Tour 2014-2015
Tour 2009-2011
Weinschmitts
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Home
« Inselkoller » Kulinarisches Myanmar

Weintesten in Hua Hin

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Leicht verspätet fliegen wir von Mandalay nach Bangkok. Da wir auf dem alten Flughafen landen, nehmen wir einen Bus in Richtung Nordbahnhof. Zwischendrin steigen wir um in eine andere Buslinie, die uns zum Zentrum bringen soll. Leider verwechseln wir die Fahrtrichtung und so steigen wir in einen Bus, der uns über eine Stunde aus Bangkok heraus fährt. Nach einer Irrfahrt von über 5 Stunden kreuz und quer durch Bangkok erreichen wir unser Hotel.

So, jetzt gehen wir erst einmal in die Geckobar ein Bierchen trinken, sag ich zu Elke. Hier bekommen wir die Mitteilung, dass Heute und Morgen in ganz Bangkok absolutes Alkoholverbot herrscht, was mich leicht verärgert. Bei der abendlichen Suche nach etwas Essbarem stellen wir eine große Polizeipräsenz fest, was mich aber am meisten wundert sind die vielen Kaffeebecher, die überall auf den Tischen herum stehen. Als wir in eine Bar einkehren, fragt mich der Kellner grinsend, ob er mir einen Kaffee offerieren darf. Na ja, denke ich, wenn die hier alle Kaffee trinken, trink ich auch einen. Was für eine Freude, als auf dem Kaffee Bierschaum zum Vorschein kommt. Da laufen Hundertschaften von Polizisten herum, um zu kontrollieren, ob das Alkoholverbot auch tatsächlich eingehalten wird und was nützt es - NICHTS.

Elke und ich wollen nach Hua Hin, ca. 250 Kilometer südlich von Bangkok, ein Weingut besuchen. Ich hatte gelesen, dass man hier die Weinberge mit Elefanten bewirtschaftet, was mich natürlich neugierig macht. Die fünfstündige Zugfahrt ist die reinste Wonne im Vergleich zu Myanmar, kein Quietschen, kein krachendes Geräusch, wir haben nie das Gefühl, dass der Zug aus den Gleisen springt, wir schweben einfach so dahin. Nach Hua Hin kommen die etwas besser Betuchten aus Bangkok, die hier ihre Wochenende verbringen, selbst die Königsfamilie hat hier ihren Feriensitz. Es wird Zeit auf den Nachtmarkt zu gehen, die Suche fällt uns leicht, da die halbe Stadt aus einem großen Nachtmarkt besteht. Wir trauen unseren Augen kaum, so viele Langusten, Riesen-Prawns, Austern und eine Fischauswahl, die alle kulinarischen Wünsche erfüllt. Elke entscheidet sich für einen grünen Papayasalat mit frischen Austern, angemacht mit roten Zwiebeln, Knoblauch, Chili, grüne Bohnen und Karottenstreifen. Das alles wird mit Fischfond, Zitronensaft, Zucker, Salz und Pfeffer abgemischt und mit gerösteten Erdnüssen serviert. Ich muss mir einfach einmal so einen großen Tiger-Prawn antuen, mit über 200 Gramm, den größten denn ich bisher gegessen habe. Die Weine dazu wie einen Sauvignon Blanc oder einen kräftigen Riesling müssen wir uns in unserer Phantasie dazu vorstellen.

Morgen wollen wir die Siam Winery besuchen, das Weingut muss hier irgendwo in der Nähe sein, aber wo? Die Auskünfte sind nicht gerade gut, da sich hier kaum jemand für Wein interessiert. Da ich den Taxifahrern nicht traue, miete ich mir ein Motorrad, um selbst heraus zu finden, wie weit das Weingut entfernt ist. Zunächst fahren wir immer auf die Hua Hin Hills zu, denn schließlich soll das Weingut in den Bergen liegen. Nach 30 Kilometern biegen wir in das Monsun Valley ein, außer Ananasplantagen ist weit und breit kein Weingut in Sicht. Wir haben die Suche schon fast aufgegeben, als wir die ersten Weinstöcke in einem Seitental entdecken. Vor uns liegt das Siam Weingut mit einer Anbaufläche von 560 Acres, was nach meinen Berechnungen ungefähr 180 Hektar entspricht. Wir kommen genau richtig zur Weinlese, die Trauben werden hier von Mitte Februar bis Ende März geerntet. Von den Elefanten, die auf den Werbebroschüren als Weinbergshelfer gezeigt werden, ist allerding nichts zu sehen, es ist sicherlich nur ein guter Werbegag. Auf der höchsten Erhebung steht das Restaurant mit großer Terrasse, einem Weinprobierraum und einem Infocenter. Das Restaurant entpuppt sich als Gourmet Restaurant der obersten Klasse, super integriert mit der Weinverkostungs-Lounge. Die Gäste, die alle von Hua Hin oder von Bangkok aus eine Weintour gebucht haben, werden mit einem Sparkling Brut Blanc de Blanc auf der Terrasse empfangen. Anschließend hat jeder die Möglichkeit, die Weinberge mit einem Allradjeep zu besichtigen, dabei erfährt man vieles über die Bodenbeschaffenheit, die Rebsorten und deren Anbaumethoden. Danach geht es zu einer kleinen Weinprobe, die in einem mehrgängigen Menü endet. Ein tolles Konzept, bei dem nicht der Weinverkauf im Vordergrund steht, vielmehr versucht man, dem Gast einen nachhaltigen und unvergesslichen Moment zu bieten.

Nachdem wir uns kurz vorgestellt haben und dem Chef des Hauses erklärten, dass wir eine kulinarische Weltreise machen und über die Weinanbaugebiete der Erde etwas schreiben, bekommen wir sofort einen Sommelier zur Seite gestellt, mit dem Auftrag, alle Weine mit uns durchzukosten. Nach so einer langen Abstinenz wird das eine ganz schöne Herausforderung. Natürlich beginnen wir mit den zwei Sparklings, einem Brut Blanc de Blanc und dem Extra Sec Rose, die beide fruchtig und spritzig ankommen. Elke ist mehr für den Rose und ich für den Blanc de Blanc. Den Chenin Blanc Medium Sweet bekommen wir als erstes offeriert, er mag zwar gut zu thailändischem Essen passen, aber mein Fall ist er nicht. Der Colombard ist sehr säurebetont, frisch mit einer grünen Apfelnote, mit etwas Zitrus der ideale Fischbegleiter. Der White Shiraz ein Rose der uns vom Hocker haut, lachsfarben, leichte Himbeer-, Erdbeernote untermalt mit einem zartem Pfefferduft. Bei dem Red Shiraz habe ich ein Problem mit der starken Gerbsäure, außerdem ist er noch viel zu jung. Jetzt wird es interessant, sag ich zu Elke, denn jetzt geht’s an die Flaggschiffe, einen Cave de Siam Blanc, der zu 50% aus Chenin Blanc und zu 50% aus Colombard besteht. Eine dicke Spätlese, die im Eichenfass ausgebaut wurde, hochfarben, duftet nach Honig und gerösteten Mandeln mit einsetzendem Alterston, ein Wein, der für die asiatische Küche, zu den vielen Currys hervorragend passt. Als krönender Abschluss bekommen wir den Cuvee de Siam Rouge serviert, ein Rotwein der mir auf den ersten Moment schmeckt. Mit 70% Shiraz und 30% Sangiovese zusammen 24 Monate in französischer Eiche gelagert hat man hier eine gute Balance gefunden. Preislich gesehen finden die letzten zwei Weine mit knapp 60 € die Flasche sicherlich ihre Freunde in der gehobenen Gesellschaft. Der Weinmacherin Kathrin Puff, die ihr Handwerk in Italien und New Zealand gelernt hat, ist jedenfalls ein großes Kompliment zu machen, solche außergewöhnlichen Weine in einem extrem schwierigen Klima herzustellen, ist sehr lobenswehrt. Nach dieser tollen Weinverkostung müssen wir erst einmal einen starken Kaffee zu uns nehmen, der uns wieder auf die Beine hilft.

Nachdem ich mich einigermaßen Fahrtüchtig fühle, steigen Elke und ich auf das Motorrad und fahren in Richtung Hua Hin. Nach genau 10 Kilometern platzt mir der Hinterreifen, Gott sei Dank bekomme ich das Motorrad bei ca. 70 Stundenkilometern gerade noch zum Stehen. Die nächste Reparaturwerkstatt befindet sich in 3 Kilometern Entfernung, also heisst es schieben. In der Werkstatt, die aus einer Rumpelkammer besteht, kommt mir ein älterer Herr entgegen, er schaut kurz auf den platten Reifen und schon fängt er mit einem Moniereisen an, die Decke von der Felge zu lösen. In Minutenschnelle zerrt er den total zerrissenen Schlauch heraus und zeigt mir eine kleine Eisenspitze, in die ich hineingefahren bin. Ohne das Hinterrad zu lösen wechselt er mir den neuen Schlauch und nach 10 Minuten sind wir wieder fahrbereit. Für die Arbeitszeit und das Auswechseln des neuen Schlauches bezahle ich 200 Baht, das sind umgerechnet 4,50 €. Jetzt wird es aber Zeit das wir nach Hua Hin kommen, denn um 19 Uhr am Abend geht unser Nachtbus nach Krabi. Nach weiteren 15 Kilometern habe ich ein komisches Gefühl, irgendetwas stimmt mit dem Motorrad nicht. Ich verlangsame meine Geschwindigkeit und da knallt es auch schon, wir haben den zweiten Hinterradplatten und weit und breit keine Werkstatt in Sicht. Es nützt alles nichts, wir müssen wieder schieben, nur dieses Mal sind es mindestens 5 Kilometer. Bei 38 Grad im Schatten kommen wir triefend nass bei einem kleinen Motorradshop an. Von einem jungen Mann im Overall, der von oben bis unten mit Öl verschmiert ist, bekommen wir sofort Hilfe. Elke wird sichtlich nervös, denn so langsam läuft uns die Zeit davon, deshalb sind wir froh, als wir wieder auf das Motorrad steigen und mit vollem Speed nach Hua Hin fahren. Wir schaffen es gerade noch unsere fertig gepackten Rucksäcke aus dem Hotel zu holen und zur Bushaltestelle zu rennen. Genau in dieser Minute kommt der Bus, ein großer Doppeldecker mit roten Plüschvorhängen und richtig bequemen Liegesitzen.

Was für ein Tag, sage ich zu Elke, naja, es ist ja alles noch mal gut gegangen. Die Nachtfahrt in unserem Mega VIP Bus ist einfach herrlich, so schön kann Reisen sein, einfach und unkompliziert. Um 6 Uhr in der Früh hält unser Bus etwas außerhalb von Krabi an, als wir unsere Rucksäcke in Empfang nehmen, sind sie nass, durchgeweicht und stinken abartig nach Fisch. Der Fahrer hatte eine Fischladung im unteren Staukasten deponiert, was er vergessen hatte, als er unsere Rucksäcke dazu legte. Unsere ganzen Klamotten haben sich mit dem Fischsud vollgesaugt, wir müssen sie samt Rucksack waschen und reinigen. Elke schaut mich an und sagt, was hast du heute Nacht noch gesagt, so schön und einfach kann Reisen sein, dann fang mal an die Wäsche zu waschen.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

« Inselkoller » Kulinarisches Myanmar