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Erlebnisreiche Busfahrt

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Elke und ich werden schon früh am Morgen durch den Lärm auf den Straßen geweckt. Also nix wie hin zum Frühstück, schließlich ist in unserem Garden Hotel das Frühstück im Preis mit inbegriffen. Zur Auswahl gibt es Tee oder Kaffee, in einer Plastikschale serviert man uns eine heiße Glasnudelsuppe in Kokosmilch gekocht, dazu geröstete Zwiebeln, Knoblauch, Chillischoten und Erdnüssen. Ein außergewöhnliches Frühstück, das mich kurz danach auf die Toilette treibt und dort für einige Zeit festhält.

Wir wollen gerade das Hotel verlassen, als uns der Chef zur Rezeption ruft. Er bittet uns um Hilfe für einen Deutschen Gast. Vor uns sitzt Hans aus Köln, mit Schweißperlen auf der Stirn. Der rechte Oberschenkel ist verbunden, das linke Bein ist stark angeschwollen und schimmert in allen Farben. Elke schaut Hans an, der sichtlich völlig am Ende ist und fragt ihn, was ist denn passiert.

Da erzählt uns Hans seine unglaubliche Geschichte, die sicherlich jedem hätte passieren können: Noch vor zwei Wochen war ich am Strand, da habe ich mir irgendeine Infektion am rechten Bein geholt. Zunächst dachte ich, es ist nicht so schlimm, als aber die Schwellung aufbrach und zu eitern begann, habe ich doch Angst bekommen und bin ins öffentliche Krankenhaus nach Yangon gegangen. Die Ärzte haben mich gleich dabehalten und mich sofort operiert. Sie haben mir ein großes Stück faules Fleisch bis auf den Knochen aus dem Oberschenkel entfernt. Als ich aus der Narkose erwacht bin, lag ich auf einem Eisenrost ohne Matratze, niemand gab mir etwas zu essen und niemand wechselte meinen Verband. Man sagte mir, dass ich für die Pflege selbst aufkommen müsse, die Kosten für die Operation sind darin nicht enthalten. Also rief ich den Chef vom Garden Hotel an, der schickte mir einen seiner Freunde. Der brachte mir eine Matratze, etwas zu Essen und Verbandszeug. Er blieb vier Tage und Nächte bei mir im Krankenhaus, fütterte mich und wechselte mir regelmäßig den Verband. Nun warte ich auf meinen Weiterflug nach Bangkok, dort will ich mich weiter behandeln lassen.

Elke schüttelt nur den Kopf und sagt sehr energisch, du gehst über Bangkok sofort nach Deutschland in eine Spezialklinik, wenn du das hier überleben willst. Das alles sieht nach einer Wasserinfektion aus, sage ich zu Elke. Elke hatte sich diese bösartige Infektion 2003 in Nicaragua geholt. Meistens entsteht es, wenn man schlechtes Wasser trinkt. Es bilden sich Eiterherde die von innen heraus aufbrechen und immer größer werden. Eine Ärztin hatte bei Elke sofort die richtigen Maßnahmen getroffen und so das Schlimmste verhindert, noch heute hat Elke einige Narben als Erinnerung daran.

Hans hatte natürlich für seinen Urlaub keine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, es wird schon nichts passieren. Ich lasse mir seinem nächsten Verwandten die E-Mail Adresse geben und funke SOS, Hans braucht dringend Hilfe und Geld. Elke redet so lange auf Hans ein, bis er ein Einsehen hat, dann lasse ich halt die 14 Tage Thailand Urlaub sausen, sagt Hans. Ja sagt Elke, den kannst du nachholen, wenn du wieder gesund bist. Leider kam nie eine Antwort aus Deutschland, das kann bei uns nicht passieren, sagt Elke; schließlich haben wir noch eine Familie und viele guten Freunde. Naja sage ich zu Elke, ich hoffe, wenn es soweit ist, dass du recht hast. In der Hoffnung, dass wir Hans geholfen haben und dass er wieder gesund wird, verlassen wir ihn.

Elke und ich schlendern durch Yangon von einer Pagoda zur anderen am Bahnhof vorbei zum Kandawgyi-See. Schon am Eingang verlangt man nur von Ausländern eine Eintrittsgebühr von 2000 Kyat, für den Fotoapparat weitere 1000 Kyat, falls wir ein Bild machen wollen und für den Fall, dass wir über die einzige Brücke gehen wollen, noch einmal 2000 Kyat. Ich schnappe nach Luft und bin kurz vorm Ausrasten, Elke muss mich sichtlich zurückhalten. Das ist eine bodenlose Schweinerei, das ist rassistisch und korrupt, schreie ich die nette Dame an, die dafür ja gar nichts kann. Elke beruhigt mich, ab sofort müssen wir hier als Ausländer für alles bezahlen: für Parks, für jeden Tempel, für jedes Foto, sogar wenn wir uns den Inlesee anschauen wollen. Also entweder du akzeptierst es, oder du fliegst wieder nach Thailand zurück. OK, sag ich zu Elke, dann lass uns erst einmal einen Kaffee zur Beruhigung trinken, ich muss erst einmal wieder herunterfahren.

Als ich mich wieder einigermaßen beruhigt habe, sage ich zu Elke: lass uns doch in die St. Marys Kathedrale gehen, sie ist hier ganz in der Nähe, da brauchen wir sicher keinen Eintritt zu bezahlen, sage ich lachend. Ich behielt Recht, wir brauchten nicht zu bezahlen, weil die Kirche geschlossen hatte und man nur mit terminlicher Absprache hinein gelassen wird. Und schon steigt mein Blutdruck wieder gewaltig nach oben, alle Tempel, alle Moscheen sind für alle Konfessionen dieser Welt jederzeit zugänglich, nur bei den Christen kann man nur während einer Messe oder nach Absprache in die Kirche, das gibts doch gar nicht. Elke meint, ich glaube heute ist nicht dein Tag, lass uns erst einmal was essen gehen.

Überall an den Straßenecken sitzen junge Leute um einen großen heißen Messingpott herum, was mich neugierig macht. Beim Näherkommen sehe ich viele kleine Spieße, die man wie bei einem Fondue in eine Brühe hält, dabei haben diese Leute offensichtlich viel Spaß, also muss ich das auch ausprobieren. Sofort rücken die jungen Burmesen zusammen und nehmen mich in ihre Mitte auf. Da keiner von ihnen auch nur ansatzmäßig Englisch spricht, reden wir mit Händen und Füßen. Vergeblich suche ich nach einem kleinen Stück Fleisch, denn was hier vor mir liegt, sind aufgespießte Stücke von Darm, Panzen, Leber, Lunge, Herz, Magen und gestocktem Blut. Das System ist ganz einfach, die geraden Spieße kosten 100 Kyat und die abgeknickten Spieße sind teurer und kosten 200 Kyat. Unter viel Gelächter der Burmesen schaffe ich es auf 1600 Kyat, bevor es mir hundsmiserabel schlecht wird. Elke besorgt mir einen Rum, der den Magen ein wenig beruhigt, erst das dritte Glas zeigt seine Wirkung.

Morgen geht’s weiter, deshalb buchen Elke und ich für morgen früh um 5 Uhr eine Busfahrt in das Ayeyarwady-Delta an den Chaungtha Beach, der nur knapp 200 Kilometer von hier entfernt ist. Mit Verspätung geht es mit zwei jungen Deutschen, die die Nacht durchgezecht haben, auf der Pritsche eines Kleintransporters durch dichten Morgennebel zum 25 Kilometer entfernten Busbahnhof. Eine echte Herausforderung für unsere Fahrerin, die mit einem Affentempo hupend durch den Nebel heizt und natürlich zu spät ankommt. Kein Problem, mit einem kurzen Lächeln nimmt sie die Verfolgung unseres Busses auf. Nach weiteren 20 Minuten stoppt sie den Bus, leicht grün, angegraut und zitternd verlassen wir alle die Pritsche. Gott sei Dank, das haben wir überlebt, jetzt kann alles nur noch besser werden.

Elke und ich bekommen die zwei Plätze direkt hinter dem Fahrer, super, dann können wir alles gut sehen, dachte ich. Schon beim losfahren bemerke ich, dass hier was nicht stimmt, alle zwei Sekunden haut der Fahrer auf die Hupe, wie ein besessener Vollbetrunkener rast er los. Nach kurzer Zeit wird die Straße auf einmal einspurig, jetzt wird’s so richtig spannend. Unser Busfahrer duldet niemand auf seiner Straße, er fährt solange auf die anderen Fahrzeuge zu, bis sie kapitulieren und von der Straße weichen. Der Beifahrer hatte schon zu Beginn schwarze Tüten ausgegeben, die sich jeder zweite Fahrgast mit den Schlaufen in die Ohren hängt, damit er hineinko…. kann, denn mit den Händen muss er sich ja an der Vorderlehne festhalten, damit er nicht vom Sitz fällt. Ist er endlich fertig mit Ko…., wird die Tüte fachgerecht zusammengedrullert und aus dem Fenster geworfen. Um 11 Uhr hält der Bus für eine halbe Stunde an einem Restaurant an. Alle stürzen zur Toilette, um sich danach einen frittierten Reis oder eine Nudelsuppe zuzuführen. Das Hupen unseres Busfahrers gibt den Befehl zum Weiterfahren. Unser Beifahrer verteilt wieder schwarze Plastiktüten, lachend sagt er, jetzt müsst ihr euch festhalten, denn jetzt gehts in die Berge. Oh nein, sag ich zu Elke, jetzt geht das ganze wieder von vorne los.

Nach knapp 9 Stunden erlebnisreicher Busfahrt erreichen wir den kleinen Badeort Chaungtha. Ein junger Mann betritt den Bus und fragt, ob jemand in das Resort Hill Garden möchte. Schlechter wie unser Garden Hotel in Yangon kann es nicht sein, lacht Elke, OK nehmen wir.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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