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Herzattacken

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Die Schiffsfahrt von Flores nach Lombok müssen wir erst einmal verarbeiten, deshalb machen wir mit der holländischen Familie von Niels in Senggigi erst einmal für ein paar Tage frei. Gemeinsam gehen wir abends zum Nachtmarkt, lassen uns ein Mahi Mahi oder ein gutes Tunfischsteak servieren und haben bei einem kalten Bier viel Spaß zusammen.

Senggigi war früher ein verschlafenes Fischerdorf, das sich seit den 90er Jahre zu einer Touristen Hochburg von Lombok entwickelt hat. Auf der Bootsfahrt hatte ich zum ersten Mal Probleme mit meinem Herz, ständig hatte ich das Gefühl, dass es aussetzt oder so langsam schlägt, dass es fast zum Stehen kommt. Diese kleinen Herzattacken kommen nun immer öfter und halten auch länger an, was mir so langsam Sorgen bereitet. Ich versuche, das alles zu ignorieren, in der Hoffnung, dass es sich wieder von alleine normalisiert.

Deshalb miete ich zur Ablenkung ein Motorrad, um Lombok besser zu erkunden. Wir fahren an wunderschönen schwarzen und weißen Sandstränden immer in Richtung Norden nach Bangsal, wo die Fähre zu den Inseln Gili Trawangan, Gili Meno und Gili Air abfährt. Diese Inseln haben gerade in den letzten Jahren bei jungen Leuten stark an Popularität gewonnen. Unser Ziel ist jedoch der Gunug-Rinjani-Nationalpark mit dem 3726m höchsten Vulkan von Lombok, der von herrlichen Wasserfällen umgeben ist. In dem Dorf Senaru, dem Ausgangspunkt zur Besteigung des Gunung Rinjani, finden wir eine nette Unterkunft. Der Rinjani ist für die Sasak und Balinesen auf Lombok der heiligste Ort der Insel und Wohnsitz der Götter. Jedes Jahr pilgern Tausende zu dem blauen Kratersee Danau Segara Anak, auch “Kind des Ozeans” genannt, der in über 2000m Höhe liegt. Gerne hätten wir diesen Vulkan mit seiner traumhaften Kulisse bestiegen, da ich mich wieder einmal nicht so wohl fühle, wandern wir zu den Wasserfällen.

Am nächsten Tag fahren wir weiter zur Ostküste, vorbei an Labuhan Lombok, wo die Fähre nach Sumbawa übersetzt. Von da aus geht es durch kleine Dörfer, wo wir an überfüllten Märkten halten, um das Treiben der Einheimischen zu beobachten. Auf den Märkten liegt das Gemüse und das Obst meistens auf dem Boden, mitten drin sitzen die Bauern, um ihre Waren zu verkaufen. Wenn die Dorfbewohner ihren Einkauf erledigt haben, lässt man sich mit einer Pferdekutsche nach Hause bringen. Unser Weg führt immer weiter nach Süden bis zum Kuta Beach, wo die Wellenreiter im Meer auf ihren großen Ritt warten. Gerne wären Elke und ich noch länger hier geblieben, wenn ich in der Nacht nicht wieder eine weitere heftige Herzattacke bekommen hätte. Auch Elke bekommt es nun mit der Angst zu tun, was soll sie machen, wenn das Herz für länger Zeit aussetzt, weit und breit keine Hilfe in Sicht, geschweige denn ein Arzt. So geht das nicht weiter, sagt Elke, wir fahren so schnell es geht in die Hauptstadt Mataram, dort wirst du dich im Krankenhaus komplett durchchecken lassen.

Noch am gleichen Morgen stehe ich im Krankenhaus in der Aufnahme und als ich erfahre, dass es hier eine Radiologie gibt, bin ich zunächst einmal sehr erleichtert. Allerding erklärt man uns, dass sie nicht besetzt ist und der zuständige Arzt in Urlaub ist, wir sollen es heute Abend so gegen 18 Uhr nochmals versuchen. Was bleibt uns anderes übrig, wir fahren in die Stadt, um uns ein Zimmer zu suchen, um anschließend wieder ins Krankenhaus zu fahren. Es ist schon 19 Uhr und immer noch kein Arzt in Sicht. Eine halbe Stunde später werde ich von einer hübschen Indonesierin im weißen Arztkittel in ein kleines Zimmer gebeten. Sie stellt mir ein paar Fragen wegen der Herzbeschwerden, danach hängt sie mir ein EKG an und gleichzeitig versucht sie, mit einem Ultraschallgerät die Herzfunktion zu untersuchen. Der Test fällt ihrer Meinung nach sehr gut aus, sie kann keinerlei Probleme feststellen, deshalb verschreibt sie mir Ruhe und ein paar Vitamintabletten. Das kann doch nicht sein, sag ich zu Elke, wie sollen denn die Herzattacken mit Vitamintabletten behoben werden.

In der Nacht häufen sich die Anfälle und ich habe Angst, dass ich einen Herzinfarkt bekomme. Deshalb beschließen wir, schnellstens nach Bangkok zu fliegen um mich in einem geeigneten Krankenhaus, das auf Herzprobleme spezialisiert ist, untersuchen zu lassen. Wir buchen den nächsten Flug und stehen 2 Tage später im Missionskrankenhaus von Bangkok vor dem Chefarzt. Hier fühle ich mich gut aufgehoben, zunächst bekomme ich den Blutdruck gemessen, danach wird mir Blut abgenommen und anschließend muss ich ein Belastungs-EKG hinter mich bringen. Am nächsten Morgen bekomme ich das erste Ergebnis, alle Anzeichen von Gliederschmerzen, Ermüdungen und das Herzholpern deuten auf einen Virus hin, der den Herzmuskel entzündet hat. Damit wir aber sicher gehen, bekomme ich ein Langzeit-EKG von einer Woche angehängt und absolute Ruhe verschrieben.

Da ich in Bangkok keine Ruhe finde, entscheidet Elke, auf die nahegelegene Insel Ko Chang zu fahren. Elke bemuttert mich eine Woche lang, ich darf absolut nichts tun, was für mich gar nicht so einfach ist. Aber von Tag zu Tag verspüre ich eine leichte Besserung und so reisen wir nach einer entspannten Woche wieder zurück. Nach einer Blutdruckmessung wird mir endlich dieses lästige EKG entfernt, danach folgt noch einmal eine kurze Besprechung mit dem freundlichen Chefarzt, bevor wir das Krankenhaus verlassen. Das Gesamtergebnis der Untersuchung wird mir ein paar Tage später per E-Mail mitgeteilt, so dass wir wieder weiter reisen können. Das Problem ist nur, wohin, überall im Norden Thailands, Indiens, Koreas und Nepals wütet der Monsun. Da bleibt eigentlich nur noch der Süden wie Koh Panghan, Malaysia oder wieder zurück nach Indonesien. Bis das Ergebnis vorliegt, bleiben wir in der Nähe, falls wir noch einmal zurück nach Bangkok müssen.

Auf der Insel Koh Panghan finden wir ein kleines hübsches familiäres Hotel, wo ich viel Ruhe genieße. Mit leichten Spaziergängen an den schönen Sandstränden und einigen Ausflügen über diese wilde Insel schreitet meine Genesung voran Fünf Tage später kommt der erleichternde Befund aus dem Krankenhaus, das Herz sei vollkommen in Ordnung, es sollte weiterhin nicht belastet werden. Die Gliederschmerzen können allerdings bis zu 8 Monaten jederzeit schubweise wieder auftreten, bis sie vollständig aufhören. Sollten wider Erwarten Herzattacken wie Herzholpern, Aussetzer oder Herzrasen auftreten, ist sofort ein Arzt in Bangkok oder in Deutschland aufzusuchen. Das beruhigt uns und die Familie und Freunde in Deutschland, die schon mit einer vorzeitigen Heimkehr gerechnet hatten. Nun liegt es an dir, sagt Elke, ob wir unsere Reise fortführen oder sie vorzeitig abbrechen.

An manchen Tagen fühle ich mich so stark, als könnte ich Bäume ausreißen und dann wieder wie ein alter Mann, der bei jedem Schritt Schmerzen in den Füßen hat. Ich hadere lange Zeit mit mir, bis ich fest daran glaube, dass mein Gesundheitszustand sich beim Weiterreisen verbessert. Nach diesem Beschluss ist jetzt auch Elke erleichtert und gemeinsam beschließen wir, noch einmal nach Indonesien, dieses Mal auf die Insel Bali, zu reisen.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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