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Geister in Indien

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen ...
Als wir in Deutschland unsere Fahrräder bepackten und auf Reisen gingen, sorgten wir schon Zuhause für großes Aufsehen. Das hängt schon mal daran, dass unsere Fahrräder mit all den Packs eher aussehen wie schwere Motorräder. Da machen selbst Freunde und Bekannte große Augen und sagen, ach du lieber Gott, was habt ihr denn alles dabei? Das Ganze hängt natürlich davon ab, wie lange man plant, auf Reisen zu gehen. Zum Zweiten ist zu beachten, ob man nur in warmen Regionen reist oder auch kältere Gebiete miteinbezieht. Zum Dritten hängt vieles von der Infrastruktur der bereisten Länder ab.
Sind zum Beispiel Unterkünfte vorhanden oder kommt unser Zelt in den Einsatz mit Schlafsack und Isomatte. Besteht die Möglichkeit Ersatzteile für die Räder zu bekommen - wenn nicht, brauchen wir zusätzliche Werkzeuge. Wie sieht es mit der ärztlichen Versorgung aus, müssen wir viel Medikamente für Malaria, Durchfallerkrankung oder spezielle Infektionen mitnehmen. Dann kommen da noch unsere persönlichen Sachen dazu, die aufs Minimum reduziert sind. Ein bisschen Luxus muss natürlich auch sein, so haben wir immer ein paar langstielige Weingläser für einen guten Wein dabei. Das alles summiert sich sehr schnell und ergibt locker 25 bis 30 Kilogramm, hinzu kommen noch Trinkwasser und Proviant für unterwegs. Wenn wir das alles an unseren Fahrrädern hängen haben, ist es kaum zu glauben dass wir sie fortbewegen können, noch weniger können es die Menschen in Indien glauben.

Am meisten freuen sich die Kinder; wenn sie uns erblicken, kommen sie aus allen Ecken auf uns zu gerannt, um uns freudig zu begrüßen. Natürlich wollen sie in erster Linie Geld, Schokolade oder einen Kugelschreiber, auf jeden Fall wollen sie uns berühren, ob wir auch tatsächlich echt sind. Das Ganze macht uns und vor allem den Kindern viel Spaß, so lange sich das alles einigermaßen in Grenzen hält. Bei den Jugendlichen und den Erwachsenen sieht das etwas anders aus, sie sind neugierig, zurückhaltend und vorsichtig, weil sie dem, was sie da sehen, nicht trauen und es wahrscheinlich auch nicht glauben können. Oft ist es der schnelle, unerwartete Moment, der sie regelrecht schockiert oder gar versteinern lässt. Überholt uns beispielsweise ein Motorrad oder ein Auto, dann kann es passieren, dass sie ihre entgeisterten Blicke nicht mehr von uns lassen können, sodass es fast schon zu Unfällen gekommen wäre. Kommen wir in ein Restaurant, das menschenleer ist, kann es passieren, dass innerhalb von fünf Minuten 20 Personen vor uns sitzen, weder etwas essen noch trinken, sondern uns einfach nur anstarren. Bleiben wir am Straßenrand bei einem Teestand stehen und bestellen zwei Chai, muss ich ihn oft 3 bis4 mal bestellen, weil der Gute sicherlich denkt, wir kommen vom Mond. Bei Frauen finden wir die Reaktionen oft übertrieben, schnell werden die Saris über den Kopf oder vor das Gesicht gezogen und spielende Kinder eilig vom Hof geholt.

Auf den Märkten Indiens werden wir als radelndes Wunder angesehen, sehr schnell bilden sich wahre Menschentrauben, die sich um uns herum schaaren und uns mit Tausenden von Fragen löchern. In der Masse lösen sich so manche Ängste und man wird so mutig, uns auch einmal auf Englisch anzusprechen. Komischerweise dient unsere Quietschente als eine große Kommunikationshilfe, wer einmal darauf herum gequietscht hat, verliert über das Lachen die Angst. Das Schlimmste aber kommt, wenn wir am frühen Morgen mit unseren voll bepackten Fahrrädern und unseren bunten Radklamotten durch die Straßen der Dörfer und über die Felder radeln. Überall vor den Häusern, in den Straßengräben, hinter Büschen und auf den Feldern, sitzen Männer, Frauen und Kinder, die ihre Notdurft verrichten. Was denken all diese gut gläubigen Menschen, wenn sie uns plötzlich schon so früh am Morgen vor sich vorbei rauschen sehen? Sicherlich hält uns der eine oder andere für einen Geist, was ich sehr gut verstehen kann, versetzt man sich selbst einmal in diese Situation. Mal angenommen, du sitzt auf einer Toilette, die Tür geht auf und ein Neger mit blauen Gummistiefeln, roten Bermudas, gelben Hosenträgern und einem orangefarbenen Stirnband steht vor dir und fragt, wo gehts denn hier zum Weinfest? Sicherlich würden wir vom Glauben abfallen und sofort an Geister denken.

Das alles ist demnächst in unserem neuen Buch
"Weinschmitt's kulinarische Weltreise" zu lesen ...

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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