahren ausgesehen hat. Damals sind wir hier mit ein paar Leuten in 30 Minuten zur Gletscherwand gelaufen, heute braucht man dazu fast 2 Stunden, die Erderwärmung lässt ihn unaufhaltsam schmelzen. Über uns kreisen laute Helikopter, die von Japaners und Chinesen gebucht werden, um sie für viel Geld auf die Gletscher zu bringen.

Die Westküste wartet mit fünf Nationalparks auf, in dem auch der höchste Berg „Mount Cook“ mit seinen 3724m über die newzealandischen Alpen ragt. Southland ist die südlichste Region von der Südinsel, sie verwaltet das sehr dünn besiedelte Fjordland im Westen, sowie die Solanderinsel Ruapuke und die größere Stewartinsel. Im Fjordland sind der Milford Sound, Dupthful Sound und der Dusky Sound sowie zahlreiche Seen beheimatet. Ich hatte das große Glück, den wohl bekanntesten und spektakulärsten Trail, den Milford Sound, vor 24 Jahren mit Freunden zu laufen. Ganz unten im Süden gefällt es Elke und mir am besten, diese wilde schroffe Küstenlandschaft wird immer wieder von starken Stürmen heimgesucht. Viele Radfahrer versuchen entlang der Southern Scenic Route durch den Catlins Nationalpark den Naturgewalten zu trotzen. Der Slope Point ist der südlichste Punkt Neuseelands und somit auch der weit entfernteste Punkt von unserer Heimat, Deutschland und der Pfalz.

Ortago ist die zweitgrößte Region New Zealands, das über ein riesiges fruchtbares Acker- und Weideland verfügt, das bis zu den newzealandischen Alpen heranreicht. Hier wird Fleisch für den Export nach Japan, China, Russland und Europa produziert, riesige Schafs, Rinder und Wildfarmen zeugen davon. Mit der Hauptstadt Dunedin und seinem Goldrausch ist Ortago wohl der bewegendste Staat des Südens und genau hier hat sich unsere Freundin Judith mit Pete niedergelassen. Hier finden Tier- und Naturliebhaber alles, was das Herz begehrt: Albatros Kolonien, Pinguine, Seelöwen, eine Vielfalt an Vogelarten, eine noch intakte Unterwasserwelt und traumhaft schöne kilometerlange Sandstrände. Canterbury ist die größte Region von ganz New Zealand, sie besitzt mit Christchurch mit 350 000 Einwohner auch die Hauptstadt des Südens. Um Christchurch herum gibt es eine sehr gute Weinregion, die hauptsächlich Chardonnay, Riesling, Sauvignon Blanc und Pino Noir anbaut. Allerdings wird diese schöne City, die auch Gartenstadt genannt wird, immer wieder von schweren Erdbeben heimgesucht, die letzten zwei im Jahre 2010 und 2011, bei dem es zahlreiche Tote gab. Beim ersten Beben im September 2010, das auch Darfield Erdbeben genannt wird, waren Elke und ich gerade bei unserem Freund John in Christchurch. Wir haben schon einige kleine Beben in Südamerika erlebt, doch dieses brachte Angst und Schrecken. Jedes Mal wenn die pazifischen Erdplatten aneinander prallen, wackelt das ganze Haus und es droht jede Sekunde einzustürzen.

Elke und ich lassen uns einfach treiben, egal wo wir einen schönen Spott sehen, übernachten wir in unserem kleinen Toyota. Da wir nicht wissen, ob wir jemals wieder nach New Zealand kommen, steuern wir alle Punkte an, an denen es uns früher schon einmal so gut gefallen hat. Wir überraschen Manfred und Ennie in Colgate, sie haben uns damals bei unserer Radtour durch New Zealand aufgelesen, als Elke starke Nierenschmerzen hatte. Ennie fuhr mit Elke sofort zu ihrem Hausarzt, der Elke Medikamente und eine Woche Bettruhe verordnete. In dieser Zeit konnte ich Manfred viel an seinem Haus helfen, das Dach wurde neu isoliert und ein neues Kräuterbeet wurde angelegt. Außerdem ist Manfred ein guter Koch und Bäcker, seine Kuchen stellen manchen Konditor in den Schatten. Der nächste Besuch bei unserem Freund John und seiner Familie ist leider erfolglos, deshalb erkunden wir die saftig grüne Halbinsel von Christchurch. Elke möchte unbedingt an die nordwestlichste Spitze der Südinsel, nach Firewell Split, dort waren wir noch nie, sagt sie. OK, wir haben ja noch genug Zeit, sage ich zu ihr, also fahren wir in drei Tagen kreuz und quer durch große Waldgebiete, Rinder-, Wild- und Schafsfarmen in den hohen Norden.

Es ist Freitag der 13. Februar, ich hätte es sicherlich nicht bemerkt, wenn Elke mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Da ich nicht abergläubig bin, sage ich zu Elke, was soll schon passieren, wir wollen doch heute nur einen ausgedehnten Strandspaziergang machen. Die Landzunge von Firewell Split ragt über 50km ins Meer hinein. Der Sandstrand ist so flach, dass er bei Ebbe bis zu 2 Kilometer breit ist. Nach gut zwei Stunden wandern wir in das Innere dieser schmalen Landzunge, die aus einer unbeschreiblich schönen Dünenlandschaft besteht. Der Wind, der diesen Sanddünen seinen Wellenschliff gibt, macht diese Umgebung so bizarr und einzigartig. Wir erklimmen eine der höchsten Dünen, von wo aus wir eine herrliche Fernsicht über diese fantastische Landschaft haben. Elke sieht sie als erstes, schwarze Klumpen, die von weitem wie runde Felsformationen aussehen. Als Elke unseren Fotoapparat zur Hilfe nimmt und die schwarzen Steine heranzoomt, erstarrt sie regelrecht und sagt, Louis das sind keine Felsen, das sind Wale. Das ist ja unglaublich und es werden immer mehr die auf diesen flachen Sandstrand zu schwimmen und darauf regelrecht festhängen. Wir können sie gar nicht alle zählen, da immer neue hinzukommen, ich schätze sie mittlerweile auf 100, es sieht aus wie auf einem großen Schlachtfeld. Die ersten Helikopter kreisen über uns und am Strand erkennen wir große Allradfahrzeuge, die sich alle in Richtung Wale bewegen, leider können wir von hier aus nicht helfen. Zwei Stunden später an unserem Parkplatz angekommen, erfahren wir, dass 200 Wale gestrandet sind und dass die Hilfsaktionen aufgrund der zunehmenden Flut vorerst eingestellt werden, zu gefährlich sind die Strömungen. Im Fernsehen erfahren wir später, dass man 70 Wale retten konnten, jedoch über 100 verendet sind. Als wir die Bilder sehen, wie sie am Strand liegen und sie hilflos nach Luft schnappen, stehen uns beiden die Tränen in den Augen. Dieses Erlebnis haben wir sehr lange in unseren Gedanken, es war Freitag der 13. - ein ganz normaler Tag.

Wir fahren an der Westküste in Richtung Süden weiter, solange wir im Auto sitzen und uns die tolle Landschaft anschauen ist alles in Ordnung, sobald wir aussteigen, werden wir regelrecht von den Sandfliegen zerstochen. Kein Problem sagt Elke, schließlich haben wir ein Moskitonetz dabei, da können wir heute Nacht in aller Ruhe schlafen. Leider haben wir die Rechnung ohne die Sandfliegen gemacht, die auch nachtaktiv sind und es tatsächlich fertig bringen, sich durch die engen Maschen zu quetschen. Wir können es einfach nicht glauben, wie die Menschen es hier an dieser Sandfliegengeplagten Westküste aushalten, deshalb fahre ich bis in die Nacht hinein nach Wanaka, wo wir vor diesen Biestern sicher sind.

Die letzte Woche in New Zealand ist für uns angebrochen, Judiths Geburtstag und unser kleines Abschiedsfest sind noch zu organisieren, was wir gerne mit gutem Essen und guten Weinen zelebrieren. Elke legt sich mächtig ins Zeug, mit einer Trilogie von Lachsmouse, einmal mit Frischkäse, mit verschiedenen Kräutern und mit gebratenen Apfelstücken. Ich backe in der Zeit die White Bait Taler für das Amüse und reiche dazu einen guten Sauvignon Blanc. Als nächstes kommt die cremige Kürbissuppe mit einem Spieß von Kokos-Chili-Prawns zum Einsatz begleitet von einem buttrigen Chardonnay. Das zarte Fischfilet auf Mangold und der passende Riesling von den Giesens machen Lust auf mehr. Die Wildente mit ihrer Honigkruste auf Linsensalat bildet mit einem kräftigen Shiraz den Höhepunkt. Das Dessert besteht wie so oft bei Judith aus reichlich Portwein. Um das Abschiedsessen brauchen Elke und ich uns nicht zu kümmern, Pete und Judith möchten uns höchstpersönlich bekochen. Zur Überraschung gibt es Langusten satt, ein tolles Abendessen, das wir so schnell nicht vergessen werden. Gäbe es unsere Freunde Judith und Pete in New Zealand nicht, hätten wir diese wunderschöne Insel nie so intensiv erleben können. Elke und ich hoffen, dass die Beiden bald nach Deutschland in die Pfalz kommen, damit wir uns für diese erlebnisreiche Zeit revanchieren können.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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