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Beim Sultan in Brunei

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Über die Stadt Miri gibt es eigentlich nicht viel zu Berichten, außer dass sie ihren Reichtum den vielen Ölquellen im Meer verdankt und die scheinen ordentlich zu sprudeln. Dann gibt es da noch die zwei, drei Nachtmärkte, auf denen es reichlich guten Fisch gibt und das Bier fließt hier in Strömen.

Zuerst bin ich daraus nicht schlau geworden, in einem Supermarkt kostet eine Dose Bier 7 Ringi, im Restaurant werden uns drei Bier als Set für 10 Ringi verkauft, das macht doch keinen Sinn und ich frage die Bedienung wo bleibt da der Gewinn. Die müssen erst einmal herzhaft lachen, also im Supermarkt sind auf jeder Dose Bier Steuern drauf und bei uns bekommt man das Bier über den Schwarzmarkt und weil Brunei nur ein paar Kilometer entfernt ist, verkaufen wir das Bier hier Palettenweise. In Brunei ist der Verkauf alkoholischer Getränke strengstens verboten, ebenso dürfen in Restaurants kein Bier oder Wein ausgeschenkt werden. Solltet ihr also nach Brunei reisen, deckt euch gut mit Bier oder Wein ein, dabei drückt er mir ein Merkblatt in die Hand, worauf übersetzt zu lesen ist:

“Bei einem Aufenthalt in Brunei müssen sie sich nicht von ihrem Lieblingsgetränk verabschieden. Brunei hat eine der weltweit großzügigsten Bestimmungen für den zollfreien Import alkoholischer Getränke. Nicht-Moslems über 17 Jahren ist für den persönlichen Konsum die Einfuhr von 2 Litern Wein oder anderen Alkoholika bzw. 12 Dosen Bier gestattet und zwar zweimal täglich. Der nächste Grenzübergang ist nur ein paar Autominuten vom Empire Hotel entfernt.”

Über diese großzügigen Bestimmungen müssen wir beide lachen und bestellen uns darauf einen neues Set Bier, denn ab morgen beginnen die alkoholfreien Tage. Mit dem Bus sind wir in einer halben Stunde an der Grenze zu Brunei, alles läuft gut und so starten wir kurze Zeit später in die 80 km entfernte Hauptstadt Bandar Seri Begawan. Elke, sag ich, schau doch einmal im Reiseführer nach einer billigen Unterkunft. Elke liest laut vor, in ganz Brunei gibt es keine preiswerten Unterkünfte, das günstigste ist eine Jugendherberge, die Übernachtung in getrennten Schlafsälen mit Toilette im Flur kostet 30 Brunei Dollar pro Person. Das kann ja eine teure Angelegenheit werden, deshalb mache ich mich gleich nach der Ankunft auf die Suche nach einer Bleibe für die Nacht. Die Angebote sind niederschmetternd für unseren Geldbeutel, zwischen 120-500 Brunei Dollar, was in etwa 60-250 Euro entspricht. Umso mehr freut es uns, dass wir im Capital Suites Hotel ein Angebot von 60 B$ inkl. Frühstück bekommen, dazu ein Shuttlebus für alle Gäste des Hauses. Als uns Arif, unser Chauffeur, am nächsten Tag mit dem Auto die Stadt und die Umgebung zeigt, begreifen wir so langsam, auf was wir uns da eingelassen haben.

Die Hauptstadt des Sultans besteht hauptsächlich aus mehrgeschossigen Büro-, Verwaltungs- und Wohnhäusern, hinzu kommen die repräsentativen Moscheen, Museen und Paläste, alles vom feinsten und sehr großzügig angelegt. Ringsherum riesige Golf- und Poloplätze, alles super sauber und gepflegt. Fast die Hälfte der 380 000 Einwohner Bruneis arbeitet geruhsam für den Sultan in den gut bezahlten Regierungsbehörden. Für die körperlich anstrengenden und hoch qualifizierten Tätigkeiten werden über 50 000 Gastarbeiter aus Asien und Europa bezahlt. Eine Einkommens- beziehungsweise Lohnsteuer gibt es nicht und das gesamte Bildungs- und Gesundheitswesen ist für alle kostenfrei. Daher haben die hier Lebenden Menschen das höchste Pro-Kopf-Einkommen Südostasiens und auch den höchsten Lebensstandard. Arif fährt uns von einem prunkvollen Gebäude zum nächsten, natürlich auch zu einer imposanten Moschee, deren Name so lang ist, dass ich ihn hier gar nicht erwähne. Sie wurde im Jahre 1958 fertiggestellt, als Baumaterial wurde schneeweiser Carrara-Marmor aus Italien und Granit aus Shanghai verwendet. Das Glas und die Kronleuchter kamen aus England, die Teppiche wurden aus Belgien und Saudi-Arabien importiert. Die 52m hohe vergoldete Kuppel ist auf einer Fläche von 520m² mit 3,3 Millionen Mosaiksteinen bedeckt, schwärmt Asil. Asil macht es sichtlich Spaß, uns herum zu kutschieren und weil er heute sowieso nichts mehr zu tun hat, will er uns nach Jerudong ins Empire Hotel fahren, das wohl gigantischste Luxus-Hotel in Südostasien. Zwei Verwandte von mir arbeiten darin, sie können Euch hinein schleusen. Das Hotel besitzt 360 Zimmer und 63 Luxussuiten, viele Restaurants, riesige Pools, Kinos, Einkaufszentrum, ein Country Club mit einem 18 Loch Golfplatz, es arbeiten 850 Mitarbeiter darin und das billigste Zimmer fängt bei 500B$ an. Elke holt tief Luft und stoppt Asil, danke für all deine Bemühungen, aber könntest du uns nicht lieber auf den Nachtmarkt fahren. Asil zuckt unverständlicherweise mit den Schultern, kehrt um und steuert in Richtung Nachtmarkt.

Der Nachtmarkt befindet sich auf einem riesen Platz, auf dem mindestens 100 Stände aufgebaut sind, in allen Ecken brodelt und dampft es. Die vielen Grillfeuer nebeln die Zelte in beißenden Qualm ein, so dass man kaum weiter als 10m sehen kann. Vergeblich suchen wir nach einem Sitzplatz oder irgendeiner Möglichkeit, ein Essen oder ein Glas abzustellen. Bis wir feststellen, dass die vielen Menschen, die hier herum laufen, sich das ganze Essen in Styroporboxen einpacken lassen, es ist sozusagen ein Take Away Nachtmarkt. Wir haben so einen großen Hunger, dass uns nichts anderes übrig, als das leckere Nasi Goreng einpacken zu lassen, um es an einer Bushaltestelle, genüsslich mit den Fingern zu essen, so einen Nachtmarkt haben wir auch noch nicht erlebt.

Das alles steht natürlich im krassen Gegensatz zu dem heutigen Kampong Ayer, auch Wasserdorf genannt, das auf der anderen Seite des Flusses steht. Man schätzt, dass in dem auf Pfählen gebauten Wasserdorf 26 000 Menschen leben, die an ihren traditionellen Wohn- und Lebensweisen festhalten. Zwischen den Pfahlbauten kann man auf Holzstegen durch das Dorf laufen und das etwas andere Leben der Menschen beobachten. Der Sultan hat großzügigerweise die Strom- und Wasserversorgung gespendet, leider hat er die Kanalisation und die Müllbeseitigung vergessen, deshalb ist es kaum vorstellbar, in welchen Unmengen von Abfall die Menschen hier leben. Ein junger Mann, der gerade sein Motorboot säubert, spricht uns an, ob wir nicht mit ihm eine Runde durch die Wasserkanäle machen wollen, gegen ein kleines Entgelt. Na klar, warum nicht, schließlich beschreiben frühere Besucher die Stadt als das „Venedig des Ostens“. Mustafa ist sehr gebildet, spricht ein gutes Englisch und ist überzeugter Moslem, zudem stolz auf seinen Sultan. Wir sind überrascht wie modern so manches Holzhaus eingerichtet ist, da fehlt es wirklich an nichts, vom großen Flachbildschirm, über Ledergarnituren, richtigen Einbauküchen und vor dem Haus ein Schnellboot. Zwei Häuser weiter gerade das Gegenteil: eine zusammengefallene Hütte, in der die Menschen zwischen den Ratten hausen. Überall winkende und lachende Menschen, die uns zu sich nach Hause einladen wollen. Nachdem wir unzählige Kanäle gesehen haben, fahren wir hinaus auf den See zu einem Punkt, wo wir den Palast des Sultans betrachten können. Mustafas Augen fangen an zu leuchten, als er vom neuen Palast seines Sultans erzählt. Der Palast hat 1800 Räume, einen Bankettsaal für 4000 Gäste, einen Speisesaal für 500 Gäste und eine Gebetshalle für die Familie und die Bediensteten für 1500 Gläubige, das alles hat über 600 Millionen US Dollar gekostet. Es ist der größte Palast der Welt, erzählt Mustafa, als wäre es sein eigener. Zuviel des guten, wir sind total überfordert, da fahren wir nach Borneo um Abenteuer, Wildnis, Kopfjäger und Flüsse voll von Krokodilen zu sehen und dann lebt hier der reichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von 40 Milliarden Dollar.

Wie es weiter geht und was wir alles auf der zollfreien Insel Pulau Labuan erlebten, erfährt Ihr, wenn wir wieder zuhause sind, bei einem guten Glas Wein, oder bei unseren beliebten kulinarischen Diashows, vielleicht auch in einem kleinen Buch der Weinschmitts.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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