Tour 2014-2015
Tour 2009-2011
Weinschmitts
Gästebuch
Kontakt
Impressum
Home
« Burmas Küche mit Frankfurter Akzent » Erlebnisreiche Busfahrt

Golf von Bengalen

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Jetzt sind wir durch das üppige Grün der Reiskammer Myanmars gefahren und haben durch die wilde Fahrt unseres Busfahrers doch fast nichts gesehen. Das Ayeyarwady-Delta wurde so um 1900 herum durch die Briten urbar gemacht und trockengelegt. Gespeist wird das Delta mit seinen tausenden von Wasserarmen von dem 2170 Kilometer langen Ayeyarwady Fluss, der ein geschätztes fruchtbares Schwemmmaterial von 300.000.000t mit sich führt und im Meer ablagert. Mit diesem großen Sedimentgehalt liegt der Strom, weltweit an fünfter Stelle, nach dem Gelben Fluss, dem Ganges, dem Amazonas und dem Mississippi. Das Delta ist so fruchtbar, dass sich bei guter Jahreswitterung eine dreifache Reisernte einfahren lässt.

Nun stehen Elke und ich am Golf von Bengalen, von dem Namen war ich schon immer fasziniert. Natürlich will ich von den Einheimischen wissen, ob hier auch der bengalische Tiger lebt. Nein, sagt mir ein Burmese, die Tiger leben weiter oben im Norden, in den Dschungelgebieten, dafür haben wir hier noch die wilden Elefantenherden. Sie sind gefährlich, wenn sie nachts in unsere Dörfer einfallen und alles dem Erdboden gleich machen, dann flüchten wir in unsere Baumhäuser. Sie verstecken sich in den Mangrovenwäldern, sie sind aber für die Urlauber am Strand keine Bedrohung. Na super, dann wollen wir doch einmal die Stränd unter die Lupe nehmen.

Unser Hill Garden Resort liegt ein bisschen abseits des Hauptstrandes und somit sehr ruhig, überhaupt nicht mit dem Garden Hotel in Yangon zu vergleichen. Wir haben einen schönen Bungalow mit einer großen Terrasse und einer tadellos funktionierenden Dusche und Toilette. Von hier aus gelangen wir durch einen kleinen 5 minütigen Fußmarsch zu einem sichelförmigen Hausstrand. Zwischen einigen Felsformationen schwappt uns kristallklares Wasser entgegen, was Elke sofort dazu bewegt, in dieses kalte Nass einzutauchen. Wir können es nicht glauben, wir sind tatsächlich ganz alleine an diesem herrlichen Strand, an dem nur ein Fischerboot liegt.

Am nächsten Tag wollen wir den ca. einen Kilometer entfernten Hauptstrand weiter südlich, an dem alle Bungalowanlagen sowie die großen Hotels liegen, erkunden. Zurzeit ist in Myanmar die Ferienzeit, dementsprechend ist hier die Hölle los und was ich da als erstes am Strand sehe, verschlägt mir die Sprache: von weitem erkenne ich Zebras auf denen Menschen reiten. Ich sag zu Elke, schau doch mal, das gibts doch gar nicht. Je näher wir kommen, desto kleiner werden die Zebras und als wir vor ihnen stehen, schütteln wir nur unsere Köpfe. Als Touristenattraktion haben die Burmesen kleinwüchsige Pferde weiß lackiert und ihnen schwarze streifen verpasst, Kinder und Erwachsene sind total verrückt, um auf ihnen zu reiten. Ich schaue mir den Strand genauer an und finde, dass er sich erheblich von anderen Stränden unterscheidet. Ich habe noch nie so viele Fahrräder, Tandems und andere zusammengeschweißte Vehikel, auf denen bis zu 6 Personen sitzen können, an einem Strand gesehen. Bei Ebbe ist der Strand besonders breit, dann radeln chinesische und burmesische Touristen den 2 Kilometer langen Strand entlang, als sportliche Herausforderung.

Der absolute Clou kommt bei Sonnenuntergang, denn dann wollen sich alle Urlauber noch einmal abkühlen und gehen ins Meer baden. Da bekanntlich Asiaten, Chinesen und Burmesen nicht schwimmen können, leiht sich jeder einen aufgepumpten LKW Schlauch und geht damit ins Meer. Es ist für mich nur sehr schwer zu beschreiben, wie es aussieht, wenn fast tausend kleine Nichtschwimmer bei einer glutroten, untergehenden Sonne im Meer mit LKW Schläuchen herumplanschen. Das ganze, nichtzufassende Schauspiel lassen wir uns von einer Strandbar aus mit einem kalten Bier nicht entgehen.

Am nächsten Tag beschließen Elke und ich, uns das Erlebte vom Vortag nicht noch einmal anzutun und so erkunden wir die nördlichen Strände von Chaungtha. Vor uns liegt ein schneeweiser Strand, umsäumt von Palmen, wie auf eine Postkarte gemalt. Am anderen Ende ist auf einem Felsvorsprung eine goldene Pagoda zu erkennen, bei der sich viele burmesische Urlauber herumtummeln. Danach wird es aber auch schon wieder ruhig, ja fast einsam. Elke und ich wandern von einem malerischen Sandstrand zum nächsten, Kilometer weit, bis wir in einem kleinen Dorf umgeben von Palmen frische Kokosnüsse angeboten bekommen. Von diesen Traumständen gibt es auf dieser Erde sicher nicht mehr viele und als wir hören, dass die Chinesen hier riesige Ressorts und Hotels bauen wollen, sind auch hier die Tage gezählt.

Elke will unbedingt noch einmal in das Fischerdorf von Chaungtha, was sich am Ende des belebten Standes befindet. Diese Siedlung wurde vor etwa 100 Jahren gegründet und bekam den Namen (thayar) (chaung) woraus Chaungtha wurde und so viel heißt wie Schöner Strom. Das Fischerdorf selbst besteht aus auf Bambuspfeilern gebauten Hütten und sieht im ersten Moment in den grünen Mangroven sehr hübsch aus. Wären da nicht die meterhohen Plastikabfälle. Die Frauen, Kinder, Hunde und Schweine leben mitten in diesen übelriechenden Abfällen. Uns wird es regelrecht schlecht, wenn wir sehen, in welch abartigem Zustand diese Menschen im sogenannten Paradies leben müssen.

Morgen fahren wir wieder zurück nach Yangon, sagt Elke. Ja, sage ich, toll, wenn da bloß diese abenteuerliche Busfahrt nicht wäre …

Die Rückfahrt gestaltet sich gar nicht mal so schlecht, vielleicht auch weil der Busfahrer fast langweilig fährt. Auf jeden Fall bekommen wir dieses Mal viel von den Flussarmen, den Mangroven und den Menschen, die auf dem Land leben, mit. Elke hat die glorreiche Idee, von Yangon aus direkt weiter mit dem Zug nach Bago zu fahren. Am Fahrkartenschalter bezahlen alle Einheimischen ihr Ticket mit Kyat, nur die Touristen müssen mit Dollars bezahlen. Da wir keine haben, müssen wir die vier Dollar zum schlechten Kurs umtauschen. Wer glaubt, eine Zugfahrt, die ist lustig und angenehm, der war noch nie in Myanmar. Auch hier hatte zunächst -unverständlicher Weise - fast jeder eine Plastiktüte in der Hand. In einem vorderen Abteil ist der Schlafwagon untergebracht, hier lernen wir die zwei netten Herren Bruno und Hans-Peter aus der Schweiz kennen. Sie haben sich eine 2-er Kabine geleistet, schließlich wollen sie bis nach Mandalay und das sind immerhin so um die 15-17 Stunden Zugfahrt. Hans-Peter sagt, diesen Luxus haben wir uns einmal gegönnt, damit wir heute Nacht gut schlafen können.

Durch einen schrillen Pfiff signalisiert der Schaffner die Abfahrt. Ganz langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Mit einer Geschwindigkeit von ca. 25 km/h fährt er zunächst auch weiter. Er fängt bedrohlich an zu schwanken, als wolle er aus den Gleisen springen, dabei macht er einen ohrenbetäubenden Krach, der fast nicht zum Aushalten ist. Wir haben das Gefühl, dass sie vielleicht die Gleise unterschiedlich verlegt haben. Elke meint, ich komme mir vor wie auf einem bockenden Pferd. Durch die offene Zug Tür beobachte ich den angekoppelten Schlafwagen, der bis zu einem Meter nach allen Seiten schwingt und schon längst aus den Gleisen gesprungen sein müsste. Ich sage zu Elke, ich versuche mal, in den Schlafwagen zu gelangen und schau mal wie es den zwei Jungs geht. Wie ein Stuntman bei einem Actionfilm springe ich mit einem großen Satz über zwei Eisenplatten in den Schlafwagen. Hans-Peter und Bruno machen sich einen Spaß daraus, mal halb zu stehen, mal halb zu liegen oder mal durch die Luft gewirbelt zu werden. Viel reden können wir nicht, da es überall kracht und scheppert, also versuche ich wieder in den Wagen von Elke zu gelangen. Das ist der Wahnsinn, sage ich zu Elke, so eine Zugfahrt habe ich noch nicht erlebt.

Als ich wieder auf meinem Sitz sitze und mich freudenstrahlend umschaue, erkenne ich die vielen schwarzen vollgeko… Tüten. Schlagartig wird auch mir schlecht und ich bin froh, dass wir Bago nach zwei Stunden abenteuerlicher Zugfahrt erreichen. Wir verabschieden uns von Bruno und Hans-Peter. Lachend sagt Bruno, wir haben ja nur noch 13-15 Stunden Zugfahrt vor uns.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

« Burmas Küche mit Frankfurter Akzent » Erlebnisreiche Busfahrt