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Golf Championship

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Joe hatte mich vor 5 Jahren schon einmal gefragt, ob ich nicht mit ihm eine Runde Golf spielen wollte, lachend hatte ich damals abgewunken. Aber dieses Mal komme ich nicht drum herum, also nehme ich die Herausforderung an, denn wer hat schon einmal die Gelegenheit, auf einem der 10 interessantesten Golfplätze der Welt zu spielen.

Der Golfkurs von Pokhara liegt etwas außerhalb im Süden der Stadt, von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf das Annapurna-Massiv. Er wird von einem reißenden Fluss durchquert, der 250m tief in einer grünen Schlucht liegt. Als Crosscountry Golfplatz fällt er durch seinen Schwierigkeitsgrad unter die Top 10 der Welt. Ich habe bis zum heutigen Tag noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt, da ich dem Golfspielen keine große Beachtung geschenkt habe.

Also stehe ich an dem vereinbarten Morgen mit kurzer Hose, einem Shirt und meinen Wanderschuhen vor Joe, der mich kopfschüttelnd mustert: so geh ich mit dir nicht auf den Golfplatz. Ich muss mir ein paar weiße Golfschuhe, sowie ein Poloshirt eines berühmten Golfers anziehen, außerdem einen Handschuh und eine Schildkappe, damit ich vorschriftsmäßig aussehe. Danach geht es mit dem Taxi zum Golfplatz, dort werden wir von drei jungen Leuten empfangen. Die zwei älteren tragen das Golfequipment wie die Golftasche mit den verschiedenen Schlägern, der jüngste Amesch, hat den Job als Balljunge bekommen. Am ersten Abschlag erklärt mir Joe, wie ich den Schläger richtig in der Hand halte. Danach bekomme ich gezeigt, wie man die richtige Körperhaltung einnimmt und den richtigen Schwung holt, alles leichter gesagt als getan. Wenn ich mich auf diesen kleinen Ball konzentriere, sehe ich nicht, in welche Richtung ich schlage. Konzentriere ich mich auf die Fahne in der Ferne, schlage ich ständig neben den Ball und pflüge den Rasen um. Alles nur Übungssache, sage ich zu mir und siehe da, mit der Zeit werde ich immer besser. Die ersten zwei Löcher sind ja nur Spielerei, da sie auf dem flachen Hochplateau liegen, danach hört der Spaß für mich zunächst einmal auf. Loch 3 liegt 150 m tief und muss über eine weite Distanz von 300 Metern gespielt werden. Unser Golfjunge hat bei mir alle Hände voll zu tun, die ersten 5 Bälle sind nicht mehr auffindbar. Loch 4 muss über den reißenden Fluss gespielt werden, auch hier versenke ich einige Bälle, zum Gelächter aller. Aber ich finde immer besser ins Spiel und so langsam kommen die ersten anerkennenden Worte von Meister Joe. Jetzt liege ich nur noch 4-5 Schläge hinter Joe, was mich natürlich als Newcomer freut. Um zum Loch 5 zu gelangen, müssen wir den Ball wieder auf die andere Seite des Flusses schlagen, was mir mit dem ersten Schlag gelingt. Der Ball landet in einem hohen Gebüsch, in das der Balljunge sofort hineinspringt und genauso schnell, wie er reinspringt kommt unser junger Freund Amesch wie ein Känguru auch wieder herausgesprungen, hinter sich eine 10cm dicke und 2m lange schwarze Schlange, die ihn aber um Haaresbreite verfehlt. Der Abschlag für das Loch Nummer 6 wartet mit einer neuen Überraschung auf: das Spielfeld wird genau in der Hälfte durch einen Stacheldraht geteilt. Mein Ball schafft es nach dem ersten Schlag genau einen Meter vor den Stacheldraht, an dem ein paar junge Nepalesen ihre soeben gewaschene Wäsche zum Trocknen aufgehängt haben. Kein Problem sagt Joe, du musst den Ball an der Grasnarbe treffen und dich beim Abschlagen leicht nach hinten legen, dann geht der Ball locker drüber. Was ich nach einigen Trainingsschlägen beherzige und mit voller Wucht den Ball in die frisch gewaschene Wäsche schlage, darauf folgend einen halben Meter umgepflügten Rasen. Der Ball rollt zurück und liegt fast an dem gleichen Platz wie zuvor, was sich für alle zu einem riesigen Gelächter ausweitet, nur die jungen Leute lachen nicht.

An Loch 7 schaffe ich es sogar, mit den gleichen Schlägen wie Joe einzulochen, was meine Stimmung erheblich steigert. Nun wird es wieder schwieriger, da Loch 8 auf einer Anhöhe liegt und vom Abschlagsplatz nicht einsehbar ist. Amesch steht auf einer Kuppe, von wo aus er sieht, ob der Ball auf dem Hügel angekommen ist, dabei reißt er beide Arme hoch, bei mir allerdings erst nach dem vierten Abschlag. Als wir den Hügel hinauf laufen, erkenne ich zwei große braune Tiere und als wir näher kommen, kann ich es nicht glauben. Genau an Loch 8 stehen zwei Kühe und als Amesch sie vertreiben will, hinterlässt die eine Kuh einen dicken Scheißhaufen, ca. 5 cm vor dem Loch. Jetzt weiß ich, warum dieser Golfplatz einer der interessantesten und ungewöhnlichsten Golfplätze der Welt ist. Bevor wir überhaupt realisieren, was denn jetzt zu tun ist, hat unser kleiner Amesch den gesamten warmen und dampfenden Kuhfladen in seinen Händen und trägt ihn zur Seite, die Hände säubert er im Gras und der Rest geht an seine kurze Hose. Das letzte Loch Nummer 9 hat es noch einmal in sich. Vom Abschlag sind es etwa 30-40 m zur Schlucht, ab hier fließt der reißende Fuß gut 80 m tief hindurch und danach kommt das ersehnte Grün mit der Flagge. Das heißt im Klartext, von da wo wir stehen, sehen wir nicht genau, wo wir hinschlagen, wichtig ist nur, dass der erste Schlag weit über den Fluss gehen muss. Joe konzentriert sich und schlägt den Ball mit voller Wucht in den blauen Himmel. Das Signal von Amesch ist eindeutig, er hat es mit dem ersten Schlag über den Fluss geschafft. Nun bin ich an der Reihe, auch ich versuche mich, zusammen zu nehmen. Nach dem Schlag schaue ich in den blauen Himmel, kann aber keinen weisen Ball erkennen, weil mein Ball nicht nach vorne, sondern stark nach rechts abgedriftet ist. Wieder ein Ball der für immer verloren ist, so denke ich. Als Amesch mich winkend zu sich ruft und mir freudestrahlend den Ball zeigt, der genau 10 cm vor der Klippe liegt. Elke, Joe und unsere Helfer steigen eine steile Treppe hinab zum Fluss, wo sie ihn auf einer wackeligen Hängebrücke überqueren. Da steh ich nun alleine auf der Klippe und versuche mich zu konzentrieren, ich rede mit mir selbst und dem lieben Gott, ob er es nicht ein einziges Mal zulässt, dass ich einen halbwegs guten Schlag fertig bringe. Immer wieder versuche ich, neben dem Ball einige TrockenÜbungen, die alle ohne Ball gut aussehen. Es nützt alles nichts, und jetzt reiß dich mal zusammen, sag ich zu mir, indem ich mit vollem Schwung aushole und den Ball in den blauen Himmel katapultiere.

Ich kann es nicht glauben, zum ersten Mal sehe ich meinen weißen Ball fliegen, immer höher und weiter. Er fällt genau auf die Grünfläche und verfehlt das Loch nur um Haaresbreite. Alle reisen die Arme nach oben und sind am jubeln, was bei mir etwas braucht, da ich das erst einmal verarbeiten muss. Doch dann bricht es auch bei mir heraus und ich jubele und schreie als hätte ich die Master Championship gewonnen. Sogar die jungen Nepalesen, die ihre Wäsche wieder gewaschen haben, freuen sich für mich. Als ich auf der anderen Seite angekommen bin, werde ich von allen beglückwünscht und über alles gelobt, was für ein Schlag. Nachdem der letzte Ball in Loch 9 verschwunden ist, besiegeln Joe und ich das Spiel mit einem Handschlag. Joe ist so begeistert, dass er den Gästen vom Castle Resort immer wieder von unserem Golfturnier erzählt und wenn ich so seinen Erzählungen lausche, kommt bei mir eine gewisse Freude auf. Sollte ich jemals wieder nach Pokhara kommen, werde ich Joe zu einer Revanche herausfordern, denn hier in so einer unglaublichen Kulisse zu spielen, ist wirklich etwas ganz Besonderes.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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