Tour 2014-2015
Tour 2009-2011
Weinschmitts
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Home
« Abenteuerlicher Panchase Trail » Unglaubliche Begegnungen

Casa Nepal

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Von Bali Denpasar geht der letzte Flug kurz vor 23 Uhr nach Jakarta, wo wir auf unseren Weiterflug am nächsten Morgen warten. Mit viel Kaffee und immer wieder einem kleinen Spaziergang durch die wenigen offenen Läden des Flughafengebäudes halten wir uns wach. Der Flug nach Kuala Lumpur und weiter nach Katmandu ist sehr angenehm, Zeit genug über die letzten Erlebnisse von Indonesien nachzudenken.

Kulinarisch gesehen war Indonesien gar nicht mal so schlecht, schließlich fehlt die indische und die chinesische Küche. Diesen Vorteil hat natürlich Malaysia, das dadurch eine große, reichhaltige und abwechslungsreiche Küche genießt. Dennoch gibt es Speisen, die vielleicht nicht jedermanns Sache sind, die uns aber hervorragend geschmeckt haben. So zum Beispiel auf Sulawesi die Coto Makkasar, eine kräftige Suppe mit Innereien wie Herz, Leber, Lunge und Pansen vom Wasserbüffel. Oder in den Bergen in Rantepao das originelle Papion, Büffel, -Hühnchen,-Schweinfleisch verschiedenartig mariniert und mit Reis und Gemüse im Bambusrohr gegart. Auf Bali genießen wir einen scharf angemachten Mangosalat mit frischen Prawns. Die gegrillten Satéspieße gespickt mit Fisch oder Hühnchenfleisch, dazu eine würzige Erdnussbuttersoße sind den ganzen Tag über beliebt. Die verschiedenen Fischsteaks werden mit einer balinesischen Soße oder einer Buttersoße mit viel Knoblauch serviert. Hinzu kommen die verschiedensten gebratenen Reis- und Nudelvariationen, die von Insel zu Insel anders zubereitet werden. Das Interessante an Indonesien sind die über 17.000 Inseln, die total unterschiedliche Kulturen, Religionen, Landschaften, Lebensarten, Geschmacksrichtungen, Sprachen und Gesänge haben. Seitdem wir Indonesien bereisen haben wir gerade einmal 11 Inseln besucht und wir hatten auf keiner einzigen Langeweile.

Wir setzen zur Landung auf dem Flughafen in Katmandu an und jeder, der einmal hier war, weiß, in welches Chaos er sich begibt. Man beschreibt die Stadt als Schmelztiegel aller Völker von Nepal mit einem Duft von exotischen Gewürzen und Weihrauch. Das alles muss lange her sein, denn wir kennen Katmandu nur fürchterlich verdreckt und abartig laut, das permanente Gehupe macht einen Krank. Der Taxifahrer, der uns in die Innenstadt bringt, erzählt uns, dass gerade das Dhasain Festival stattfindet, es ist das größte und wichtigste Fest der Nepalesen. Man huldigt der Muttergöttin Durga, ihr zu Ehren werden Tieropfer erbracht, die dann im Familien- und Freundeskreis verzehrt werden. Das ganze Land ist am Feiern und das öffentliche Leben ist über eine Woche lang lahm gelegt, ihr könnt von Glück reden, dass es in drei Tagen zu Ende ist. Das Gute daran ist, dass die Stadt wie ausgestorben ist, kein Gestank und kein Gehupe. Im Friendly Home Hotel bekommen wir das neu renovierte Zimmer auf dem Dach mit einem herrlichen Blick über Katmandu. Tagsüber und abends leben viele Städter auf dem Dach, einige haben kleine Außenküchen installiert, wo sie ihr Dal Baht kochen. Viele Frauen sind am Kleider waschen und Kinder lassen ihre bunten Drachen steigen. Ganze Heerscharen von verschiedenen Vögeln versammeln sich auf den Dächern und wir können es kaum glauben, aus der Ferne sehen wir Affen mitten in der Stadt. Sie fressen alles, was an Pflanzen auf den Dächern steht, und klauen, was ihnen in die Hände fällt. Das alles gibt dem Ganzen bei einem schönen Sonnenuntergang eine besondere Atmosphäre.

Wir beschließen, am nächsten Morgen zur Stupa von Swayambhunath zu wandern, sie ist das Wahrzeichen von Katmandu und liegt etwas außerhalb auf einem kleinen Hügel. Er wird bevölkert von ganzen Affenbanden, weshalb man ihm auch den Namen Affentempel gegeben hat. Was uns wiederum entgegenkommt, da der richtige Name der Stupa für uns kaum aussprechbar ist. Wer durch Katmandu läuft, begibt sich auf eine einmalige Entdeckungsreise, vorbei an unzähligen Hindutempeln, bunten Märkten in engen Gassen, dichtgedrängten Souvenirläden und natürlich einer Vielzahl von Trekking- und Expeditionsagenturen. Das wahrscheinlich abgefahrenste und skurrilste Heiligtum der Stadt ist der Schrein der Zahnschmerzen. Ein dickes Stück Holz, in das man tausende von Nägeln eingeschlagen hat. Die Legende besagt, das jeder, der einen Nagel in das Holz schlägt, von seinen Zahnschmerzen befreit wird. Bevor wir nach Pokhara weiter ziehen möchte ich unseren Freund Kiren besuchen. Er besitzt einen Weinhandel, versteckt in einem Hinterhof. Um ihn wieder zu finden, frage ich mich in vielen Geschäften, die auch Wein anbieten, durch. Nach fast zwei Stunden werden wir bei einem älteren Herrn fündig, der uns dreimal nach dem Namen fragt. Nach kurzer Überlegung schickt er uns durch einen kleinen dunklen Durchgang zu einem unscheinbaren Gebäude, das gar nicht wie ein Weinhandel aussieht. Kiren freut sich nach so langer Zeit, uns wieder zu sehen. Vor fünf Jahren, als wir das Castle Resort führten, verkauften wir für ihn eine große Menge an Wein, zu damaliger Zeit ein absoluter Rekord.

Freunde von uns in der Pfalz hatten bei einem runden Geburtstag für die Organisation Casa Nepal eine beachtliche Summe gesammelt und da wir schon einmal hier sind, halten wir es für eine gute Idee, sie einmal zu besuchen. Der Besuch bei Barbara, Leiterin des Casa Nepal, in einem kleinen Stadtteil Katmandus, steht an. Barbara, die aus Italien stammt, empfängt uns freudig. Sie erzählt uns bei einer Tasse Tee von diesem außergewöhnlichen Frauenprojekt. Zunächst einmal muss man das Projekt als Zufluchtsort für Frauen sehen, die in ihren Familien oder in ihren Dörfern, in denen sie lebten, keine Perspektiven mehr haben. Es beginnt schon mit der Heirat, die oft von den Eltern arrangiert wird, ohne die Zustimmung der Vermählten. Ist der Brautpreis von Seiten der Braut bezahlt, zieht sie in ein neues Dorf und in den Familienclan des Bräutigams. Hier hat sie sich allen Riten und Sitten zu unterwerfen, was oft zu großen Problemen führen kann. Große Probleme entstehen etwa durch den Tod des Ehepartners, wodurch sie in der eingeheirateten Familie nicht mehr akzeptiert wird. In einigen Kasten wird sogar erwartet, dass sie einen Freitod durch Verbrennen wählt, macht sie das nicht, hat sie die Hölle auf Erden. Zurück in die elterliche Gemeinschaft ist aber auch nicht möglich, einmal raus aus der Familie, gibt es kein Zurück mehr, da bleibt nur noch die Flucht ins Casa Nepal. Dann gibt es viele Opfer durch Gewaltverbrechen und Diskriminierung, oft durch den eigenen Ehemann, der seine Frau nach einer gewissen Zeit nicht mehr toleriert und sie ständig vergewaltigt oder fast zu Tode prügelt. Barbara erzählt uns, dass eine Frau, die sich im Casa Nepal wieder erholt hatte, zurück zu ihrem Mann gegangen ist. Nach kurzer Zeit hat er ihr die Beine gebrochen, damit sie nicht wieder wegläuft. Die Nachbarn brachten sie ins Krankenhaus und alarmierten die Polizei. Da eine Frau hier in Nepal nicht viel zählt, fällt auch die Bestrafung des Ehemanns sehr gering aus. Er musste lediglich ein Papier unterschreiben, in dem er bestätigte, dass er diese schreckliche Tat nicht wieder begeht. Das Frauenhaus möchte in erster Linie den Frauen wieder Mut machen, ihnen ein Selbstwertgefühl zurückgeben, damit sie wieder an einem normalen Leben teilnehmen können. Man zeigt ihnen, wie man mit der eigenen körperlichen Reinheit umgeht, eine richtige Ernährung, den Umgang mit Alkohol und Drogen und mit Geschlechtskrankheiten. Hierfür hat man Programme erarbeitet, die es den Frauen ermöglichen, eine Tätigkeit zu erlernen, duch die sie in die Unabhängigkeit geführt werden. Zum Beispiel, wie man mit einer Nähmaschine umgeht, sich eigene Kleider näht, um dann später mit dem Erlernten sich selbst Geld zu verdienen. Ist eine Frau dann in der Lage, sich selbst zu versorgen oder ein eigenes Geschäft zu führen, wird sie meistens wieder in der Familie akzeptiert. Das alles ist natürlich ein langwieriger Prozess, bei dem die Frauen viel Mut und Ausdauer mitbringen müssen. Ohne Spenden könnte solch eine großartige Organisation nicht überleben und man muss von Glück reden, dass es diese tollen Menschen vor Ort gibt, die sich aufopfernd diesen Frauen widmen.

Wer wissen will, wie toll wir in Pokhara und im Castle Resort nach so langer Zeit wieder aufgenommen wurden, wird es erfahren bei einem guten Glas Wein oder bei unseren beliebten „Kulinarischen Diashows“.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

« Abenteuerlicher Panchase Trail » Unglaubliche Begegnungen