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Borneo

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Von Kula Lumpur nach Borneo in die Stadt Kuching benötigt unser Flieger gerademal eine Stunde. Während des Fluges gehen mir viele Sachen durch den Kopf, zum Beispiel hatte ich mir Malaysia irgendwie viel abenteuerlicher vorgestellt. Vielleicht hängt es ja auch damit zusammen, wie wir zurzeit reisen, mit dem Fahrrad wäre es sicherlich interessanter geworden. Aber jetzt steht ja Borneo vor der Tür, allein der Name regt meine Sinne an, das heißt Abenteuer pur, Kopfjäger bis unter die Zähne mit Pfeil und Bogen bewaffnet, mit unseren Rucksäcken durch undurchdringlichen Dschungel, durch Flüsse voll von Krokodilen, Orang-Utans und Schlangen, unbewohnte Inseln mit schneeweisen Stränden, die erobert werden wollen.

Als ich die Augen öffne, setzen wir gerade zur Landung an, kurz danach durchschreiten wir einen nagelneuen, vollklimatisierten Flughafen. Ein netter Taxifahrer bringt uns auf einer vierspurigen Autobahn in die Stadt und im Hotel bietet man uns die kleine Suite zum Preis eines normalen Doppelzimmers an. Für 15 € haben wir Air Condition, einen Flachbildschirm mit 20 Kanälen, einen funktionierenden Kühlschrank, ein schneeweises Bad mit einer Heißwasserdusche und jeden Tag werden die Handtücher und die Bettwäsche ausgetauscht. Sag mal Elke, wo sind wir denn eigentlich gelandet, das ist doch nicht mein Borneo, von dem ich immer geträumt habe. Ich bin so durcheinander, das ich mir erst einmal einen Reiseführer zu Gemüte führe und mich schlau mache.

Die Insel Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt, bestehend aus dem nördlichen, größten malaysischen Teil Sarawak, dem kleinen Sultan Staat Brunei und dem östlichen Sabah. Das südliche Borneo gehört zu Indonesien und nennt sich Kalimantan. Das Kuching die Hauptstadt von Sarawak eine moderne, multikulturelle Stadt mit viel Flair ist überrascht sicherlich jeden. Das gemütliche Zentrum ist nur ein paar Minuten von unserem Hotel entfernt, so dass wir alles gut zu Fuß erreichen können. Wir laufen vorbei an chinesischen Tempel, malaiischen Moscheen, britischer Kolonialarchitektur und zweistöckigen chinesischen Geschäftshäusern bis zur Waterfront. Hier führt eine breite und sehr saubere Fußgängerpromenade einen Kilometer lang von den internationalen Hotels immer am Sungai Sarawakfluss entlang zur Altstadt. Auf der anderen Seite des Flusses sehen wir eine architektonische Meisterleistung, für Elke und mich die schönste Moschee, die wir bis jetzt gesehen haben. Leider stellt sich heraus, dass die sogenannte Istna die Residenz des heutigen Gouverneurs von Sarawak ist. Die parallel verlaufende Geschäftsstraße nennt sich Main Basar, sie ist zum Teil im alten Stil wieder restauriert worden und verläuft direkt durch das Chinesen Viertel. Dieses Altstadtviertel gefällt uns besonders gut, zum einen kann man durch die unzähligen kleinen Geschäfte flanieren, überall laden Cafés und Restaurant zum kleinen Imbiss ein und am Ende der Fußgängerzone gibt es den lohnenden Nachtmarkt. Die hier lebenden Menschen sind extrem freundlich, mehrmals kommen die Leute auf uns zu, um uns die Hand zu schütteln, mit den Worten herzlich Willkommen in Sarawak. Gibt man nur ansatzweise zu erkennen, dass man die Straße überqueren möchte, bleiben sofort die Autofahrer stehen und winken uns über die Straße. Die meisten Restaurants und die Nachtmärkte verfügen über keine Toiletten, deshalb findet man an jeder Ecke ein öffentliches Toilettenhäuschen. Diese werden meistens von Frauen, aber auch von jungen Männern sauber gehalten. Beim Benutzen der Toiletten zahlt man ein kleines Entgelt von 20 Cent Ringi, was umgerechnet 4 Cent in EURO beträgt und dafür bekommen wir eine sauber geputzte Toilette. Diese Leute haben immer ein Lächeln auf den Lippen und einer bringt es auf den Punkt, indem er mich laut lachend begrüßt: “Welcome to my Planet”.

Heute fahren wir in das Naturschutzgebiet von Semenggoh, in dem sich das Orang-Utan Rehabilitationszentrum befindet. Da wir wieder einmal zu spät zur Fütterung kommen, werden wir gar nicht erst hinein gelassen, also fahren wir mit dem nächsten Bus zurück in die Stadt und probieren es am nächsten Morgen noch einmal. Dieses Mal stehen wir Punkt 9 Uhr vor dem Eingangstor, damit wir möglichst viele Orang Utans sehen. Die eigentliche Funktion der Rehabilitation Station ist, die Tiere auf das unabhängige Leben im Dschungel vorzubereiten. Es dauert sehr lange bis sich eine Affenmutter mit ihrem Jungen in unsere Nähe traut. Wie in einer Zirkusvorführung zeigt sie uns mit ihrem Jungen eine beachtliche akrobatische Leistung. Alles sieht so federleicht aus, wie sie sich durch die Bäume schwingt. Erst als sie so ca. 10 Meter vor uns steht, erkennen wir die wahre Größe. Die Arm- und Beinmuskulatur ist extrem kräftig gebaut und mit langen rotbraunen Haaren bewachsen. Auf einer Plattform liegen Bananen und Ananas, die sich die Affen so nach und nach holen, dabei können wir gut beobachten, mit welcher spielerischen Leichtigkeit sie miteinander umgehen. Elke fotografiert alle Bewegungen der Affen, besonders die der süßen verspielten Jungen.

Der Sonntagsmarkt, der eigentlich schon am Freitagnachmittag anfängt, steht an. Elke freut sich schon die ganze Woche auf ihn, er liegt ungefähr 4 Kilometer außerhalb von Kuching. Er ist recht groß aber geordnet und übersichtlich, da gibt es eine Halle mit lauter Krims Krams, Blumen und Korbwaren, dann eine Abteilung für Kleidung, an anderen Ständen stapeln sich Obst und Gemüse und gleich nebenan befindet sich die Fischabteilung mit einer riesigen Auswahl. Nach einer Stunde finden wir uns in einer überdachten Halle wieder, in der es mindestens 20 verschiedene Essensstände gibt. Ich entscheide mich für eine Laksa, eine kräftige Nudelsuppe, die mit Hühnchenfleisch, Shrimps und Sojasprossen in Kokosmilch gekocht und scharf serviert wird. Laksa ist das traditionelle Frühstück hier, das bis gegen Mittag gegessen wird. Elke muss unbedingt das Paku oder auch Midin genannt probieren. Es ist ein kurz gebratener Dschungelfarn in Belacan (fermentierte Shrimps Paste) oder auch in einer Sojasoße. Eigentlich ist es ein Arme-Leute-Essen, das man auch gerne als Gemüsebeilage bestellt.

Wie wir unsere erste richtige Dschungeltour durch den Bako Nationalpark erleben, mit Blutegeln, Wanzen und Nasenaffen, erfährt Ihr, wenn wir wieder zuhause sind, bei einem guten Glas Wein, oder bei unseren beliebten kulinarischen Diashows, vielleicht auch in einem kleinen Buch der Weinschmitts.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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