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Bei Freunden in New Zealand

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Die Gedanken waren schon fast wieder in Indien, als die Einladung von unseren Freunden Judith und Pete aus New Zealand uns erreicht. Sie sind gerade dabei, ein neues Haus zu bauen und könnten sicherlich auch Hilfe gebrauchen. Also beratschlagen Elke und ich, das für und wider nach New Zealand zu gehen, schließlich schmeißen wir unsere gesamte Reiseroute über den Haufen.

Nach allen Betrachtungen, wie steht es mit unseren Finanzen, wie reisen wir anschließend weite, werden wir eigentlich gebraucht, und gehen wir den Zweien nicht auf die Nerven, überwiegt letztendlich die Freundschaft. Nun sitzen wir im Flieger, der uns zunächst einmal nach Kuala Lumpur bringt, um dort neun Stunden im Flughafen zu verbringen. Was überhaupt kein Problem ist, da der Flughafen sehr großzügig, freundlich und angenehm eingerichtet ist. Von den bequemen Sitzecken, auf denen man auch ein kleines Nickerchen machen kann, über Spielecken für Kinder, Cafés, die die ganze Nacht geöffnet haben, ist alles vorhanden und macht den Aufenthalt sehr angenehm. Der neunstündige Weiterflug und der darauf folgend 18 Stunden Stopp in Melbourne sind dagegen kein Zuckerschlecken. Auf den harten Plastikstühlen machen wir kein Auge zu und die Zeit will einfach nicht vergehen. Die letzten 3 Stunden Flug nach Christchurch verbringen wir in Trance, zum Glück bringt uns ein Neuseeländer direkt vor die Tür unseres Backpackers. Um 3:30 Uhr in der Nacht, nach über 40 Stunden Reisezeit von Katmandu nach Christchurch, fallen wir völlig erschöpft in unser Bett. Unser Zimmer besteht aus einem Holzbrett mit durchgelegenen Matratzen und Toiletten auf dem Flur, es gibt nicht einmal einen Haken für unsere Kleider, einfach nichts. Für diesen Zustand haben wir in Nepal für ein Zimmer mit einer ordentlichen Dusche und Toilette inklusive WLAN so zwischen 3 und 5 Euro bezahlt, was hier locker das zehnfache übersteigt.

Bei der Stadterkundung am nächsten Tag schauen wir uns die Schäden des verheerenden Erdbebens an, das vor 5 Jahren hier in Christchurch stattfand. Noch immer sind die Schäden nicht behoben und teilweise wird die neue Innenstadt 20 Kilometer außerhalb am Stadtrand aufgebaut. Die Innenstadt ist zu einem Teil gesperrt, immer noch besteht Einsturzgefahr vieler Gebäude. Ein Besuch im Supermarkt lässt uns die Luft anhalten, solche Preise haben wir in den letzten 11 Monaten nicht mehr gesehen. Bei der Weinauswahl schlägt mein Herz wieder höher, leider nur für kurze Zeit, Preise zwischen 15 und 40 neuseeländischen Dollars verschlagen uns die Sprache. Gott sei Dank gibt es da noch einige Sonderangebote. Es wird Zeit, dass wir weiter in den Süden reisen. Ein Bus bringt uns von Christchurch die 400km nach Dunedin zum historischen alten Bahnhof.

Hier warten wir unter vielen Touristen auf Judith, die uns nach der Arbeit abholen will. Die Freude des Wiedersehens nach 5 Jahren ist groß und so haben wir uns auf der Fahrt nach Taieri Mouth viel zu erzählen. Mit Pete zusammen wird erst einmal eine Flasche Champagner geköpft, bevor wir das neue Zuhause unter die Lupe nehmen. Das Haus sollte eigentlich schon längst fertig sein, doch dann wird der Elektriker krank, anschließend kommt der Wasserinstallateur nicht bei, der Fliesenleger verwechselt die Wandfliesen mit den Bodenfliesen und so verzögert sich die Fertigstellung von einer Woche auf die andere. Wer selbst schon einmal ein Haus gebaut hat, kann ein Lied davon singen und mit Sicherheit ein Buch darüber schreiben. Außerdem arbeitet Judith unter der Woche in einer Forschungsstelle für Meeresbiologie. Pete fährt teilweise schon am Sonntagnachmittag zu seiner 300km entfernten Arbeitsstelle und kommt am Freitagabend erst wieder nach Hause, da bleibt für die Baustelle nicht viel Zeit. Also macht euch mal keine Sorgen, langweilig wird es euch hier nicht, sagen die Beiden lachend zu uns. Judith zeigt mir ihre zwei Gefriertruhen, die fast überquellen von Fleisch, Geflügel und Fisch. Hiermit könnt ihr euren Kochkünsten freien Lauf lassen und der Weinkeller ist auch gut gefüllt, mit den besten Sauvignon Blancs, Pinot Gris, Chardonnays, den diversen Rotweinen aus aller Welt und guten Portweinen aus Portugal (Anm. der Redaktion: freien Zugang zum Weinkeller für die Weinschmitts sollte man sich vorher gut überlegt haben). Von nun an sieht unser Alltag folgendermaßen aus: am Vormittag wird so weit es geht am Haus gearbeitet, den Nachmittag verbringen wir mit den Vorbereitungen für das Abendessen und den vielen Nebenarbeiten wie z.B. Rasen mähen, Wäsche waschen, Aufräumen der Wohnung, usw. alles Dinge, die Judith und Pete entlasten. Nach gut 2 Wochen sieht man immer mehr Fortschritte, das 200qm große Holzhaus ist frisch gestrichen, Teppichboden liegt nun in allen Zimmern, die Toiletten und Duschen sind angeschlossen und in der Küche geht es a uch langsam voran.

Weihnachten und die Urlaubszeit der Kiwis, wie man die New Zealander nennt, stehen vor der Tür und da geht gar nichts mehr, also auch Stillstand am neuen Haus. Das Wetter ist nach Angaben der Gasverkäuferin so gut wie seit Jahren nicht mehr, immerhin hatten wir fast eine ganze Woche Sonnenschein, lacht sie. Judith und Pete laden uns an Heiligabend zu einer speziellen Bootsfahrt an die Westküste ein. Zunächst fahren wir an der wilden Küste entlang bis nach Clifden und von da aus über eine unbefestigte Schotterpiste zum Hauroko See, wo wir im Zelt übernachten. Am nächsten Morgen stehen wir vor einem Jetboot, das nicht weniger als 400PS im Heck aufweist. Mit neun Personen, alle in dicke Schwimmwesten verpackt, fahren wir über den See oder besser gesagt wir fliegen. Alles noch Spaß bis wir in die Mündung des Wairahurahiri River mit vollem Speed einbiegen, gut das unser Steuermann langjährige Erfahrung auf diesem wilden Fluss gesammelt hat. So eine Jetbootfahrt ist nichts für schwache Nerven, wir rasen auf Felswände zu, an denen das Boot in letzter Sekunde herum gerissen wird. Oder wir machen eine unerwartete Volldrehung bei der das Wasser in großen Fontänen ins Boot spritzt. Nach 3 Stunden erreichen wir das offene Meer, zu unserer Überraschung steht ganz in der Nähe eine sehr komfortable Lodge im Busch. Unser Steuermann verspricht, uns morgen früh wieder abzuholen und Fleisch für den Grill mitzubringen, was wir alle sehr begrüßen. Mit Wanderungen durch den Regenwald, der mit Moos und Farn überzogen ist, vertreiben wir uns die Zeit. Pete versucht es mit dem Tauchen nach Lobster, leider ohne Erfolg, was der Stimmung am Abend bei Spaghetti Bolognese und Rotwein nichts anhaben kann. Punkt 11 Uhr am Morgen taucht unser Speedbootfahrer mit neuen Gästen und dem versprochenen Grillfleisch auf. Mit Scampiespießen, eingelegten Lammsteaks und einem Hirschfilet wird diese Tour sogar noch zu einem kulinarischen Erlebnis. Die Rückfahrt empfinde ich gar nicht mehr so schlimm, man gewöhnt sich doch schnell an diese unglaubliche Geschwindigkeit. Mit dieser Tour haben Judith und Pete uns eine große Freude gemacht, so hatten wir Weihnachten auch noch nicht erlebt.

Judith verrät uns so ganz nebenbei, dass sie zwischen den Jahren ihren fünften Hochzeitstag haben, der soll natürlich gebührend mit einem mehrgängigen Menü und guten Weinen gefeiert werden. Also durchforsten wir die zwei Gefriertruhen und was da alles zum Vorschein kommt ist unglaublich. Damit könnten wir mehrere Menüs zusammenstellen, wir entscheiden uns wie folgt.

Hochzeitstagsessen von Judith und Pete:

Zum Champagner reichen wir: Kokoda, roh marinierten Fisch in Kokosmilch und frische Muscheln in einer Limettensoße

Zum Pinot Gris: Rote Beete Suppe mit Sauercreme und frischem Basilikum

Zum Sauvignon Blanc: Gebackener Tigerprawnspieß mit Chili auf kleinem Salat

Zum Riesling: Zartes Lachsfilet auf Gemüse-Couscous

Zum Shiraz: In einer Sardellen-Marinade geschmorte Lammkeule mit Rosmarinkartoffeln

Zum Portwein 1989 Reserve: Schweizer zartbitter Schokolade

Wie dieses vorzügliche Menü geschmeckt hat, brauch ich hier sicherlich nicht extra zu dokumentieren. Silvester wird im kleinen Rahmen mit dem Nachbarn Berny gefeiert, vorweg mit Green Lipps Muscheln in einer Limetten-Knoblauch-Tomaten-Kräutersoße. Anschließend sind Judith und Elke mit Grillen an der Reihe, sie verwöhnen uns mit mariniertem Hühnchen und Lammkoteletts, ein schöner Abend, an dem viel gelacht wird. Am Neujahrstag sind wir bei dem Nachbarn Gregory schräg gegenüber eingeladen, jeder hat etwas mitzubringen, was hier bei einer Einladung üblich ist. Judith und Pete packen ein, als wollten wir für 14 Tage auf Tour gehen. Eine große Kühlbox wird mit Bier und Wein gefüllt und der Kühlschrank wird regelrecht geplündert. Kurze Zeit später stehen wir bei unserem Nachbarn mit einem Bier in der Hand in einer lockeren Gesellschaft. Eine große Tafel ist in der Garage aufgebaut, auf der jeder seine mitgebrachten Speisen präsentiert. Was da alles auf den Tisch kommt, verschlägt j edem Feinschmecker die Sprache. Den Reigen eröffnen wir mit unserem selbstgemachten Lebermouse mit Whisky, Avocado Mousse mit Knoblauch und der marinierten Lachsseite mit Meersalz und Dill. Gregory stiehlt uns die Schau mit einer 4,5kg großen Languste, noch nie zuvor hatte ich so ein großes edles Tier gesehen. Nebenbei grillt Gregory frisch gefangenen Blue Cod in Bierteig und ein anderer Nachbar stellt ein dickes, geräuchertes, saftiges Lachsfilet auf den Tisch. Nachdem wir uns alle an den Köstlichkeiten gelabt haben, gibt es verschiedene Desserts und danach sind wir eigentlich alle pappsatt. Nach einer kleinen Pause mit reichlich Wein und Bier wird wieder neu aufgetischt. Ein Gast präsentiert stolz seine frisch geräucherten Hühnchenteile, die er in seinem selbst gebauten Räucherofen auf getrockneten Eukalyptusblättern vollendet hat. Dann sind wir an der Reihe: ich lege Rumpsteaks und marinierte Lammspieße auf den Grill und als Gregory mich bittet ein 2kg schweres Hirschfilet und Scheiben von der Rehkeule auf dem Grill zu braten, bringt er mich mächtig ins Schwitzen. Das Hirschfilet brate ich an allen Seiten 1 Minute an, wickele es danach in Aluminiumfolie und lege es nur noch warm. Nach 20 Minuten schneide ich das Filet in 1 cm dicke Scheiben, zum Vorschein kommt ein rosaroter Innenkern, der so butterzart ist, das er sich einfach mit d er Zunge zerdrücken lässt, ein unbeschreiblicher Geschmack breitet sich in meinem Mund aus.

So geht das nicht weiter, sage ich zu Elke, noch mehr von diesen Partys und ich platze aus allen Nähten. Bevor wir auf die erste Rundreise gehen, mache ich den Nissan TÜV fertig, damit Pete ein Auto für die Arbeit hat. Dafür bekommen wir den Toyota Bus, den Elke und ich uns zu einem kleinen Wohnmobil umbauen. Ausgestattet mit einem Gaskocher, genügend Küchenutensilien, einer großen Kühlbox, einer weichen Matratze, einem Moskitonetz gegen die Sandfliegen und warmen Schlafsäcken von Judith. Unser erster Weg führt nach Dunedin in den größten Supermarkt, wo wir unsere Essensvorräte sowie eine ganze Reihe verschiedener Weine für eine ganze Woche zulegen. Jetzt sind wir wieder unabhängig und können reisen wie die Zigeuner, ein freies Leben, das Elke und ich so lieben.

Cousin Uwe und seine Frau Stefanie sind zurzeit für 4 Wochen auf großer Reise durch New Zealand. Natürlich sind sie für diese kurze Zeit ganz anders unterwegs als wir, alles ist bis ins letzte Detail organisiert, die Hotels, die jetzt mit dem Mietwagen angesteuert werden, sind schon lange vorgebucht. Wir fahren ins Landesinnere nach Twizel zum Lake Pukaki, von wo aus wir eine tolle Sicht zum Mount Cook haben, hier wollen wir die Beiden mit einem kleinen Menü direkt am See überraschen. Die Freude ist groß, da Elke ihren Cousin Uwe das letzte Mal auf der Hochzeit vor über 20 Jahren gesehen hat. Mit Lachsfilet auf kleinem Salat, Lammkoteletts auf Ratatouille, Karottenkuchen mit Früchtesalat und den dazu passenden Weinen haben wir den Beiden vor dieser unbeschreiblichen Kulisse eine große Freude bereitet.

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege, Uwe und Stefanie gehen nach Dunedin an die Ostküste und wir werden unsere Freunde Rob und Bab aus Australien in Queenstown besuchen. Sie haben sich dort eine große Wohnung gemietet, um mit ihren Töchtern, Schwiegersöhnen und den Enkelkindern Robs 70sten Geburtstag zu feiern. Elke und ich fühlen uns geehrt, dass wir zu diesem großen Ereignis eingeladen wurden, deshalb fahren wir zu einer Lachsfarm, wo wir einen frisch gefangenen 4kg schweren Lachs kaufen, dazu eine gute Flasche Sauvignon Blanc. Schon die Fahrt nach Queenstown bietet atemberaubende Landschaften wie Schluchten, wilde Flüsse, stahlblaue Seen und tolle schneebedeckte Bergketten. Queenstown wird auch als Adrenalin-Hauptstadt von New Zealand beschrieben, da sie eine nahezu unermessliche Auswahl an Abenteuern bietet. Im Winter verwandelt sich das Gebiet in eine Schneelandschaft zum Skifahren, während in den Sommermonaten den verrückten Kiwis keine Grenzen an Abenteuer gesetzt sind. Elke und ich erinnern uns an die Zeit vor 19 Jahren, als wir mit dem Fahrrad durch New Zealand gereist sind. Damals waren wir in Queenstown über die Weihnachtszeit eingeschneit und wir schworen uns, nie wieder hierher zu kommen, doch das ist lange her. Über die malerische Kleinstadt Wanaka wollen wir zum Haastpass, um die wilde Westküste zu erkunden. Da der Benzinpreis dort sehr hoch ist, beschließen wir in Wanaka noch einmal zu tanken. Während ich den Tank fülle, wundere ich mich über den hohen Dieselpreis und stelle mit Entsetzen fest, dass ich den Toyota mit Benzin gefüllt habe. Der Tankwart erklärt mir lächelnd, das kostet dich locker 300-400 Dollar, was mich regelrecht erstarren lässt. Es ist, wie sollte es anders sein, Samstagnachmittag, alle Werkstätten haben geschlossen und der Mitarbeiter des Autodienstes AA ist 5 Stunden von Wanaka entfernt Ich könnte mir in den Hintern beißen, wie kann man nur so blöd sein und den Griff von der Zapfstelle verwechseln. Erst am späten Abend erreichen wir dann doch noch einen Mechaniker, der uns zunächst einmal von der Tankstelle auf einen Caravanpark schleppt, so dass wir wenigstens im Auto schlafen können. Am Sonntagmorgen um 10 Uhr steht dieser freundliche Mechaniker vor uns, um uns an seinem freien Tag zu helfen. Ich versuche ihm soweit es geht beim Ablassen des Tanks und beim Reinigen der Leitungen zu helfen. Nach einer Stunde sind wir wieder fahrbereit und als ich ihn nach der Rechnung frage, runzelt er die Stirn. Also für meine Arbeit, die 20 Liter Diesel und das Reinigungsmittel für den Motor bekomme ich 200 Dollar und für das Entsorgen des Diesel-Benzingemisch muss ich euch pro Liter 4 Dollar abnehmen, macht zusammen 440 Dollar. Ich habe das Gefühl, es haut mir einer mit dem Hammer über den Schädel. Doch als er uns erklärt, dass er bei der Feuerwehr tätig ist und das Gemisch für Übungszwecke benötigt, lassen die Kopfschmerzen nach. Ich hole eine Flasche Wein aus dem Auto und bevor ich sie ihm übergeben kann, sagt er lachend, gebt mir 200 Dollar damit, ist alles bezahlt. Von nun an schaue ich dreimal auf die Zapfsäule, bevor ich tanke, verspreche ich Elke, hoch und heilig.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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