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Castle Dinner

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Nach dem anstrengenden Panchase Treck müssen wir uns erst wieder ein bisschen erholen. Die fünftägige Wanderung, die uns jeden Tag 500-800 Höhenmeter abverlangte, steckt uns noch in den Beinen. In unserem Gästehaus freut man sich auf das Wiedersehen und unser Nachbar Krishna vom Sun Welcome grillt uns die größten Hähnchenschlegel, die wir je gesehen haben.

Mit kleinen Spaziergängen am Fewasee verschwindet der Muskelkater. Mit gutem Essen wie Spinat-Käse Momos, einer Thukpa-Suppe oder leckeren Chow-Chow-Nudeln und dazu am Abend ein schönes kaltes Bier vergeht die Zeit sehr schnell. Viele Reisende aus Indien sind zurzeit in Pokhara unterwegs, sie alle warten auf ein neues Visum für Indien, auch wir sind am Überlegen, wieder durch Indien zu reisen. Wir hatten uns zwar vorgenommen, nicht mehr in dieses extreme Land zu reisen, zu groß sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich, und trotzdem würde es uns wieder reizen. Aber wir haben ja noch genügend Zeit in Nepal, deshalb verschieben wir diese Entscheidung einfach nach hinten. Ein gewaltiger Orkan kommt vom Süden Indiens direkt auf Nepal zu. In Pokhara fällt lediglich starker Regen, doch in den Bergen ab 4000 m fallen über 2 m Schnee in einer Nacht. Betroffen ist hauptsächlich die Annapurna Region, in der zur Zeit mindestens 500 Wanderer und Bergsteiger unterwegs sind. Nach ersten Meldungen gibt es über 30 Tote und Hunderte, die als vermisst gelten. Leider steigt die Zahl der Toten in den nächsten Tagen drastisch an, ganze Seilschaften sind wie vom Erdboden verschwunden.

Es wird Zeit wieder, einmal auf das Castle Resort zu Sofie und Joe zu gehen, um nach dem Rechten zu schauen. Es dauert auch nicht lange, da steht die erste Flasche Wein auf dem Tisch, dazu frisch gemachte Gemüse-Pokata und das scharfe Chicken-Chilli. Sofie erzählt uns von ihrem neuen Job, für den sie seit zwei Monaten arbeitet. Sie organisiert ein Treffen von Professoren aus Norwegen, die durch bessere Wasserturbinen die Stromerzeugung in Nepal erhöhen wollen. Es werden bis zu 20 hochkarätige Gäste erwartet, also muss alles perfekt vorbereitet sein. Die besten 5 Sterne Hotels werden gebucht, die Räumlichkeiten für die verschiedenen Tagungen angemietet sowie der Transport von den Hotels zu den einzelnen Veranstaltungen organisiert. Vom Frühstück über das kleine Mittagessen bis zum mehrgängigen Menü am Abend muss alles im Voraus abgestimmt werden. Alles gar nicht so einfach, da wir uns nicht in Europa befinden, sondern in Nepal und hier gehen die Uhren halt mal anders. Sofie möchte vor Ort in Kathmandu sein bevor die Gruppe aus Norwegen eintrifft und ausgerechnet in den nächsten Wochen ist das Castle Resort ausgebucht. Bevor Sofie nach Katmandu aufbricht, sagt sie uns noch, dass die Gruppe ihren Abschluss auf dem Castle machen möchte und da wäre es natürlich toll, wenn wir ein besonderes Castle Dinner servieren könnten. Elke schaut mich nur an und auch mir ist klar, dass wir hier wieder gebraucht werden. Doch zuvor reden wir mit dem Küchenchef Krishna und dem Restaurantleiter Ram, ob auch sie damit einverstanden sind, dass wir ihnen unter die Arme greifen. Am meisten freut sich jedoch Joe, der sichtlich zufrieden ist, nach dem Motto: jetzt kann ja nix mehr schief gehen.

Wir verabschieden uns im freundlichen Gästehaus “Harmonie” und ziehen mit unseren Klamotten in den Bungalow L4. Es ist der ruhigste und abgelegenste Bungalow vom Castle, er steht fast im Gemüsegarten mit einer kleinen Veranda und einem tollen Blick über den Fewasee zur Friedens-Stupa. Es ist der erste Sonntag im Dezember, an diesem Tag backen Elke und ich zu Hause immer unsere traditionellen Weihnachtsplätzchen und diese Tradition wollen wir auch hier fortführen. Schnell wird eine E-mail an meine Schwägerin Hanne, Freundin Helga und Edith verschickt, die uns in Kürze mit Backrezepten versorgen. Elke verschwindet in der Küche und backt unter der Beobachtung des Küchenpersonals Vanillekipferl, Buttergebäck und Terrassenplätzchen. Da sich nicht nur das gesamte Personal sondern auch unsere Gäste, vor allem aber Joe, über die leckeren Süßigkeiten freuen, muss Elke von nun an des Öfteren backen. Das Castle Resort ist in den nächsten 3 Wochen bis auf das letzte Bett ausgebucht, was uns natürlich alle freut. Das kleine Problem dabei ist die Speisekarte, die mit viel zu vielen Positionen aufwartet und die Küche an den Rand der Verzweiflung bringt. Deshalb beschließen wir, mit der Erlaubnis von Joe, das gesamte Konzept wie vor fünf Jahren umzustellen. Ab sofort bieten wir den Gästen jeden Tag ein 4 Gänge-Menü an dazu zwei Gläser Wein und Wasser soviel sie möchten und das alles zu einem Festpreis. Da wir einen großen Garten mit Organic-Gemüse haben, können wir aus dem Vollen schöpfen. Auch das Angebot an frischem Obst, Fisch, Enten, Schwein, oft auch Wildschwein und Ziege sind auf dem Markt sehr groß. Von unseren Nachbarn werden wir morgens mit frischer Milch vom Wasserbüffel beliefert und die Eier kommen aus dem eigenen Hühnerstall. Mit Krishna legen wir die Menüs für eine ganze Woche fest und zwar so, dass sich nichts wiederholt. Der Freitag ist der traditionelle Fischtag, samstags ist original Nepal-Essen mit Dahl Baht, der Donnerstag wird zum hausgemachten Nudel-Tag mit traditionellen Bolognesen oder mit originellen vegetarischen Soßen. Die verbleibenden restlichen vier Tage sind für die flexiblen Menüs gedacht. Je nachdem, was wir morgens frisch auf dem Markt bekommen, wird für unsere Gäste am Abend zubereitet. Für die dazu passenden Weine konsultiere ich unseren Freund Kiren aus Kathmandu, der uns mit Chardonnay, Sauvignon Blanc, einem Rose und Rotweinen aus Australien versorgt.

Natürlich ist die gesamte Mannschaft wieder skeptisch, ob das von den Gästen angenommen wird. Deshalb mache ich am ersten Tag die Probe aufs Exempel und frage persönlich unsere Gäste nach dem Frühstück, wer denn alles am Abend an unserem Menü teilnehmen möchte. Und siehe da, die Freude ist groß, von allen bekomme ich ein OK für das Castle Dinner. Eine große Tafel wird gestellt, alles wird schön eingedeckt und die Küche kann ab sofort mit den Vorbereitungen für das Menü beginnen. Für den ersten Abend haben wir folgende Speisen ausgesucht: Wir beginnen mit einer Karotten-Orangensuppe, als zweites einen kleinen gemischten Salat mit einem hervorragenden französischen Dressing. Der Hauptgang besteht aus einem butterzarten Schweinekotelett im Speckmantel, dazu Apfelmus und Rosmarin-Kartoffeln. Die Trilogie von Muffins auf einem Mango Chutney rundet das herrliche Menü ab. Um 19Uhr treffen sich unsere Gäste, die aus verschiedenen Nationen stammen, darunter auch Silke und Thomas aus Dresden, sowie Susanne aus Berlin, im Irish Pub zu einem Aperitif. Bei dieser lockeren Atmosphäre werden die ersten Kontakte geknüpft, jeder hat eine andere Story zu erzählen. Diese tolle Stimmung steigert sich beim Essen und den Weinen, so dass sich alle einig sind, am nächsten Abend bei dieser redseligen Runde und dem kulinarischen Erlebnis wieder dabei zu sein.

Der Abend mit Sofies Delegation aus Norwegen naht, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, wir sind alle sichtlich nervös, schließlich will jeder sein Bestes geben. Elke und Krishna sind sich einig: das Menü muss etwas Besonderes werden, ein Essen, das es in keinem der 5 Sterne Restaurant gibt. Zum Empfang soll es einen Cocktail geben, den Himalaya-Eyes den Elke damals kreiert hat, bestehend aus Kokosmilch, Blue Curacao und Rum, dekoriert mit einer Hibiskusblüte. Als Amuse reichen wir Hühnerlebermouse und Avocadomouse auf Sesamcrackern. Für den ersten Gang möchte Elke eine Kürbiscremesuppe mit Marsalacurry und frischem Koriander zubereiten. Krishna ist als nächstes dran mit einem kleinen Salat aus unserem Garten und Chile-Cocos-Prawns. Danach kommt mein Part, Zicklein mit frischem Gemüse und Reis, im Bambusrohr gegart. Das Dessert übernimmt wieder Krishna, frittierte Momos mit Mozartkugeln gefüllt. Zum krönenden Abschluss wird Espresso und Elkes Weihnachtplätzchen gereicht. Zu diesem ausgefallenen Menü servieren wir einen leicht buttrigen Chardonnay, einen frischen Sauvignon Blanc und einen kräftigen Syrah. Für dieses herrliche Essen gibt es von der norwegischen Delegation viel Lob und Beifall. Den schönen Abend lassen wir mit viel Rum und Whisky bei heiterer Stimmung wieder in unserem Irish Pub ausklingen. Wir sind alle erleichtert, als Sofie mit der Truppe um Mitternacht zum Hotel fährt. Am nächsten Morgen ruft Sofie auf dem Castle an und erzählt Joe, dass es den Norwegern so gut gefallen hat, dass sie ihren freien Nachmittag wieder auf dem Castle mit gutem Essen verbringen wollen. Jetzt müssen wir allerdings ein bisschen in die Trickkiste greifen. Gemeinsam beschließen wir, die Truppe mit einem Fingerfood Büffet zu überraschen, viel Zeit bleibt uns dafür nicht. Krishna und Elke sind in der Küche und versuchen aus allem, was es noch im Kühlschrank gibt, etwas gutes zu kreieren Ich versuche in der Zwischenzeit mit dem Service Team, unserem Nachtwächter Tigerram und dem Gärtner Debie, um das Schwimmbad herum eine schöne Atmosphäre zu gestalten. Mit Papad Marsala, Peanuts Sadheko, Chicken-Cilli, Patato-Curry, Gemüse Pakota, Samosas, Yakkäse, Momos gefüllt mit Schokolade und zu allem verschieden scharfe Dips verzaubern wir den kulinarischen Nachmittag der Norweger. Zum Abschied bekommen Elke und ich mehrere Visitenkarten zugesteckt mit der Bitte, diese Einladung nach Norwegen anzunehmen. Normalerweise haben wir unseren Job erledigt, wir könnten eigentlich gehen, dachten wir, doch da kommt eine neue Reservierung herein. Eine Reisegesellschaft aus Deutschland und Österreich hat sich mit 20 Personen für das Wochenende angemeldet, mit dem speziellen Wunsch, ein Entenessen zu zelebrieren.

Wer wissen will, wie dieses kuriose Enten essen ausgegangen ist und wie wir in letzter Minute unseren Flug nach New Zealand bekommen haben, erfährt es wenn wir wieder in Deutschland sind, bei einem guten Tropfen Wein…

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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