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Mingälaba, Guten Tag Myanmar

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Der Flug von Bangkok in die Hauptstadt Myanmars Yangon dauert nur eine knappe Stunde. Die Einreiseformalitäten funktionieren hervorragend, so dass wir uns sofort zum Geldautomaten begeben. Ich frage die Dame an der Info, wie hoch denn das Limit am Automaten sei, darauf sagt sie: “300 000 Kyats”, ich kann mir das Lachen nicht verkneifen.

Tatsächlich spuckt der Geldautomat einen dicken Bündel 5000 Kyats Scheine heraus, Jetzt müssen wir erst einmal umrechnen. Elke schaut sich die Umrechnungstabelle an und sagt: 1350 Kyats sind 1€ und 977 Kyats sind umgerechnet 1US Dollar und da hier alle in Dollar rechnen, müssen wir auch umdenken, na das kann ja lustig werden.

Der Taxifahrer, ein lustiger netter Kerl, bringt uns in die Altstadt, für 7000 Kyats. Elke fällt sofort auf, dass wir wieder rechts fahren, auch der Fahrer und das Lenkrad befinden sich auf der rechten Seite. Moment mal, das ist doch gar nicht möglich. Also, wenn wir Linksverkehr haben, befinden sich der Fahrer und das Lenkrad auf der rechten Seite. Haben wir Rechtsverkehr so wie in Deutschland dann sitzt der Fahrer auf der linken Seite, aber so etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt. Der Fahrer lacht und klärt uns auf, die meisten Autos beziehen wir aus Thailand, da ist Linksverkehr, andere wieder aus Japan oder China, deshalb sitzt der Fahrer bei uns in Myanmar einmal links und dann wieder mal rechts.

Er steuert die Sule Pagoda an, einen Tempel, den wir schon von weitem erkennen können. Hier im Zentrum der Altstadt empfiehlt er uns gleich drei Gasthäuser. Das erste lassen wir gleich aus, weil es im Reiseführer als verwanzt und dreckig beschrieben wird. Das zweite heißt Garden Gasthaus. Ich lasse mir ein Zimmer im 5. Stock zeigen. Das Zimmer erinnert mich an die Zeit in Indien und ich kenne niemand in meinem gesamten Freundeskreis, der in diesem Zimmer übernachten würde. Der Ausblick auf die vergoldete Sule Pagode ist toll und obwohl es überhaupt nichts Grünes in diesem Hause gibt, nehme ich das Zimmer im Garden Gasthaus für 18 Dollar. Ist ja nur für 1-2 Nächte, versuche ich Elke dieses schmuddelige und etwas übelriechende total heruntergekommene Zimmer zu verkaufen.

Elke und ich machen unsere erste Erkundungstour rund um unser neues Zuhause, so sauber wie auf der Hauptstraße sieht es jetzt schon nicht mehr aus. Überall wird gebaut, Straßen sind aufgerissen, Häuserfassaden sind mit Bambusgerüsten umstellt, auf denen barfüßige Burmesen in schwindelnden Höhen ohne Sicherheitsgurte neue Farbe auftragen. Zwischendrin Müll und Plastikberge, wo sollen sie auch hin damit und wiederum zwischendrin fahr- und tragbare Essensstände, bei denen es mal abgesehen von dem ganzen Dreck immer noch tolles Essen gibt.

Elke und ich entscheiden uns für eine Familie, die ihr kleines Restaurant genau in der Mitte einer sehr belebten Kreuzung aufgebaut hat. Die Plastikhocker und die Tische sind so klein, dass sie an die Bestuhlung eines Kindergartens erinnern. Die Küche besteht aus einem zusammengeschweißten Blechkasten mit zwei drei Regalen auf denen das frische Gemüse liegt. Die Holzkohlen Feuerstelle befindet sich genau in der Mitte der Anrichte, eingelassen mit einem Tontopf, auf den genau der Wok passt. Auf einer seitlichen Ablage stehen die verschiedensten Aluminiumtöpfe, in denen die verrücktesten und unerklärlichsten Kochkompositionen fertig zubereitet sind. Nebendran auf den Pflastersteinen stehen drei große Plastikeimer mit Wasser, im ersten wird der dreckige Teller vorgewaschen, deshalb sieht die Brühe auch so braun aus. Im zweiten Eimer befindet sich das Spülwasser und im dritten wird alles klar abgespült. Sie, die Köchin mit zwei tollenden Dreckspatzen zwischen 5 und 8 Jahren, das kleinste, zirka 8 Monate auf dem Rücken. Er fungiert als Servicekraft, Spül- und Kochhilfe seiner geliebten Frau. Mit seinem kleinen Oberlippenbart und seinem Grinsen im Gesicht sieht er eigentlich aus wie der Chef.

Da wir uns für nicht entscheiden können, überlassen wir den zweien die Wahl, sie sollen uns einfach etwas Gutes zu essen machen. Als erstes bekommen wir in Plastikschalen eine klare Gemüsebrühe serviert, in die ich mich hätte reinsetzen können, einfach nur Klasse. Als zweites kurz im Wok angeschwenktes Gemüse aus, Karotten, Zwiebel, Knoblauch, Blumenkohl, Pilzen, einer kleinen Chillischote und gekochten Wachteleiern. Nach 3 Minuten wird alles mit einer Sojasoße abgeschmeckt und dazu gibt es selbstgemachte, goldgelbe Eiernudeln. Ein frisch aufgebrühter grüner Myanmartee gibt Elke und mir mit seiner herben Kräuternote den Rest. Da sitzen wir mitten auf einer belebten Kreuzung mit hupenden und rasenden Autos, wurden von lieben netten Menschen vom allerfeinsten bekocht und sie beschämen uns mit einer Rechnung, die weniger als ein Euro beträgt.

Es ist Sonntag und Elke hat sich in den Kopf gesetzt, die vier Kilometer entfernte Shwedagon-Pagoda zu besuchen. Schon von weitem lassen sich die Ausmaße dieses gewaltigen Tempelkomplexes erahnen. Ihre Bedeutung als Pilgerstätte ist von unvorstellbarem Wert für Buddhisten aus aller Welt. Vier überdachte Aufgänge führen auf die fast 60.000m² große gepflasterte Marmorplattform, auf der die vergoldete Pagoda von sage und schreibe 100m Höhe in den stahlblauen Himmel ragt. Drumherum stehen weitere 64 kleine und weitere vier größere Stupas, mit reich geschmückten Schreinen, Gebetshallen und offene Pavillons, in denen Buddha Figuren aus Marmor und Messing verehrt werden. Ich muss mich erst einmal in den Schatten setzen um alles zu verarbeiten, denn hier ist alles ein bisschen größer, wie zum Bespiel eine 22m hohe Glocke, eine Lotusblühte mit 16 Blättern von 9,50m Höhe, ein 10m hoher Schirm der mit über 1000 Diamanten und noch mehr Rubinen, Saphiren verziert ist. Das alles wurde von vielen Königen in den letzten 2000 Jahren mehrfach erbaut, erweitert und wieder zerstört.

Den ganzen Tag über herrscht an der Pagoda reger Betrieb, Tausende Gläubige kommen hierher um zu beten oder zu meditieren. Viele von ihnen bringen Opfergaben mit wie Blumen, vergoldete Schirmchen, Kokosnüsse oder gekochten Reis, alles Gaben einer guten Tat. Andere kommen hierher um einfach nur zu relaxen und im Schatten ein Schläfchen zu halten. Ganze Großfamilien feiern mit Picknickkörben in den Gebetshallen rauschende Feste. Elke ist wie von Sinnen, sie kommt aus dem Fotografieren nicht mehr heraus. Die Dimensionen sind so groß, dass sie Probleme hat, die Motive einigermaßen in den Kasten zu bekommen.

Ich schlendere durch die vielen vergoldeten Gebetshallen, bis mir eine Gruppe von festlich gekleideten Burmesen auffällt. Die Frauen mit ihren pechschwarzen glänzenden Haaren, sehen in ihren traditionellen Trachten von zartem Beige bis Kaffeebraun und ihren schönen goldverzierten Blusen sehr hübsch aus. Die Männer mit ihren traditionellen Röcken und ihren schneeweisen, in Bundfalten gebügelten Hemden geben dem ganzen etwas besonders Festliches. Um einen großen runden Tisch herum sitzen etwa acht Mönche in ihren purpurroten Gewändern. Beim Näherkommen erkenne ich viele verschiedene Schüsseln auf dem Tisch mit den köstlichsten Speisen gefüllt.

Ich weiß nicht warum mich das ganze immer mehr anzieht, bis ich plötzlich inmitten der Gesellschaft stehe. Über einhundert Gäste sitzen fröhlich plaudernd im Schneidersitz um diese runden Tische herum und reichen die Schüsseln mit Speisen ihrem Nachbar weiter. Anscheinend bemerkt eine Dame meine Faszination an dieser Gourmetveranstaltung, sie nimmt mich am Arm und bittet mich Platz zunehmen. Bevor ich mich versehe, sitze ich mitten in der Gesellschaft, auch Elke hat keine Chance. Zuerst bekommen wir einen gehäuften Teller mit gekochtem Reis serviert. Danach werden uns viele bunte Schüsseln mit Köstlichkeiten gereicht, alles selbstgemacht, so versichert mir die Dame. Angefangen von gerösteten Shrimps mit viel Knoblauch und Zwiebeln, butterzartem Ziegenfleisch in einer Ingwer-Sojasoße, Rind und Schweinefleisch mit reichlich Gemüse gekocht. Ein scharfes Fischcurry sowie die verschiedensten Gemüseeintöpfe lassen unsere Sinne Purzelbäume schlagen und das um 11 Uhr am Morgen.

Jeder am Tisch will wissen, wo wir herkommen, wie uns Myanmar gefällt und wie viele Kinder wir haben. Elke und ich entscheiden uns für 3 Kinder, ein Junge und zwei Mädchen, gut dass ich noch die Bilder von meinen beiden Nichten dabei habe. Elke und ich wollen den Anlass der Feier wissen, ein junger Mann erzählt uns, dass alle hier Anwesenden über das ganze Jahr hinweg Spenden gesammelt haben und heute haben wir die Spende für die Pagoda den Mönchen übergeben. Für diesen Anlass haben wir uns heute festlich gekleidet, alle haben ihren Beitrag dazu geleistet. Auf die Frage welchen Beitrag wir zu diesem tollen Fest leisten können, werden wir regelrecht abgewiesen, mit den Worten, das ist burmesische Gastfreundschaft. Nachdem wir noch eine Portion selbstgemachtes Eis verdrückt und einen starken Chai getrunken haben, dürfen wir uns erheben. Alle reichen uns mit einem Lächeln die Hände und wünschen uns eine gute Reise durch das Land der Tempel und der Buddhas.

Noch weitere zwei Stunden laufen Elke und ich barfuß durch diese faszinierende Shwedagon Pagoda, bis die Reizüberflutung nichts mehr zulässt. Elke hat sage und schreibe an dem heutigen Sonntag 720 Bilder gemacht, ein absoluter neuer Rekord. Am Abend sitzen Elke und ich bei einem eiskalten, frisch gezapften Myanmar Bier und versuchen das Erlebte des Tages zu verarbeiten.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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