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Intha “Die Menschen vom See”

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Elke bucht die Weiterfahrt zum Inle-See, angeblich mit einem tollen VIP Bus, der super bequem sein soll und da es eine Nachtfahrt ist, kann man auch gut darin schlafen. Prima sage ich, denn so ein Szenario wie bei der letzten Busfahrt möchte ich nicht noch einmal erleben.

Kurz nach 18 Uhr kommt unser Bus aus Yangon an. Bis auf zwei Deutsche sitzen nur Einheimische darin. Es gibt gerade noch zwei Plätze für uns, wir sitzen so eng wie in einer Sardinenbüchse und das soll ein bequemer VIP Bus sein. Natürlich hatte man uns wieder mal den Standardbus für teures Geld als VIP-Bus verkauft. Die bequeme Autobahn, auf der man so gut schlafen, kann gibt’s nicht, die tollen Liegesitze gibt es auch nicht, stattdessen hatten alle wieder die Altbekannten schwarzen Plastikbeutel in der Hand.

Wir fahren die alten Landstraßen entlang und halten fast in jeder zweiten Ortschaft. Nach dem ersten Stopp streiken die zwei Mädels aus Deutschland, ihnen ist so schlecht dass sie keinen Meter mehr weiterfahren wollen. Am liebsten wäre ich auch mit ausgestiegen, aber Elke meint, ir stehen das durch. In der Nacht überqueren wir einen Gebirgszug von über 2000 Metern, bei dem ich mich fühle wie auf einer Achterbahn. Es ist die reinste Hölle. Elke und ich sind die Einzigen, die den schwarzen Beutel noch nicht benutzt haben. Nach 13 Stunden bleibt der Bus am Inle-See stehen, wir haben kein Auge zugemacht und sind fix und fertig.

Das erste, was man von uns haben will, sind 15 Dollar Eintritt für den Inlesee. Wer das nicht bezahlt, fährt wieder zurück, so der Geldeintreiber. Niemals, sage ich zu Elke, hier bekommt der mich so schnell nicht wieder weg und wir bezahlen zum ersten Mal gerne unseren Eintritt.

In der alten Fürstenstadt Nyaungshwe, das sich immer mehr zu einem beliebten Traveller-Ziel entwickelt, finden wir im Aung Mingalar Hotel eine Unterkunft. Man bietet uns ein Frühstück an mit Spiegeleiern, gebratenem Speck, Butter, Marmelade und Toastbrot, dazu Kaffee oder Tee, einen Avocadoshake und reichlich frisches Obst. Nach so einer harten Nachtfahrt kommt es einem hier schon paradiesich vor. Elke und ich wollen uns eigentlich nur für eine kurze Zeit ausruhen, als wir wach werden ist es schon später Nachmittag. Der Tag ist sozusagen gelaufen. Deshalb erkunden wir die Stadt mit einem kleinen Spaziergang, einem Abendessen und schon geht’s wieder früh ins Bett, da wir morgen früh mit einem Boot den Inle-See erkunden wollen.

Der Inle-See ist eines der größten Highlights Myanmars, so haben es uns alle Reisenden erzählt, die wir getroffen haben. Er ist ungefähr 22 Kilometer lang und 11 Kilometer breit, um den See herum erheben sich die sogenannten Shan-Berge, die bis zu 2000m hoch werden. Umsäumt wird der See von einem breiten Schilfgürtel, deshalb kommt man auch nur sehr schwer an den See heran. Die 100.000 Menschen, die rund um und auf dem See wohnen, nennen sich Intha 'Die Menschen vom See'. Sie leben heute als Fischer, Bauern oder Handwerker und sind vor allem für ihre spezielle Rudertechnik berühmt.

Unser Bootsführer Madan empfängt uns pünktlich um 7 Uhr am Bootssteg. Es ist noch recht frisch, deshalb hält er für uns zwei Decken bereit. Durch meterhohes Schilf fahren wir den 5 Kilometer langen Kanal entlang zum See. Durch leichten Nebelschleier, der sich über dem See gebildet hat, und die vielen kleinen Fischerboote eröffnet sich für uns eine traumhaft schöne Kulisse. Madan bleibt bei den kleinen Fischerbooten stehen, um uns die spezielle Rudertechnik zu zeigen: Der Fischer steht auf der äußersten Spitze seines Bootes auf einem Bein, mit dem anderen Bein umschlingt er das Paddel, das er kreisförmig nach allen Seiten bewegen kann. In seinen beiden Händen hält er ein Fischernetz, das er ungehindert jederzeit auswerfen kann, eine unglaublich akrobatische Leistung.

Als nächstes fahren wir zum Morgenmarkt, der schon von weitem nach Fisch riecht. Hier treffen sich alle ethnischen Gruppen, wie die Shan, Danu, Pa-O, die Kayah und die Burmesen, um ihre Handwerkskunst, ihr frisches Gemüse oder ihren frisch gefangenen Fisch zu verkaufen. Ein tolles buntes Treiben, bei dem alles kreuz und quer durcheinander läuft, viele haben ihre lebenden Hühner und Schweine auf Ochsenkarren mitgebracht. Elke ist total fasziniert und erst nach knapp 2 Stunden bereit weiterzufahren, was unserem geduldigen Madan gar nichts ausmacht.

Immer weiter nach Süden schippert uns Madan über den See, zuerst geht es zur Verarbeitung von Silberschmuck, danach zu den Webern, die aus Seide und Lotusblüten tolle Schals und traditionelle Umhänge weben. Weiter zum Familienbetrieb Danu, der sich auf die Herstellung von Bamboo-Schirmen spezialisiert hat. Hier sehen wir, wie Papier hergestellt wird. Obwohl wir gar nicht rauchen, bekommen wir die Verarbeitung von Zigarillos und Zigarren gezeigt, die wir hinterher auch noch rauchen sollen. Das Ganze erinnert mich an eine Verkaufsfahrt, bei der wir jedes Mal nach einer Demonstration in einen Verkaufsraum geführt werden, was uns mit der Zeit ein bisschen lästig wird.

Nach einem kleinen Mittagessen, in einem Restaurant direkt über dem Wasser, wo natürlich alle Touristen hingeschippert werden, besuchen wir die schwimmenden Gärten. Toll zu sehen wie die Frauen der Fischer mit kleinen Holzbooten in ihren schwimmenden Gärten arbeiten. Madan erzählt uns stolz, dass man hier bis zu viermal im Jahr erntet. Ohne den Besuch der Phaung Daw U-Pagode geht es natürlich nicht und Elke freut sich als Madan direkt darauf zufährt. Sie zählt zu den heiligsten Stätten des südlichen Shan-Landes und beherbergt fünf kleine Buddha Figuren, die als solche kaum noch erkenntlich sind, da sie über und über mit Goldblättchen verklebt sind. Auf dem Rückweg fahren wir durch ein Labyrinth von Wasserstraßen an kleinen Dörfern vorbei, die allesamt auf Stelzen gebaut sind. Als wir uns von unserem Bootsführer Madan verabschieden, bedanken wir uns bei ihm für seine Geduld, den schönen Tag und dass er uns einen Einblick in die fremde Welt der Intas gewährte.

Beim Abendessen bestellen wir uns einen Fisch aus dem Inle-See, der vergleichbar mit unserem Karpfen in Europa ist. Er wird gedünstet und mit vielen Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Minzblättern serviert. Dazu wünschen wir uns einen frischen, schlanken, säurebetonten Riesling vom Weingut Bärenhof in Ungstein. Da wir gerade beim Wein sind, sage ich zu Elke: Morgen werden wir uns die zwei Weingüter, die hier in der Nähe liegen, vornehmen.

Das Red Mountain Estate Weingut liegt nur 4 Kilometer von uns entfernt, deshalb leihen wir uns Fahrräder aus. Schon von weitem erkennen wir das Weingut, das auf einem Hügel liegt. Vom Restaurant aus hat man einen schönen Blick auf das nördliche Seeufer. Der Prospekt verrät uns, dass man von hieraus bei Sonnenuntergang ein tolles Glas Wein genießen kann. Könnte man auch, wenn der Wein halbwegs genießbar wäre. Der Sauvignon Blanc schmeckt einfach nur bitter, der Rose schmeckt nach Erdbeerbonbon und der Rotwein hat so viel Gerbsäure, das die Zähne stumpf werden. Auf die Frage, wo denn der französische Kellermeister sei, erklärte man mir, dass er nur ein bis zweimal im Jahr hierher kommen würde. Wenn er öfters hier wäre, wäre der Wein vielleicht besser.

Nichts wie weg hier, mal sehen, was das Weingut Myanmar Vineyard Estate so zu bieten hat. Das Weingut liegt immerhin 1150 m über dem Meeresspiegel und wurde im Jahr 1999 gegründet. Hans Leiendecker, der Weinbau in Geissenheim studiert hat und an der Nahe sein Handwerk gelernt hat, empfängt uns herzlichst. Er nimmt sich viel Zeit, um uns die Schwierigkeiten des Weinbaus hier in Myanmar zu erklären, schon wegen des Klimas ist das alles nicht so einfach. Wir bauen hier überwiegend im weißen Bereich Sauvignon Blanc, Semillion und Muskat an und im roten Bereich Dornfelder, Tempranillo und Shiraz. Als er uns seine Weine präsentiert, sind wir mehr als überrascht. Der Sauvignon Blanc riecht wunderbar nach Veilchen und Maracuja, mit seiner leichten Süße ist er angenehm rund im Abgang. Der Shiraz verspricht viel Pfeffer, braucht aber noch Zeit am besten in einem Holzfass oder im Barrique. Ich finde die Weine ziemlich teuer, sag ich zu Hans. Ja, das ist leider nicht anders machbar, da wir alles für den Wein An- und Ausbau importieren müssen, hinzu kommen die 50% Alkoholsteuer. Hans macht das Weinmachen in Myanmar richtig viel Spaß, es ist eine Herausforderung und ein Abenteuer, wie er sagt. Als wir unseren ersten Wein 2005 abgefüllt, verkorkt, etikettiert und verkauft hatten, mussten wir kurze Zeit später den gesamten verkauften Wein wieder zurück nehmen. Was war denn passiert, frage ich Hans? Die Burmesen wussten nicht, wie sie die Flaschen öffnen sollten, da sie noch nie einen Korkenzieher gesehen hatten. Wir haben aus China tausende von Korkenziehern bestellt und den Wein ein halbes Jahr später mit Anleitung wieder verkauft. Das passiert uns heute nicht mehr, sagt er lachend, denn heute füllen wir den Wein auch mit Schraubverschluss. Wir verabschieden uns von Hans, war super toll bei dir und weiter hin viel Spaß beim Weinmachen.

Am letzten Abend in Nyaungshwe treffen wir doch tatsächlich Bruno und Hans Peter, die zwei Schweizer, die wir auf unserer letzten Zugfahrt von Yangon nach Bago kennengelernt hatten.
Bei einem Bierchen tauschen wir unsere gemeinsamen Erlebnisse aus.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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