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Im Zick Zack durch Malaysia

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Eigentlich wollten wir gar nicht so lange in Penang bleiben, ständig entdecken wir neue kulinarische Köstlichkeiten, die uns einfach nicht loslassen. Eine neue Endscheidung für unsere weitere Reise muss herbei, schließlich können wir nicht ewig hier bleiben. Elke möchte mehr das Landesinnere entdecken, da wir hier noch nie waren und ich möchte noch einmal auf die Insel Pulau Perhentian, diese Insel ist mir von damals noch in guter Erinnerung. Also verbinden wir doch beides …

Wir gehen zuerst auf Perhentian und anschließend in die Berge. Allerdings liegt die Insel genau auf der gegenüber liegenden Seite an der Ostküste. Früher gab es nur einen Weg über Kuala Lumpur in einer 2-Tagestour, gut das man einen neuen West-Ost Highway gebaut hat, der die Fahrt auf 5-7 Stunden verkürzt. Unser Chinese, bei dem wir eine tolle Unterkunft genießen durften, organisiert einen Minivan für Montagmorgen um 5 Uhr, der uns über die Berge nach Kota Bharu und von da aus zur Fähre bringt. Unser Ticket beinhaltet nicht nur die Überfahrt zur anderen Seite, sondern auch die Hin- und Rückfahrt der Fähre zur 25 Kilometer entfernten Insel. Die Fähre entpuppt sich allerding als kleines Schnellboot auf dem gerade einmal 10 Personen Platz haben. Mit an Bord sind Anne aus Karlsruhe und David aus Landau, mit denen wir uns auch sofort gut verstehen. Mit Vollgas geht’s über die harten Wellen, jeder Schlag tut mir im Rückgrat weh. Auf der Insel werden wir von Roland und Chris, die schon seit Freitag hier sind, freudenstrahlend empfangen. Chris kommt direkt auf mich zu und sagt: Schmitty sag mal, woher wusstest du, dass an Wochenenden hier die Hölle los ist. Wir haben letzten Freitag gerademal mit viel Glück ein Zimmer als Unterkunft bekommen. Ich muss lachen und sage, mein lieber Chris das weiß man doch, das ist überall auf der Welt das Gleiche, dass auch die Einheimischen an Wochenende ihren Spaß haben wollen.

Gemeinsam suchen wir uns eine neue Bleibe im Lemon Gras Inn, ein Bretterverschlag mit einem Doppelbett, einem dicken dichtgewebten Moskitonetz, einem Standventilator und einer Glühbirne, die Duschen und Toiletten sind im Freien, für 50 Ringis, ab Freitag verdoppelt sich der Preis, so unser unfreundlicher Holzhüttenbesitzer. Um uns noch mehr zu ärgern, schaltet er morgens ab 6 Uhr den Strom ab, so dass wir ohne Ventilator morgens klatschnass geschwitzt aufwachen. Egal, sagen wir uns, wir machen einfach das Beste daraus und haben gemeinsam viel Spaß. Auch wenn sich die Unterkünfte in den letzten Jahren fast verzehnfacht haben und die Nächte laut geworden sind, so ist die Qualität des schneeweisen Sandstrandes und das kristallklaren, türkisfarbenen Wassers einmalig. Elke wollte davon natürlich noch mehr sehen, also buchen wir eine Tagestour mit Nani, der uns mit seinem Boot zu den besten Tauch- und Schnorchelplätze führt. Er bringt uns zu sechs verschieden Plätzen, die unter Wasser komplett verschieden aussehen. Mal sehen wir Korallen in den buntesten Farben, dann findet er eine Stelle, an denen sich Schildkröten aufhalten und er weiß genau, wo sich ganze Fischschwärme befinden. Als ich so herumschnorchele, sehe ich unter unserem Boot lauter bunte Fische, sofort schwimme ich in diesen riesigen Fischschwarm hinein und lasse mich darin einfach treiben. Ich kann es kaum fassen, es werden immer mehr und wundere mich, warum sie alle zu mir kommen. Als ich das Gelächter vom Boot höre, weiss ich warum: Nani hatte mit Brot die Fische angefüttert. Am nächsten Tag wandern wir über die von Urwald bewachsene Insel - wir sind alleine da, von den Urlaubern kommt kaum jemand auf die Idee, die Insel zu erkunden. Elke ist auf der Jagd nach Lizarden, auch als Warane bekannt, sie bekommen hier schon eine beachtliche Größe von über einem Meter. Sie lassen sich gar nicht so einfach fotografieren, Elke hechtet durch den Dschungel und hat alle Mühe, ein paar gute Aufnahmen zu machen. Am Abend beim Sonnenuntergang treffen wir uns mit den Anderen bei einem kalten Bierchen am Strand. Chris hat uns das schwedische Stockspiel beigebracht, dabei werden Holzstöcke in verschiedenen Abständen in den Sand gesteckt, die wiederum mit kürzeren Holzstäben getroffen werden müssen, das Ganze erzeugt eine tolle Stimmung, bei der wir alle viel Spaß haben. Roland hat ein gutes Fischrestaurant ausfindig gemacht, bei dem wir hervorragend gegrillten Fisch bekommen. Danach geht‘s wie jeden Abend zu den verschiedensten Feuershows. Was wir da geboten bekommen ist schon großes Kino. Der Freitag naht und wir machen wieder Platz für die Einheimischen, das heisst Abschied nehmen von Roland, Chris, Anne und David, vielleicht sehen wir uns ja wieder in der Pfalz.

Elke wollte unbedingt mit der Eisenbahn in die Berge fahren, als letzte Info sagte man uns, mal fährt der Zug, mal fährt er nicht, gut das wir wieder den Minibus genommen haben, denn an diesem Tag fuhr er nicht. Ich durfte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, dadurch hatte ich die Gelegenheit mit dem Fahrer, der etwas Englisch verstand, zu sprechen. Wir reden über seine Kinder, über seine Arbeit, über die Fußballweltmeisterschaft und so vergehen die 5 Stunden Autofahrt wie im Flug. Was mir am meisten bei der gesamten Fahrt auffällt, sind die abgeholzten und kahlen Bergrücken und das über Hunderte von Kilometern. Unser Fahrer erklärt mir, dass hier demnächst neue Palmenplantagen entstehen werden um daraus das gewinnbringende Palmöl zu gewinnen. Ich kann das gar nicht glauben, und für diese Monokultur opfert Ihr euren Urwald, nicht nur, dass die einheimischen Tiere verschwinden, eine Jahrtausendalte Kultur wird geopfert. Um das Öl zu fördern müssen große Raffinerien gebaut werden, die sich wiederum große Konzerne aufteilen, die schwere Arbeit mit wenig Lohn bleibt den Einheimischen. Wir erreichen den Eingang des National Parks Taman Negara, ein Urwaldgebiet mit Flussläufen, der gesamte Park ist ungefähr 100 Kilometer lang und 50 Kilometer breit. Hätte man ihn vor einigen Jahren nicht unter Naturschutz gestellt, gäbe es ihn heute bestimmt nicht mehr. Die Idee am Wochenende nach Taman Negara zu kommen hatten auch viele Leute aus Kuala Lumpur. Außerdem war es die Zeit der Schulausflüge und so teilen wir uns den Wanderweg mit Hunderten von kreischenden und singenden Kindern. Hierhergekommen sind sie nicht etwa wegen der Natur oder den Tieren, so wie wir früher auch, von zu Hause weg, wollen sie einfach nur ihren Spaß haben. Die Hauptattraktion ist zweifellos der Canopy Walkway, der sich in 20 bis 40m Höhe befindet, also nur was für schwindelfreie, nichts für uns. Gedacht war dieser Baumwipfel Wanderweg zur Beobachtung von Vögeln und seltenen Tieren. Wenn man aber davorsteht und das Schreien der Ausflugsgruppen hört, hat man das Gefühl, man steht in Haßloch im Holiday Park am Freefall-Tower.

Nur 20 Minuten entfernt gibt es ein Dorf der Orang Asli, die Bewohner haben sich zum Ziel gesetzt, weiterhin wie Waldmenschen zu leben, sie jagen ausschließlich mit Blasrohren. Für diese Attraktion werden ganze Bootsladungen voll Touristen dorthin gebracht, um das Dorfleben wie in einem Zoo abzulichten. Dieser kleine National Park Taman Negara gleicht eher einem fröhlichen Freizeitpark, bei dem man für alle Extras zur Kasse gebeten wird. So hatten wir uns eine Dschungeltour ganz und gar nicht vorgestellt, vielleicht ist es ja auch nur der falsche Zeitpunkt. Für uns kein Problem, da wir ja auch noch nach Borneo wollen und da werden wir sicherlich eine Urwaldtour nachholen. Die Verbindungsstraße zu den Cameron Highlands ist ungefähr 25 Kilometer entfernt, es gibt die Möglichkeit mit dem Minibus in 20 Minuten oder mit dem Boot in 2-3 Stunden Flussfahrt den Anschluss zu bekommen. Wir nehmen bei Sonnenaufgang die Bootsfahrt gerne in Kauf und genießen wegen des niedrigen Wasserstands eine abenteuerliche Rückfahrt, die uns für vieles entschädigte. Die Cameron Highlands wurden von den Engländern so um das Jahr 1920 urbar gemacht. Mit der ersten Zufahrtstraße kamen die tropengeschädigten und reichen Urlauber aus Kuala Lumpur und brachten viel Geld in die Berge. Ein paar Jahre später pflanzten die Engländer Tee an, wofür sie Tamilen aus dem Süden Indiens als Plantagenarbeiter holten, sie arbeiteten und gehorchten besser als die Chinesen und Malaien. Damals wurden 19 ha angepflanzt, was sich auf den heutigen Tag auf 4000 ha erweitert hat. Wir hätten nie gedacht dass die Verarbeitung von Tee so ein schwieriger und langwieriger Prozess ist. Einmal pro Wochen werden nur die jungen zarten Teeblätter gepflückt, dabei schaffen zwei geübte Hände 40kg pro Tag, mit den neuen automatischen Pflückmaschinen werden bis zu 200 kg geerntet. Zur Herstellung von 1kg Tee werden 4-5kg Blätter benötigt, da man bei der Verarbeitung den Blättern durch Heißluft die Hälfte an Feuchtigkeit entzieht. Die Malaien sind ein Teetrinkendes Volk, deshalb reicht die nationale Produktion von Tee bei weitem nicht aus, es muss zusätzlich Tee aus China importiert werden.

Unser Fahrer setzt uns in einer überteuerten Traveller-Hochburg ab, mit dem Hinweis, dass es nirgendwo im Dorf ein Zimmer gibt, also bleiben wir. Das Zimmer, was man uns anbietet, liegt genau neben der Rezeption, dementsprechend laut ist es bis zwei Uhr in der Nacht. Am frühen Morgen versucht man uns eine Tour nach der anderen zu verkaufen, da wir alle Angebote ablehnen, werden wir ohne weiteren Kommentar vor die Tür gesetzt. Nachdem wir ein ruhiges Zimmer mit Fenster zur Straße über einem indischen Restaurant bekommen, machen Elke und ich eine Wanderung durch das Hochland. Die meisten Wanderwege sind wegen starker Erosion gesperrt und so bleibt uns nur die Besteigung eines Aussichtspunktes, von dem man einen herrlichen Blick über die Camerons hat. Beim Abstieg in das nächste Seitental kommen wir an Gemüseplantagen vorbei, hier werden unter anderem auch Erdbeeren angebaut, deshalb werden an jeder Ecke frische Erdbeermarmelade und leckerer Erdbeerkuchen angeboten. Die ngenehm kühle und frische Luft in dieser Höhenlage tut uns beiden richtig gut. Der Höhepunkt der Wanderung ist die Orchideenfarm, hier entdecken wir noch nie gesehene Blüten, eine winzig kleine, gelb-braune Orchideenblüte roch verlockend nach Schokolade. Es ist schon dunkel, als wir in unser kleines Zimmer kommen, dabei sehen wir eine blinkende, neonfarbene Leuchtreklame vor unserem Fenster, die unser Zimmer in bunte Farben taucht. Unser Zimmer gleicht einer Diskothek ohne Musik, auch daran gewöhnt man sich und so schlafen wir irgendwann ein.

Punkt 3 Uhr in der Nacht schrecken Elke und ich hoch, unser ruhiges und gemütliches Indi-Restaurant hat sich in einen Fußballfanclub verwandelt. Was wir nicht wussten war, dass Bayern München gegen Real Madrid in der Champions League spielt und Bayern auch noch verlor, an Schlaf war bis zum Morgengrauen nicht zu denken. Da wir nicht schon wieder umziehen wollen, bleiben wir noch eine Nacht, heute Nacht wird es sicherlich ruhig bleiben, so hoffen wir. Hätten wir uns da nur mal schlau gemacht, denn in dieser Nacht spielte Manchester gegen Atletico Madrid. Elke und ich halten es nicht mehr aus, drei Nächte ohne Schlaf und das Wochenende steht auch noch vor der Tür, deshalb nehmen wir den Bus nach Kuala Lumpur.

Wer wissen will, wie wir die 1,7 Millionen Stadt Kuala Lumpur erlebt haben, erfährt es wenn wir wieder zuhause sind, bei einem guten Glas Wein, oder bei unseren beliebten, kulinarischen Diashows, vielleicht auch in einem kleinen Buch der Weinschmitts.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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