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Freud und Leid

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Die Abwicklung unseres Gepäcks und des Einreisestempels für Thailand verläuft problemlos. Nach Medienaussagen sind zur Zeit auf Grund der Neuwahlen in Bangkok kriegsähnliche Zustände auf allen Zufahrtsstraßen zu erwarten. Deshalb beschliessen wir nicht wie geplant zuerst nach Bangkok zu gehen, sondern direkt auf der Insel Ko Chang unseren gemeinamen Urlaub mit meinem Bruder und seiner Frau zu beginnen. Die geniale Idee, noch schnell im Flughafen etwas zu essen, ist im wahrsten Sinne des Wortes voll in die Hose gegangen.

Ich dachte, ich könnte meinem Bruder und seiner Frau schon einmal schnell die tolle thailändische Küche zeigen. Leider verwechselte ich das Flughafenrestaurant mit der Kantine aller Angestellten, und so servierte man uns eine Brühe mit gestocktem Blut, Innereien vom Darm über Leber, Magen, Lunge und Sprossen. Der kulinarische Auftakt unserer vierten Weltreise ist nach Auffassung meines Bruders total gelungen, meiner Schwägerin wurde es leicht übel und so liessen wir das Essen einfach stehen.

Unser Minibus, der uns auf die Insel Ko Chang bringen soll, steht bereit. Ein junger drahtiger Thai verstaut unsere Rucksäcke hinter den Rücksitzen, bevor es mit neun Innsassen los geht. Unser Fahrer verspricht uns, dass er die Strecke bis zur Fähre von 350 Kilometern unter vier Stunden schafft. Schon nach zehn Minuten glaube ich dem Jungen aufs Wort, denn diese Überhohlmanöver, egal ob er die Autos links oder rechts überholt, gleichen einer Rallye Monte Carlo. Die Todesangst seht uns allen ins Gesicht geschrieben, deshalb spreche ich mit einer thailändischen Mitfahrerin und bitte sie, mit dem Fahrer zu sprechen. Tatsächlich zeigt es Wirkung und zwar genau 10 Minuten lang, bevor er wieder in seinen Rallyegang schaltet.Gut angekommen an der Fähre verabschieden wir uns von dem Rallyefahrer, der sich sichtlich über seinen neuen Rekord freut.

Mit einem offenen Sammeltaxi gehts weiter über steile kurvenreiche Passagen, die hier bis zu 20 Prozent Steigung haben, zum Lonely Beach. Ich habe diese schöne Ecke ausgesucht, weil Elke und ich vor 5 Jahren hier das letzte mal einen tollen Urlaub erlebten. Der schöne weisse Sandstrand geht seicht ins Wasser, so dass man auch bei hohem Wellengang baden kann. Es gibt hunderte von Bungalows, die meisten stehen natürlich in der Nähe des Strandes, viele von ihnen in tropischen Gärten mit singenden und kreischenden Vögeln. Früher waren hier die meisten Bungalows aus Bambushölzern gebaut, die sind aber für die meisten Urlauber nicht mehr komfortabel genug. Mein Bruder und seine Frau entscheiden sich für einen ziemlich neuen Bungalow mit einer großen Terrasse, einem supergroßen Badezimmer und einem Schlafzimmer mit Klimaanlage und Kühlschrank. Bei Elke und mir sieht das dann doch anders aus. Wir entscheiden uns für eine kleine Behausung mit einer kleinen Dusche, dafür aber eine Art Freisitz aus alten Brettern direkt über dem Meer. Für Elke und mich ein unbeschreiblicher Luxus, das Rauschen und Peitschen der Wellen bei Sonnenuntergang in der Nacht oder am Morgen beim Aufwachen zu hören. Es gibt immernoch einheimische Restaurants, bei denen sehr gutes Essen serviert wird und tolle Kneipen, in denen abends verschiedene Bands spielen, es ist eigentlich immer etwas los. Der ideale Platz, um einen gemeinsamen Urlaub zu viert zu verbringen, so dachte ich.

Als die Sonne glutrot am Horizont untergeht, aus einer Bar nebenan ein Pianospieler uns alle mit seinem Gesang in eine andere Welt singt und wir in unseren Händen einen eiskalten Sang Song Rum halten, kommen zum erstenmal so richtig Urlaubsgefühle auf. Auf der Suche nach einem guten Restaurant schlendern wir fein herausgeputzt durch die Straßen, vorbei an unzähligen Tattooläden und Bars, in denen es ohrenbetäubend laut zugeht. Direkt hinter einer Brücke finden wir ein schönes Restaurant, das seine frischen Fische am Straßenrand auf Eis zur Schau stellt. Angefangen von Red Snapper über Barracuda, Tunfisch, Tintenfisch, Tigerprawns und Muscheln, alles heute frisch gefangen, so versichert mir der Besitzer. Wir endscheiden uns für den ca. 1,5 Kilogramm schweren Thunfisch mit der Bitte, ihn nicht zu trocken anzubraten. Zu unserem Fisch suchen wir uns aus der Speisekarte weitere leckere Sachen heraus. Als erstes einen gebratenen Reis mit Gemüse, der mit viel Knoblauch und Ingwer angrichtet wird. Zweitens ein Morning Glory Gemüse, sieht aus wie Mangoldgemüse, mit Zwiebeln, Knoblauch, Chilli und Soyasoße. Drittens ein grünes Curry, nicht zu scharf, mit Karotten, Ingwer, Knoblauch, Zitronengras und Tintenfisch. Viertens Garnellen mit Gemüse vom Mais, roten Zwiebeln, Karotten, Knoblauch, Ingwer in einer leicht süßlichen Tamarinsoße und zu allem natürlich gekochten Reis.

Kurz bevor wir alles serviert bekommen, ruft mich der Chef zum Grill. Er zeigt mir unseren Thunfisch, den der Küchenchef auf der Bauchseite aufgeschnitten hatte und nun wie ein Schmetterling auf der Haut anbrät. Die Haut sieht schon schön cross aus, doch die Innenseite des Fischfilet ist noch purpur rot. Er fragt mich, wie ich den Fisch haben will. Ich bin total aufgeregt, denn so hatte ich einen Thunfisch noch nie gegrillt. OK sage ich zu ihm, wenn du ihn drehst, dann nicht länger als eine halbe Minute auf dem Filet, danach sofort am Tisch servieren. Als ich zurück am Tisch ankomme, hat man uns schon die anderen Leckereien serviert. Der Duft der verschiedensten Curries und Geschmacksrichtungen raubt einem fast die Sinne und so springt mein Herz höher als der Thunfisch mit geröstetem Knoblauch und einer leichten Soyasoße serviert wird. Ich zelebriere den Thunfisch, der immer noch einen zarten, rosa Kern hat, gerecht auf alle Teller, um ihn mit Hochgenuß dem Gaumen zuzuführen. Leider trinken wir dazu ein eiskaltes Chang Bier, viel lieber hätte ich dazu einen Chardonnay aus dem Weingut Hollerith in Maikammer oder einen Grauburgunder vom Weingut Hannewald-Schwert aus Leistadt gertunken. Die geschmackliche Herausforderung war meinem Bruder und seiner Frau sichtlich anzumerken, da sie vorher nie in dieser Art mit der asiatischen Küche konfrontiert wurden, aber daran werden sie sich in den nächsten Tagen gewöhnen müssen.

Noch einmal laufen wir durch das Dorf, das jetzt einer Partymeile gleicht. Schreiende, Kreischende, bis unter die Haarwurzel tätowierte, gepiercte, betrunkene und zugekiffte Frauen und Männer tanzen zu einer unvorstellbar lauten Hip-Hop und Rap Musik. Die Bässe gehen durch Mark und Bein und erschüttern selbst die leicht gebauten Bambushütten und ich bin froh, dass ich um 4 Uhr in der Früh in meinen wohl ersehnten Schlaf falle.

Am nächsten Morgen bin ich mit meinen zwei Aluminium Tassen auf der Suche nach einem guten Kaffee, dabei passiere ich die Partymeile. Was ich da sehe, verschlägt mir die Sprache. Hier sieht es aus wie in einem Schweinestall. Halb nackte Menschen liegen zwischen Bier, Schnaps und Plastikflaschen, alles liegt kreuz und quer zwischen streunenden Hunden. Wo sind wir hier nur gelandet, vor fünf Jahren sah hier alles anders aus, so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Elke und ich versuchen Hanne und Klaus die schönen Seiten von Ko Chang zu zeigen, in dem wir einige Ausflüge zu Fuß oder mit dem Taxi unternahmen. Auf unseren Exkursionen über die Insel, die auch die Elefanteninsel genannt wird, können wir die ein oder andere Ecke finden, wo es sich immer noch lohnt, einen erhohlsamen Urlaub zu machen. Hanne und Klaus hegen schon lange die Idee einer Thai-Massage, die bei uns im Ressort auch angeboten wird. Klaus kommt total beschwingt und überglücklich auf mich zu und sagt: “Louis, so eine tolle Massage musst du auch einmal machen.” Ich persönlich stehe diesen Massagen sehr kritisch gegenüber, da die meisten Masseure überhaupt keine Ausbildung haben. Noch am Abend bekommt mein Bruder Schmerzen in der unteren Wirbelsäule, der Verdacht eines Bandscheibenvorfalls kommt auf. Die Schmerzen werden so stark, dass wir am nächsten Morgen ins private Krankenhaus von Ko Chang fahren. Der gute Arzt dort behandelt zunächst die Schmerzen meines Bruders mit einer Morphiumspritze, die auch sofort ihre Wirkung zeigt.

Am nächsten Morgen sehe ich meinen Bruder die Treppe seines Bungalows herunter humpeln und ich frage ihn was denn los sei. Ich habe im rechten Bein kein Gefühl und keine Kraft mehr, ich habe das Bein nicht mehr unter Kontrolle, sagt er schmerzverzehrt. Nun wird das ganze aber kritisch, sofort zurück ins Krankenhaus. Der Arzt schaut sich alles noch einmal an und verschreibt weitere starke Tapletten, was meiner Meinung nach keine Lösung ist. Da es nur noch vier Tage bis zum Heimflug der Beiden ist, lohnt eine vorzeitige Umbuchung nicht mehr. Wir beschließen, gemeinsam nach Bangkok zu fahren, um ihnen noch ein paar Highlights wie den Grande Palast, China Town und die nächtlichen Garküchen am Straßenrand zu zeigen.

Nicht jedem gefällt Bangkok und so hatten natürlich auch Hanne und Klaus mit der Reizüberflutung zu tun. Der Lärm auf den Straßen, der Smok der Autos, die Hektik der vielen Menschen und dann der viele Müll dieser pulsierenden Millionenstadt. Für Elke und mich hat diese Megastadt, durch die wir schon dreimal mit dem Fahrrad kreuz und quer geradelt sind, einen besonderen Reiz: entweder du liebst sie oder du hasst sie, wir tuen beides.

Hanne und Klaus verabschieden sich von uns, wir wünschen den beiden einen guten Heimflug und einen guten Arzt für Klaus, den er jetzt sicher gut gebrauchen kann. Für Elke und mich ist ab jetzt der Urlaub vorbei, auch wir verlassen Bangkok, um in Ayutthaya, der früheren Königsstadt, ein kulturelles oder kulinarisches Abenteuer zu finden.

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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