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Unsere Burg

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen ...
Da wir wieder einmal den billigsten Flug über ein indisches Reisebüro nach Nepal gebucht haben, stehen wir am Flugafen in Bangkok und warten auf den Flieger, der nicht kommen will. Der Abflug über Bangladesh verspätet sich um 4 Stunden, das heißt, dass wir unseren Anschlußflug von Dhaka nach Khatmandu verpassen. Das wird spannend, sage ich zu Elke, zumal keine weiteren Flieger an diesem Tag aus Bangladesh heraus fliegen, so die Auskunft der Stewardess.
Wenn wir tatsächlich in Bangladesh einreisen müssten, käme uns das sehr teuer, so ein Fluggast. Die Einreise für einen Tag kostet 100 Dollar - gut, dass noch 27 Nepalesen an Bord sind, die ebenfalls nach Kathmandu wollen. Auf dem Flughafen in Dhaka weis man zunächst nicht, was man mit uns anstellen soll. Erst will man uns in einem Hotel unterbringen, doch dann kommt die Nachricht, wir haben ein anderes Flugzeug und einen Pilot, der euch nach Khatmandu fliegt. Super - wir sitzen mit 29 Personen in einem riesen Flieger, jeder kann sich ein Sitzreihe raussuchen.

In Khatmandu angekommen, führt mein erster Weg am nächsten Morgen zu Kiren in seinen Weinkeller. Hier hatte ich beim letzten mal gute Weine für unsere Skypeparty gefunden, er hat eine große Auswahl an internationalen Weinen zu sehr moderaten Preisen. Ich handele mit ihm einen guten Preis aus, dafür kaufe ich für das Castle Resort 180 Flaschen Wein. Darunter einen fruchtigen Rose, einen dicken fetten Chardonnay, einen eleganten Chenin Blanc, einen säurebetonten Sauvignon Blanc, einen kräftigen Pinot Noir und einen pfeffrigen Syrah, natürlich darf ein guter Sekt nicht fehlen. Kiren staunt nicht schlecht und er meint, diese Menge Wein verkaufst du hier in Nepal nicht in einem Jahr. Ich schaue ihn grinsend an und sage, wir werden sehen - was gibst du aus, wenn ich sie in einem halben Jahr verkauft habe? Ohne zu überlegen sagt er, dann lade ich dich hier in Khatmandu ins beste Restaurant ein und du kannst soviel Wein trinken wie du willst. Abgemacht sage ich, die Wette gilt. Elke schaut mich an und sagt, meinst du, dasss du das schaffst. Da muß ich laut lachen: selbst wenn ich nicht eine einzige Flasche verkaufe und ich jeden Tag eine Flasche trinke, hat er die Wette schon verloren ;-)

Alles in einen Bus verstaut, machen wir uns auf den Weg nach Pokhara. Eine zermürbende Fahrt von zehn Stunden und das für 220 Kilometer. Joe und Sofia können es gar nicht glauben, als wir mit so vielen Weinen im Castle Resort einkehren. Was wir nicht wissen ist, dass ausgerechnet Joe heute Geburtstag hat und so wird die Nacht wieder einmal zum Tag gemacht. Am nächsten Tag, als wir alle wieder einigermaßen nüchtern sind, erklärt mir Joe, dass er seinen Angestellten noch nichts von uns erzählt hat. Er wollte, dass wir uns zuerst einen Überblick verschaffen und alles genau unter die Lupe nehmen. Der erste Weg führt zur Bank, wo ich eine Vollmacht über das Geschäftskonto bekomme. Mein lieber Mann, denke ich, das ist natürlich schon eine starke Vertrauenssache. Danach bekommen Elke und ich jeder ein eigenes Handy, zum Schluß gibt mir Joe einen Einblick in die Buchhaltung und ich stelle sofort fest, dass hier Einiges geschehen muß.

Drei Tage lang beobachten Elke und ich das Personal und als uns Joe fragt, was wir denn von seiner Mannschaft halten, sage ich zu ihm: Der Nachtwächter und die Reinigungsfrau für die Zimmer dürfen bleiben, alle anderen schmeiße ich hochkannt raus. Joe fängt an zu schlucken, er sucht sichtlich nach Worten, das Lachen ist ihm total vergangen: Dein Servicepersonal versteckt sich, wenn Gäste kommen, so nach dem Motto, Kunde droht mit Auftrag. Die gesamte Küchenmannschaft lungert in der Küche rum, es sieht aus wie in einem Schweinestall, die Kakerlaken und die Ratten geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Joe muß sich erst einmal setzen, er sagt zu Elke und mir: ihr seid ab sofort die neuen Chefs, macht, was ihr für richtig haltet, aber bedenkt, dass ihr kein besseres Personal bekommen werdet. Bitte versucht es wenigstens einmal mit ihnen, es sind im Grunde gute Menschen aus verschiedenen Kasten, die einfach eine gute Führung brauchen und ihr müsst sie von Grund auf neu anlernen. Wenn sie nicht mitmachen, kannst du sie immer noch hinaus werfen. OK, sage ich zu Joe, heute Mittag machen wir eine Besprechung mit allen Angestellten, du wirst uns als die neuen befreundeten Resortleiter vorstellen, die hier umsonst als Volontäre arbeiten. Nicht, dass du oder wir Arger mit unseren Visa bekommen, dann brauchen wir nämlich kein Arbeitsvisum.

Nachdem uns Joe bei allen vorgestellt hat, bin ich an der Reihe. Ich versuche, ganz ruhig und gelassen ihnen klar zu machen, dass wir ab sofort ein Team bilden und jeder für jeden arbeitet. Wir werden ein neues Konzept installieren und unser Ziel muss es sein, dass alle Gäste des Resorts mindestens zweimal am Tag hier speisen und nicht wie bisher, zum Abendessen in die Stadt gehen. Ab Morgen früh punkt sieben Uhr beginnen wir mit der Arbeit. Elke ist für das Küchenteam zuständig und ich koordiniere den Service sowie den Einkauf und die Buchhaltung. Ich frage das ganze Team: habt ihr mich alle verstanden? Alle nicken mit dem Kopf, mein Gefühl sagt mir, dass sie nicht das geringste verstanden haben. Sofie hat sich in Richtung Schweiz verabschiedet, sie wird jetzt erstmal Urlaub im Tiefschnee machen und Joe sagt, ab sei er hier ein Urlaubsgast wie jeder andere. Da sitzen Elke und ich nun: wir sind in kürzester Zeit Verwalter von einem Resort geworden und haben einen neunköpfigen chaotischen Kindergarten zu bewältigen. Ich verspreche Elke, immer wenn ich kurz vorm Ausrasten bin, springe ich in den kalten Pool, um mich abzureagieren. Elke fängt an zu lachen und sagt, dann kanst du morgen früh gleich damit anfangen.

Wie oft ich in den eiskalten Pool gesprungen bin und wie Elke und ich aus einem planlosen Haufen junger nepalesischer Boys ein schlagkräftiges Team bilden und wie unser neues Konzept bei unseren Gästen angenommen wird ...

Das alles ist demnächst in unserem neuen Buch
"Weinschmitt's kulinarische Weltreise" zu lesen ...

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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