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« Freud und Leid » Auf zu neuen Ufern

Endlich gehts los

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen …

Vor unseren vergangenen Weltreisen ging es immer sehr hektisch, ja fast dramatisch zu. Bis immer alles gepackt war, die Fahrräder in den Kartons verstaut waren, das Finanzielle geregelt war, die Visa kurz vor der Abreise genehmigt waren, alles das machte mich fast krank.

Die Anspannung steigt. Ständig denkst du darüber nach: habe ich alles erledigt, was muß ich noch alles tun. Früher bin ich des öfteren In der Nacht wach geworden, träumte totalen Unsinn. Am Morgen bin ich dann nassgeschwitzt aufgewacht. Tagsüber habe ich mich teilweise nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Meine Gedanken waren irgendwo, aber wo waren sie? Die Gefühle haben sich verändert: Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, die Ohren gehen zu und sind manchmal wie taub, der Brustkorb zieht sich zusammen, als wolle er das Herz zerquetschen. Im Bauch geht alles drunter und drüber, hier stimmt überhaupt nichts mehr, vielleicht ist es auch der viele Kaffee. Eine Mischung aus Angst und Glücksgefühl die bei mir nicht mehr einzuordnen ist. Ich versuche mich mental einzufangen, aber wie, wenn ich ständig neben mir stehe? Was ist das eigentlich für ein wahnsinniges Gefühl? Wenn ich ehrlich zu mir bin, hatte ich immer ein wenig Muffesausen.

Und genauso war es immer bevor es endlich los ging.

Und dieses mal - nichts, überhaupt gar nichts, noch nicht einmal ein Gefühlsausbruch.

Ich kann das gar nicht verstehen, sage ich zu Elke, wo bleibt das Muffesausen, das Vibrieren und die Anspannung? Elke schaut mich kopfschüttelnd an und sagt: “Erstens haben wir keine Fahrräder dabei, die machen schon mal keinen Ärger am Flughafen oder beim Zoll. Zweitens ist hier in der Pfalz alles geregelt. Drittens sind wir nach all diesen Reisen schon fast wie Profis. Thailand kennen wir fast so gut wie unsere Hosentasche. Viertens haben wir gemeinsam noch nicht einmal 20 Kilogramm bei uns, das macht uns total flexibel. Es ist fast so, als würden wir für kurze Zeit in den Urlaub fahren.” Ja, Elke hatte wiedereinmal recht, selbst das Einchecken in Frankfurt im Terminal 1 am Automaten ist richtig langweilig.

Als mein Bruder Klaus und meine Schwägerin Hanne, die die ersten 3 Wochen mit uns ihren Urlaub verbringen, fast zu spät zum Abflug kommen, steigt mein Adrenalin doch ein bisschen an. Kurz vor dem Einchecken bekommen wir von einer netten freundlichen Stewardess ein Angebot gemacht. Wir dürften für 175€ beide zum Vorzugspreis in die Premium Class. Man sitzt bequemer, das Essen ist wesentlich besser und alle alkoholischen Getränke sind umsonst, versichert sie uns, dankend lehne ich ab. Ich drehe mich zu Elke um und frage sie: “Was ist denn eine Premium Class, das habe ich ja noch nie gehört.” Elke zuckt mit den Schultern und sagt: “Wahrscheinlich ist es eine Klasse zwischen Business Class und Economy Class, wir werden ja sehen.

Beim Betreten des Flugzeugs kann ich dann schon den Unterschied sehen. Im vorderen Teil stehen die reinsten Fernsehsessel wie meine Eltern einen hatten, in der zweiten Abteilung sind sie dann nicht mehr ganz so groß, aber immernoch bequem und dann kommt unsere dritte Abteilung, die man Economy Class nennt. Hier sieht es aus, wie in einem Kino, bei dem man die Stühle sehr eng aneinander gequetscht hat. Für Elke und mich als Kleinwüchsige kein Problem, aber für alle Normal- und Großgeratenen eine absolute Zumutung.

Bevor wir abheben, fängt es an einigen Stellen der oberen Staukästen an zu tropfen. Mein Bruder Klaus hat das Glück, genau unter so einem Staukasten zu sitzen. Der Steward kommt auf mehrfaches Reklamieren mit einem Handtuch, wischt das Wasserrinnsal ab und versichert, dass es spätestent in der Luft aufhören wird. Der Steward hat recht, nach mindestens 20 Minuten, in 6000 Metern Höhe hört die Klimaanlage auf zu tropfen und mein Bruder kann endlich sein klatschnasses T-Shirt wechseln.

Elke und ich haben den ganzen Tag über noch nichts gegessen, man soll ja bekanntlich während des Fliegens nicht so viel essen. Um so mehr freuen wir uns auf das Abendessen im Flugzeug. Zur Vorfreude bestelle ich mir einen 2011er Weisburgunder aus Rheinhessen vom Weingut Menger, abgefüllt in die kleinste Weinflasche der Welt, deshalb ist er immer noch geniesbar, denn zum Reifen hat er ja keinen Platz. Endlich kommt unser essen, links oben auf dem Tablett steht ein Karotten-Selleriesalat mit einem Klecks Mayonaise. Auf der rechten Seite ein viereckiger Bisquit, mit einer rosa-orange-farbenen Creme obendrauf. In der Mitte das Hauptgericht. Ich hebe die Alufolie an und zum Vorschein kommen Ravioli mit einer weißen breiigen Champignonsoße. Mit einem kurzen gastronomischen Blick über das kulinarische Kunstwerk schätze ich den gesamten Warenwert auf höchsten 40 Cents ein. Eine Frecheit sagt ein Nachbar schräg gegenüber und dafür habe ich 850 € für den Flug bezahlt. Über das Frühstück kurz vor der Landung möchte ich mich gar nicht erst äußern. Die meisten haben es einfach stehen lassen.

Wir befinden uns auf dem Landeanflug und genau wie beim Start läuft uns das Kondenswasser der Klimaanlage aus allen möglichen Ecken der Staukästen auf die Köpfe. Einige Fluggäste haben sich Kissen und Wolldecken auf die Köpfe gelegt, um das Wasser einzufangen, da ertönt im Lautsprecher der Kapitän: “Liebe Fluggäste, ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Flug, waren mit allem zufrieden, so dass wir sie hier an Bord der Condor wieder beehren dürfen.”

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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