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Eine Bühne himmlischer Handlungen

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen ...
Nachdem wir uns von meiner Geburtstagsparty einigermaßen erholt haben, beschließen wir, ins Gastehaus 'Moonland' zu wechseln. Chandra, der mit seinem Bruder dieses ein bißchen abseits gelegene Gästehaus betreibt, hat lange Zeit als Küchenchef für eine australische Hotelkette gearbeitet. Gemeinsam kochen wir die verrücktesten und ausgefallensten Menüvariationen, was wiederum den Angestellten, Elke und mir viel Spaß macht.
Das besondere am Moonland ist die Lage. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang können wir von unserem Bett aus große Teile des Annapurnamassivs sehen. Der spektakulärste Berg ist zweifelsohne der Fishtail, der von vorne dem Matterhorn in der Schweiz ähnelt und von der Seite mit seinen zwei Spitzen eher wie ein Fischrücken aussieht. Elke ist begeistert von diesem fast 7000 Meter hohen Berg, deshalb wartet sie jeden Morgen auf den Sonnenaufgang, um ihn zu begrüßen und Bilder aus den verschiedensten Perspektiven zu machen. Die Begeisterung von Elke nimmt weiter zu, nicht, dass ich jeden Morgen um 5:30 Uhr geweckt werde um mir zum hundertsten Mal den Fishtail anzusehen habe, nein, Elke spricht nur noch von der Annapurnarunde. Keine andere Region im Himalaya zieht so viele Trecker in ihren Bann wie das Annapurnagebiet. Jährlich bevölkern über 60.000 Bergsteiger und Wanderer aus aller Welt die verschlungenen Bergpfade und alten Handelswege auf der Suche nach Abenteuer, Erholung und um die Ausblicke auf einige der höchsten Berge der Welt zu genießen. Der Anblick dieser gewaltigen Bergwelt zieht uns wie ein Magnet an, er läst uns einfach nicht mehr los, Elke hat mich regelrecht infiziert. Vielleicht ist es aber auch das Spirituelle und das Religiöse, das hier allgegenwärtig ist, damit meine ich keinen blinden Aberglauben, sondern eine starke seelische Kraft, eine Vergeistlichung und innere Besinnlichkeit. Es gibt kaum einen bedeutenden Gipfel, der nicht zum leuchtenden Thron erhoben wurde, von dem aus eine Gottheit die umliegenden Täler schützt. Seine Berge ragen mit besonderer Eindringlichkeit in den Himmel und jedes einzelne Tal strahlt seinen eigenen Liebreiz aus. Die Bewohner haben den Himalaya vergöttlicht und zu einer Bühne himmlischer Handlungen gemacht, die von kosmischen Strahlen beleuchtet wird.

Elke will sofort losziehen, doch ohne eine gute Vorbereitung geht es nicht, vor allem weil wir ohne Führer und ohne Träger diesen 240 Kilometer langen Trail laufen wollen. Das Schuhwerk und die Klamotten haben wir ja dabei, nur spielt das Wetter in der letzten Zeit nicht mit, ständige, starke, monsunartige Regenschauer verhindern immer wieder unseren Start. Das Wetter wird von Tag zu Tag besser und Elke ist nicht mehr zu halten und wer Elke kennt weiß, was für ein Energie geladenes Bündel sie ist. Zunächst müssen wir uns für die Annapurnaregion eine Permit holen, hierzu braucht jeder von uns vier Passbilder sowie drei verschiedene Formulare, mit jeweils drei Durchschlägen und obendrauf mindesten vier Unterschriften. Wir haben eher das Gefühl, als wollten wir in einem Gefängnis, den Hochsicherheitstrakt besuchen. Nachdem wir diese Prozedur mit einer Spende von 25 Euro hinter uns gebracht haben, besorgen wir uns Kraftfutter für die Wanderung, wie Müsliriegel, Nüsse, getrocknete Früchte und Magnesiumtabletten gegen Wadenkrämpfe. Eine kleine Apotheke wird zusammengestellt, in der sich Verbandszeug, Tapes, Tabletten gegen Durchfall, Schmerzen und gegen die Höhenkrankheit befinden und last but not least brauchen wir natürlich eine gute Karte, auf der wir Höhenprofile, Flussüberquerungen und Unterkünfte erkennen. Obwohl wir nur das Allernötigste in unseren Rucksäcken verstauen, kommen wir immerhin auf 12 Kilogramm, hört sich wenig an, ist aber auf diese lange Distanz ein beachtliches Gewicht. Körperlich sind Elke und ich fit, das haben wir den letzten 4.500 Kilometern mit dem Fahrrad durch Indien zu verdanken. Doch wie sieht es aus beim Wandern, hier werden ganz andere Muskelpartien beansprucht, egal - wir werden jeden Muskelkater nehmen wie er kommt. Bevor es morgen früh los geht, wollen wir heute Abend noch einmal ein gutes 300 Gramm schweres saftiges Steak essen, denn ab Morgen gibt es die nächsten 15 Tage nur noch Dhal Bat, Nudeln und heißen Tee.

Wie wir in 14 Tagen die 280 Kilometer lange Annapurnarunde überstehen, welche Eindrücke wir von den Bergbewohnern bekommen und wie wir diese überwältigende Bergwelt erleben ...

Das alles ist demnächst in unserem neuen Buch
"Weinschmitt's kulinarische Weltreise" zu lesen ...

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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