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Inselkoller

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

In Krabi kennen wir uns gut aus, hier haben wir kurz pausiert, als wir 2004 mit dem Fahrrad durch ganz Asien radelten, später 2009 feierten wir hier mit Freunden Silvester. Wir entscheiden uns für den Ao Nang Beach und kommen prompt wieder bei unserer muslemischen Familie, die etwas abseits eine kleine Bungalowanlage führt, unter. Elke verordnet uns Beiden ein Fitnessprogramm, es wird Zeit, dass wir uns wieder mehr bewegen und außerdem sind wir beide zu dick.

Noch vor dem Kaffee geht es im Laufschritt am Strand entlang und schon nach 5 Kilometern sind wir völlig ausgepumpt. Elke hat Recht, Reisen mit dem Zug oder dem Bus macht einfach träge und faul, das ist uns auf unseren ganzen Fahrradtouren nicht passiert.

Direkt hinter dem Strand werden abends kleine Köstlichkeiten wie frittierter Reis oder Nudeln mit Hühnchen und Fisch angeboten. Die Speisen werden in Styroporschalen und Plastiktüten verpackt, sodass thailändische Familien und Touristen diese Leckereien unterm Sternenhimmel am schönen Sandstrand verzehren können. Dabei entstehen rauschende Partys, meist mit viel Alkohol, was alles kein Problem ist, würde man in der Nacht seinen Abfall wieder mitnehmen. Das Meiste reinigt das Meer, wenn die Flut kommt, einiges wird von Bettlern entsorgt die nach Essbarem suchen und dann gibt es auch noch einen Reinigungstrupp vom Ao Nang Beach, der versucht den Sandstrand bis zum Mittag wieder einigermaßen von Abfall zu säubern. Das höchste Gut, was diese wunderbare Region hat, sind seine weissen Sandstrände, umso unverständlicher ist es für uns, dass man dieses Gut ohne Rücksicht zerstört.

Das Nachtleben in Ao Nang selbst ist zu einer Partymeile geworden, die bis zum frühen Morgen tobt, eine Ladyboyshow jagt die andere. Das halt ich hier nicht länger aus, lass uns irgendetwas Ruhigeres suchen, sage ich zu Elke. Die Entscheidung ist schnell gefallen, ganz in der Nähe, nur 4 Stunden mit dem Boot entfernt, liegt die kleine Insel Ko Yum. Eine fast autofreie Insel mit einem kleinen Fischerdorf und keiner Promenade am Strand. Wir bekommen das New Bungalow Resort empfohlen, es liegt direkt am Strand und für alle, die absolute Ruhe suchen, genau das Richtige. Schon die Anreise ist ein bisschen abenteuerlich, unser Schnellboot bleibt circa einen Kilometer vor der Insel im Meer stehen, um auf die Boote der einzelnen Resorts zu warten. Bei ziemlich hohem Wellengang wechseln wir vom Boot in eine kleine Nussschale, die jederzeit zu kentern droht. Gerade als Elke an den Strand springen will, erwischt sie eine hohe Welle, gut, dass sie keinen Rucksack auf hatte. Martin, der Chef des Ressorts, teilt uns einen soliden Holzbungalow zu, mit einer großen Terrasse, auf der ein Tisch und zwei Stühle stehen. Das spartanisch eingerichtet Holzhaus besteht aus einem Bett mit Holzrahmen, in dem eine alte durchgelegene Matratze liegt. Über dem Bett wie in einem Himmelbett ein Bambusgestell, über dem ein total zerlöchertes Moskitonetz hängt, das Elke erst einmal mit Heftpflaster repariert. Den einzigen Ventilator im Raum versuche ich vergebens zu starten, da es nur Strom zwischen 19 Uhr und 23 Uhr gibt. Das sehr gewöhnungsbedürftige Bad besteht aus einer Toilette, bei der die Wasserspülung nicht richtig funktioniert, dafür steht ein Wassereimer bereit, mit dem man beim Spülen der Toilette nachhelfen kann. Der Spiegel ist so blind, dass wir noch nicht einmal unsere Konturen erkennen können. Da es in der Nacht zuvor stark geregnet hat, kommt aus dem nicht vorhandenen Duschkopf ein brauner Wasserstrahl heraus. Auf mein Reklamieren hin erklärt man mir, dass sich der Schlamm im Wassertank in Kürze absetzen werde und das Wasser wieder heller wird. Elke ist nur am Grinsen und sagt, du wolltest Ruhe und Robinson Crusoe Atmosphäre, jetzt hast du sie, also reg dich bloß nicht auf.

Das Restaurant, das nach allen Seiten offen ist, entpuppt sich als kleines Gourmet Restaurant, alles wird frisch und lecker zubereitet, zudem sind alle Mitarbeiter des Hauses sehr freundlich und jederzeit hilfsbereit. Die Idee, am nächsten Morgen sofort wieder abzureisen, habe ich spätesten beim Sonnenuntergang bei einem eiskalten Bier über Bord geworfen.

Am nächsten Morgen nach einem kräftigen Pott Kaffee wollen wir die Insel erobern, was kein großes Kunststück ist. In 15 Minuten sind wir auf der anderen Seite und erkunden das kleine Fischerdorf. Anschließend geht’s wieder quer über die Insel zum nächsten Strand und nach 4 Stunden ist die Inselerkundung zu Ende und wir liegen wieder an unserem Hausstrand. Elke liest in Seelenruhe ein Buch und ich liege daneben und bin ständig am Überlegen, was ich als nächstes machen könnte. Zwischendurch fange ich an, Berichte zu schreiben, zu lesen und danach laufe ich wieder die zwei Kilometer am Strand auf und ab. Ich werde immer unzufriedener, weil ich nichts Produktives tue, so geht das nicht weiter sage ich zu Elke, ich habe Angst einen Inselkoller zu bekommen. Elke versucht mir klar zu machen, dass ich im Kopf einen Schalter umlegen muss, um das Inselleben in dieser Art genießen zu können. Jetzt sind wir schon seit eineinhalb Monaten unterwegs und ich kann immer noch nicht richtig loslassen, immer in Gedanken irgendwo, bloß nicht da, wo ich sein sollte. Am nächsten Morgen werde ich schon sehr früh durch den Lärm der Vögel geweckt, ich laufe zum Strand, um den Sonnenaufgang zu genießen. Die Luft ist glasklar, frisch und das Meer glatt wie eine Scheibe, auf die man eine Wasserwaage legen könnte. Ich habe die Augen geschlossen und genieße die aufgehende Sonne, die mich langsam erwärmt, mein Pulsschlag ist ruhig und gleichbleibend. Ich lasse es einfach nicht mehr zu, dass ich mich über irgendetwas aufrege, weder über eine durchgehängte Matratze, einen blinden Spiegel, den ich sowieso nicht brauche, oder braunes Duschwasser, das eigentlich gar nicht mehr so braun ist. Den ganzen Tag über mache ich nichts, außer herumdösen und mit mir zufrieden sein. Als ich abends barfuß mit Elke im Sand sitze und dem Rauschen der Wellen zuhöre, das Farbenspiel der untergehenden Sonne beobachte, überkommt mich eine tiefe Zufriedenheit. Für unsere weitere Reise habe ich beschlossen, in Zukunft den Augenblick besser zu genießen.

Wir lernen die zwei Südpfälzer Markus und Melanie kennen, die hier schon seit Jahren Urlaub machen und gerade wegen der Einfachheit hierher kommen. Durch Zufall kennen wir die gleichen befreundeten Weingüter Bangerth Rinck in Klingen und Mühlhofen und Nicole Graeber in Edenkoben, was uns natürlich sofort verbindet. Auch Marliese aus dem Pfälzischen Germersheim ist schon seit zwei Monaten hier, sie sieht total entspannt aus, von Inselkoller keine Spur. Nach acht Tagen bin ich soweit herunter gefahren, das ich von der Geschwindigkeit her glatt als Insulaner durchgehen würde. Am letzten Abend auf Ko Yum bekomme ich ein spezielles Gericht serviert, es heisst übersetzt, die Eier der Schwiegersöhne. Es ist ein Eiercurry, bei dem als erstes Hühnereier gekocht werden, das gleiche könnte man auch mit Wachteleiern machen, was dem Namen des Gerichts näher käme. Nachdem die Eier abgekühlt sind, werden sie halbiert und anschließend noch einmal in heißem Fett frittiert. Serviert wird das Ganze mit einer feurigen Zwiebel, Knoblauch, Chilitomatensoße, dazu frischen Koriander und gekochten Reis.

Eigentlich wollten wir die Insel Ko Lanta nur als Sprungbrett nehmen, um auf die Insel Ko Lipe zu gelangen, aber es kam wieder mal anders. Was wir nicht wussten war, dass das thailändische Neujahrsfest, auch Songkran genannt, vor der Tür stand. Wir schreiben das Jahr 2558 und sind somit um genau 544 Jahre im Voraus. Das Neujahrsfest ist auch das Fest der Reinigung, deshalb werden schon am Vortag die Wohnungen und Häuser geputzt. Junge Leute besuchen von überall her ihre Familien, um ihnen Respekt zu erweisen, indem sie ihnen kleine Wassermengen als Reinigung über die Hände gießen. Dieser tratitionelle Brauch hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert, sodass sich heute zu Songkran jeder mit ganzen Eimern von Wasser übergießt. In den Städten werden ganze Wasserschlachten organisiert, von denen auch die Touristen nicht verschont bleiben, dabei werden alleine in Thailand bis zu 300.000 Leute verletzt und bis zu 1000 Personen kommen zu Tode. Natürlich spielt auch hier der Alkoholkonsum eine große Rolle. Wir nehmen die Warnung der Einheimischen sehr ernst, in diesen drei Tagen nicht auf die Straßen zu gehen, was uns wiederum die Gelegenheit gibt unsere Weiterreise zu planen. Da für die gesamte Neujahrs- und Ferienzeit Ko Lipe ausgebucht ist, beschließen wir auf dem direkten Weg, mit einem Minibus, nach Malaysia zufahren.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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