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Im Norden Indiens

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen ...
Wir verlassen Amritsa in Richtung Kaschmir und je weiter wir nach Norden radeln, desto grüner und bergiger wird die Landschaft. Kaschmir zählte lange Zeit zur gefährlichsten Ecke der Welt und damit sich hier die Pakistanis und Inder nicht die Köpfe einschlagen, hat man zur Sicherheit aller 1.000.000 Soldaten stationiert. Selbst beim Pinkeln muss man aufpassen, dass nicht ein Soldat im Kampfanzug hinter einem steht.
Man sollte die Sicherheit hier in dieser Gegend nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das ganze Jahr 2006 hindurch gab es Gewaltattacken gegen Zivilisten und eine Serie tödlicher Bombenanschläge auf indische Touristen. Das Bundesland Jammu und Kaschmir besteht aus drei unterschiedlichen Regionen: dem hinduistischen Jammu, dem buddistischen Ladakh und dem moslemischen Kaschmirtal. Das Kaschmirtal ist von der Pir-Panjal-Bergkette und dem westlichen Himalaja eingeschlossen, über die wir drüber müssen. Wir radeln gerade über eine Brücke, als ich links auf einer Wiese zwei Fahrradfahrer erkenne. Es sind Adrian und Dajana, die wir in Udaipur kennen gelernt haben. Sofort packt Adrian seinen Kocher aus und kocht erst einmal für alle einen starken Kaffee. Sie haben einen kleinen Loop durch die Berge gemacht. Der Loop führte sie über Manali und Dharamsala, die Exilstadt des Dalai Lama. Sie wollen jetzt nach Amritsar, um von hier aus über die Grenze nach Pakistan zu gehen. Nachdem wir wertvolle Infos ausgetauscht haben, verabschieden wir uns auch schon wieder, in der Hoffnung, dass wir uns gesund wieder sehen.

Seit Tagen radeln wir auf den Himalaja zu, die gewaltigen schneebedeckten Bergriesen flößen uns schon ein bisschen Angst ein. Unser erster Pass ist der reizvolle Hill Station Panitop. Er liegt auf 2300 m Höhe und ist unsere erste Herausforderung. In langen Serpentinen schlängelt sich die Straße moderat nach oben und nach zwei Tagen stehen wir auf unserem ersten Gipfel. Von nun an geht es die nächsten 250 Kilometer auf und ab bis nach Banihal zum unbeleuchteten 2,5 Kilometer langen Jawahra Tunnel. Das Durchradeln ist gefährlicher als wir dachten. Nach 300 Metern schluckt der Tunnel das Licht unserer Stirnlampen. Elke bekommt Panik und fängt an zu schreien, sie hat total die Orientierung verloren. Jetzt heißt es: bloß die Nerven nicht verlieren. Wir hören ein Auto in den Tunnel einfahren und können von weitem die Lichter erkennen. Gut, dass auch der Fahrer unsere Leuchtstreifen erkennt. Die erste Gefahr ist gebannt und so können wir in seinem Lichtkegel durch den Tunnel fahren. Auf der anderen Seite liegt uns das Kaschmirtal zu Füßen. eine sehr fruchtbare Hochebene. Die überwiegend von Muslimen bewohnte Region ähnelt in ihrer Kultur eher Afghanistan oder dem Iran. Mit ihren grünen Augen und wallenden grauen Kitteln aus Wolle sehen sogar die Menschen in Kaschmir anders aus als ihre südlichen und östlichen Nachbarn. Die in Terrassen angebauten Felder sind geprägt von Obst- und Nussplantagen und die schnurgeraden Pappel-Alleen sehen vor den schneebedeckten Bergen schon fast kitschig aus. Wir erreichen die nördlichste Sommerhauptstadt Srinagar, die mit ihrem Dalsee und seinen 1200 Hausbooten, den sagenhaften Mogulgärten und den historischen Holzmoscheen in der Altstadt ein echtes Muss ist. Der Dalsee ist ein echtes Juwel mit seinem stillen Wasser, in dem sich die Holz verzierten Hausboote und im Hintergrund die schneebedeckten Berge spiegeln. Hinzu kommen ganze Flotten von bunt bemalten Shikaras, gondelartigen Taxibooten, die Lebensmittel und Reisende auf die Hausboote bringen. Das Gefühl, auf so einer schwimmenden Villa zu wohnen, ist bestimmt etwas ganz Besonderes. Die meisten werden von einzelnen Familien betrieben, die auch hausgemachtes Essen servieren. Der Standard der Hausboote ist sehr unterschiedlich. Manche sind einfache Bretterverschläge, feucht und düster, andere pompös und palastartig. Das Hauptproblem ist bei allen das Abwasser, das direkt in den See geleitet wird und dazu führt, dass in spätestens 5 Jahren der See kollabiert und nicht mehr bewohnbar sein wird. Hinzu kommen die nervenden Shikarasfahrer die ständig an einem hängen und uns zur Weißglut bringen.

Wir finden im Hotel Swiss bei Rouf und seiner Familie eine nette und seit längerem wieder einmal saubere Unterkunft. Roufs Vater hatte 20 Jahre lang in Deutschland einen Vertrieb von Kaschmir Teppichen und so werden bei ihm viele alte Erinnerungen wach. Unser erster Weg führt zum Marktplatz, hier bekommen wir alles, was das Herz begehrt. Wir finden einen Bäcker der richtiges Dunkelbrot backt, Elke findet reife Mangos und Ananas und ich finde einen Metzger, der frisch geschlachtete Ziegen und Lammfleisch verkauft. Zur Lammkeule kaufen wir noch Knoblauch, Ingwer, Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Tomaten und Kardamon und auf dem Heimweg kommen wir zufällig auch noch an einem Bottle-Shop vorbei, der uns eiskaltes Bier und eine Flasche Rum verkauft. Elke kocht ein Duo von Mango-Ananas Marmelade mit ein paar Spritzern Rum fürs Frühstück oder zum Dessert und ich koche ein Lammcurry, dazu ein Gemüseratatouille und Salzkartoffeln. Gemeinsam mit Rouf und seiner Familie verbringen wir einen schönen und unvergesslichen Abend.

Am nächsten Tag planen wir eine Tagestour mit dem Bus in das 52 Kilometer entfernte Gulmarg. Das von Kiefern umringte Wiesenland ist im Winter ein alpines Skigebiet und im Sommer ein Eldorado für Wanderer. Der Bus hält 5 Kilometer vor Gulmarg, alle Inder springen aus dem Bus und verschwinden in einem Zelt. Als sie wieder heraus kommen, trauen wir unseren Augen nicht: sie sehen aus, als wollten sie zum Fasching gehen. Ob Frauen, Männlein oder Kids alle haben übergroße Gummistiefel an, in denen sie fast nicht laufen können. Am Oberkörper tragen sie bunte und gestreifte Pelzmäntel mit Kapuzen oder dicke Daunenjacken. Mit dieser etwas eigenartigen Ausstattung fahren wir mit dem Lift auf die 3930m Hohe Zwischenstation des Afarwat. Hier angekommen setzen sich fast alle Inder auf abgemagerte und geschundene Ponys, mit denen sie zu einem 2 Kilometer entfernten Schneefeld reiten, von wo aus sie sich auf zusammen gezimmerte Holzschlitten setzen, um sich von 4-5 jungen Indern das Schneefeld hochziehen zu lassen, um anschließend schreiend und jubelnd 200 Meter den Berg herunter zu rutschen. Elke und ich wandern unterdessen über die Bergwiesen zu einem kleinen Wasserfall und genießen die tolle Aussicht auf den atemberaubenden 8100 m Hohen Pampa Nagat. Auf dem Rückweg zur Talstation, wandern wir durch Kiefernwälder vorbei an Winterhäusern der Gujar-Normaden, deren Dächer mit Torf bedeckt sind. Zurück in Srinagar treffe ich mit Rouf zusammen, die Vorbereitungen zu Elkes Geburtstag macht. Nach dem Frühstück lassen wir uns mit einer Gondel zwei Stunden lang über den Dalsee schippern, vorbei an schwimmenden Märkten durch das Labyrinth der Hausboote zu gefluteten Gärten und durch einsame Kanäle. Ich organisiere eine frisch gebackene Geburtstagstorte und zum Abendessen gibt es ein Lammmasala in Senföl gebraten, mit viel Knofi und Ingwer dazu Reis mit frischem Koriander. Zur Elkes Überraschung rufen Familienangehörige und viele Freunde aus Deutschland an, worüber sie sich tierisch freut. Die Pässe nach Leh Ladakh sind seit zwei Tagen befahrbar, somit wird es für uns Zeit, wieder auf die Räder zu steigen.

Das alles ist demnächst in unserem neuen Buch
"Weinschmitt's kulinarische Weltreise" zu lesen ...

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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