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Auf neuen Wegen - Indien - Goa

Hallo Ihr lieben Zuhause Gebliebenen ...
Zunächst einmal möchten Elke und ich uns bei Euch für die unzähligen Abschiedsfeten bei Euch und bei uns (so ca. 10-15) bedanken, Ihr habt uns den Abschied wirklich nicht leicht gemacht. Für alle, die in Urlaub, krank oder sonstwie verhindert waren, hoffen wir, dass wir uns bei unserer Rückkehr gesund wiedersehen ...
Die Resonanz auf unseren Plan, nach Indien zu gehen, war unter Freunden und Bekannten, beachtlich groß. Die Meinungen gingen doch ganz schön auseinander, von super, klasse, sehr interessant bis hin zu ihr seid verrückt, wie kann man sich so etwas antun, wer macht so etwas freiwillig, das ist doch zu gefährlich. In der Literatur und in Reiseberichten habe ich sehr viel Positives, aber auch sehr viel Negatives gelesen. Viele Leute, die Indien bereisten, kamen auf uns zu und erzählten uns von ihren Erfahrungen, die sie in Indien gesammelt hatten. Auch hier wieder die unterschiedlichsten Betrachtungen, zum Beispiel "ich liebe Indien über alles" bis hin zu "schrecklich dieser Dreck und diese Armut, da fahre ich nie wieder hin". All dieses Für und Wider konnte Elke und mich nicht davon abhalten, doch nach Indien zu fliegen, ich glaube sogar, dass es erst dadurch richtig interessant wurde.

Nun sitzen wir im Flugzeug, bei einem leckeren Hühnchen in Tomatensoße und Spiralnudeln, dazu ein Cabernet Sauvignon aus dem Weingut Vollmer und wir sind gespannt, was alles auf uns zu kommt. Nach kurzer Zwischenlandung in Dubai landen wir kurz vor 5 Uhr am Morgen indischer Zeit in Panajim, in Goa. Elke und ich stehen am Gepäckband und warten auf unsere großen Seesäcke und die Fahrräder. Doch nichts passiert. Alle haben ihr Gepäck, nur unsere Sachen sind nicht dabei. Ich will gerade ausrassten, als ein Karren mit unseren sperrigen Rädern um die Ecke kommt, natürlich stehen wir als Letzte vor dem Zoll.

Die Zollbeamten wollten uns nicht glauben, dass in den zwei großen Kartons zwei Fahrräder stecken. Da die Zollbeamten, das gesamte Flughafenpersonal und wir gerade nichts zu tun hatten, bauten wir direkt am Schalter, vor ihren Augen, die Fahrräder zusammen. Man kann sich kaum vorstellen, was wir für einen Spaß hatten, wenn 20 Inder helfen wollen, zwei Räder zusammen zu bauen. Die einen drückten permanent auf unseren Hupen herum, die wir als Quietschente und als Krokodil geschenkt bekommen haben. Ein anderer versuchte krampfhaft, unsere Pedale zu montieren, verstand aber nicht, dass es am Fahrrad ein Links- und ein Rechtsgewinde gibt. Das erste Fahrrad war fertig zusammengebaut, als auch schon der vorher sehr strenge und muffige Zollbeamte unter viel Gelächter und Beifall eine Probefahrt durch die leere Abfertigungshalle unternahm.

Nachdem es um 6 Uhr so langsam hell wird, werden wir von den freundlichen Zollbeamten auf die chaotischen Straßenverhältnisse losgelassen. Anfangs macht uns der Linksverkehr etwas zu schaffen, auch das ständige Gehupe macht einen verrückt, doch nach zwei zermürbenden Stunden haben wir uns daran gewöhnt.

Klatschnaß geschwitzt und völlig übermüdet erreichen wir nach 38 Kilometern den Strand von Colva. Mit etwas Glück finden wir ein sauberes Zimmer mit Dusche, einem Fan, einer großen Terrasse und einem schönen Garten, für 300 Rupien, umgerechnet 5 EURO. An einem der schönsten und längsten Strände von Indien wollen wir uns nun für einige Tage erholen und entspannen.

Nachdem wir fast zehn Stunden am Stück geschlafen haben, machen wir unseren ersten Rundgang durch das kleine Dörfchen Colva. Alles wirkt zunächst auf uns total chaotisch, Schweine, Kühe und Hunde wühlen in Dreckhaufen übersät mit Plastikmüll nach Essbarem. Auf den Straßen scheint alles außer Kontrolle, Mopedfahrer und Autofahrer hupen um die Wette, dazwischen Fussgänger und Radfahrer. Aus den zahlreichen Restaurants riecht es nach gebratenem Knoblauch, Ingwer, Kardamom, den verschiedensten Chilli- und Currygewürzen. Dies alles vermischt sich mit den vielen Feuern an jeder Straßenecke, auf denen der tägliche Hausmüll und der anfallende Plastikmüll verbrannt wird. Wir laufen zum Strand, wo wir gerade noch eine glutrote Sonne im Meer versinken sehen. Eine herrliche Brise frischer kühlender Salzluft weht vom Meer herüber. Elke und ich verspüren Hunger , wir suchen uns ein Restaurant, in dem fast ausschließlich Einheimische essen. Wir fangen mit einem einfachen Fischcurry und einem gebratenen Hühnchen mit frischem Knoblauch und Ingwer an, dazu bekomme ich einen Jeerareis mit viel frischem grünem Kardamom serviert. Unsere Geschmacksnerven werden durch die Vielzahl der verschiedenen Gewürze ganz schön strapaziert. Diese unglaubliche Intensität der Aromen wird uns in den nächsten Wochen und Monaten begleiten. Hoffentlich wird das Essen nicht noch schärfer, aber vielleicht gewöhne ich mich ja auch noch daran. Für alle Vegetarier ist Indien ein absolutes Mekka, hier wird einfach alles mit frischem Gemüse gekocht, wenn das so weiter geht, werde ich auch noch einer, habe mich sogar schon an den Chai (Tee) gewöhnt, allerdings fehlt mir der Wein, den ich mir zu manch einem milden Curry gut vorstellen könnte.

Am nächsten Morgen beschließen Elke und ich, die Umgebung von Colva zu erkunden und mieten uns für drei Tage eine 125-ccm-Vespa. Wir fahren durch herrliche Palmenhaine und teilweise dichten Dschungel, zum 70 Kilometer entfernten Agonda Beach. Unsere Freunde Anja und Holger hatten von ihm geschwärmt. Ein idyllischer ruhiger Strand, bei dem die Hotels und Ferienanlagen sehr nahe ans Wasser gebaut sind. Ein idealer Platz für alle, die einfach nur Ruhe und Erholung suchen. Das Gegenteil findet man nur einen Strand weiter, am Palolem Beach. Hier geht die Post ab, hier sind Partys bis nach Mitternacht angesagt, das erste, was man uns hier anbietet, ist Rauschgift, in allen Variationen.

Am nächsten Tag beschließen wir, in den Norden, nach Anjuna, zum Flohmarkt zu fahren. Er ist der größte von Goa und findet immer mittwochs statt. Tausende machen sich auf, um diesen bunten und farbenprächtigen Markt zu besuchen, der alles andere als ein Flohmarkt ist. Hier versucht jeder jeden übers Ohr zu hauen, alles ist total überteuert, aber das stört die vielen Touris nicht.

Einmal noch strapaziere ich unsere Vespa, wir wollen nach Alt Goa, hier findet man die meisten Überbleibsel portugiesischer Herrschaft. Wenn man sich Old Goa heute so ansieht, ist es kaum zu glauben, das diese verfallene Stadt einst Lissabon den Rang streitig machte. Um das Jahr 1500 hatte Old Goa mehr Einwohner als Lissabon und London. Elke und ich schauen uns zuerst die Cathedrale Se`de Santa Catarina an. Die Kirche ist im portugiesisch-gotischen Stil erbaut, mit einer toskanischen Fassade und korinthischer Innenarchitektur. Danach die Kirche von Francis von Assisi, sicher eines der interessantesten Gebäude von Old Goa. Im Inneren des Gotteshauses gibt es teilweise vergoldete Schnitzereien und atemberaubende Wandgemälde. Die Basilika of Bom Jesus ist der ganzen römisch-katholischen Welt ein Begriff. Hier befinden sich das Grabmal und die sterblichen Überreste des Hl. Franz Xaver, der am 3. Dez. 1552 starb. Die Jesuiten beschlossen, die Reste des Leichnams in einem gläsernen Sarg zu verwahren, aber niemanden zu zeigen. Erst Mitte des 19. Jhs. begann man damit, den Leichnam alle zehn Jahre wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Leichnam, der bis heute nicht verwest ist, wird 2014 wieder freigelegt.

Nach drei Stunden hatte ich genug von Geschichte und zerfallenen Mauern, wir beschlossen nach Panajim, in die Stadt der Farben, zu fahren. Es gibt die pastelligen Nuancen der Gebäude, romantische Noten des Mittelmeerraums, die grellen Farben Lateinamerikas und die lauten Schattierungen Indiens, diese Stadt ist auf dem Subkontinent absolut einzigartig. Im ehemaligen Portugiesenviertel schlendern wir durch die engen Gassen und essen anschließend in einer alten Fischerkneipe, Reis mit gebratenen Sardinen. Auf dem Heimweg sehe ich von weitem eine Polizeikontrolle. Siegessicher fahre ich auf sie zu, ich hatte einen Helm auf, die Vespa war bezahlt und versichert, ich hatte sogar meinen Führerschein dabei, also was sollte da schon schief gehen.

Prompt werde ich aus der Verkehrsmasse heraus gewunken, ein junger, gut aussehender Polizist verlangt unsere Papiere. Nach kurzer Zeit fängt er an zu grinsen, er zeigt auf meinen Führerschein, schüttelt dabei mit dem Kopf und erkärt mir, dass der Deutsche Führerschein in Indien nicht gültig ist und den Internationalen hatte ich natürlich nicht dabei. Ohne zu zögern verlangte er von mir 1500 Rupien, das sind umgerechnet 25 Euro.

Elke schaltet sich ein, sie versucht ihm die vielen Sterne auf dem Führerschein als international zu verkaufen, aber er schüttelt nur mit dem Kopf. Nun wird Elke energischer und lautstark, sie erzählt ihm das Blaue vom Himmel. Das Grinsen ist ihm vergangen und als Elke nicht locker lässt, geht er mit dem Preis herunter, zunächst auf 1000, dann auf 900, schließlich auf 400 Rupien. Elke versichert ihm, dass wir kein Geld haben und diskutiert munter weiter, wärend ich zur Vespa laufe und 150 Rupien aus dem Geldbeutel holte, so dass er es nicht sehen kann. Zielstrebig gehe ich auf ihn zu, halte ihm die 150 Rupien vor die Nase und sage: "Das ist alles, was wir haben." Sein Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein strahlendes Lächeln, sofort greift er danach und steckt es zu seinen anderen ergatterten Rupies. Per Handschlag und mit einem Lachen im Gesicht wünscht er uns noch eine gute Reise.

Zurück in Colva, fühlen wir uns schon fast wie zu Hause, nach zehn bis zwölf Tagen sieht alles schon ganz anders aus, an den Dreck haben wir uns schon fast gewöhnt, auch auf den Straßen scheint alles normal zu verlaufen, wie schnell man sich doch umgewöhnen kann. Heute ist der 19. Februar. Elke und ich stehen in einer Apotheke und erkundigen uns nach einer Tollwutimpfung, die letzte von dreien, die wir brauchen. Der Apotheker greift in einen großen Cocacola-Kühlschrank und überreicht uns zwei Spritzen, das Serum und eine Anleitung zum Gebrauch, für umgerechnet 6 Euro pro Person. In Deutschland haben wir dafür genau das Zehnfache bezahlt. Wieder zurück in unserer Wohnung drückt mir Elke die Spritze fachgerecht in den linken Oberarm, danach bin ich an der Reihe.

Von Colva aus verläuft der Strand nach Süden 17 Kilometer und nach Norden immerhin 10 Kilometer. Bei Ebbe wird er fast 200 Meter breit und weil er so flach ist, lädt er zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Am Wochenende ist hier die Hölle los, viele Inder kommen vom Land und aus den Städten hierher, um das Wochenende mit Paragliden, Schnellboot fahren, gut essen und trinken zu verbringen. Inderinnen gehen zum Baden immer mit Hosen, T-Shirt und Saris ins Wasser, da sie nicht schwimmen können, haben die Badeaufseher alle Hände voll zu tun.

Hier lernen wir eine Menge interessanter Menschen kennen. Zum Beispiel Lydia und Horst aus Wuppertal, zwei jung Gebliebene, die seit 12 Jahren an Goas Küste überwintern. Hier fühlen sie sich wie zu Hause, zehn Wochen lang haben sie sich bei einer einheimischen Familie ein kleines günstiges Apartment gemietet. Horst meint, das Klima zwischen Dezember und März tue ihnen sehr gut, Indien sie für sie wie ein Knochenwärmer. So wie sie kommen aus ganz Europa Rentner, die es sich bei gutem Essen und bei netten Indern gut gehen lassen. Dann gibt es da noch die Allinklusiv- und Pauschaltouris, wegen ihnen kommen Inder von weit her, um diese Fleischmassen anzugaffen. Auch ich geselle mich gerne zu diesen Gaffern, denn das, was einem hier geboten wird, ist an der Grenze des Zumutbaren. Jeder Reisende, der ein fremdes Land bereist, sollte sich eigentlich vor einer Reise über Sitten und Gebräuche informieren. Die Damenwelt aus Europa und aus Russland versucht natürlich nach ihrer Ankunft schnellstmöglichst ihre Haut zu bräunen, nach zwei Tagen nennt man sie hier Red Lobster. Unter ihnen gibt es sicherlich das eine oder andere hübsche Mädel, doch der größte übergewichtige Teil, nicht selten unter 150 Kilogramm, in Stringtangas, bewirkt heftige Schmerzen in den Augen, da sind selbst dicke Inderinnen in ihren bunten Saris eine Augenweide. Von Colva über Benaulim gibt es Unterkünfte für jede Preiskategorie, vom einfachen Zimmer für 150 Rupien bis hin zu Fünfsterne-Luxusanlagen für 3600 US-Dollar wird praktisch jeder Wunsch erfüllt. Ich habe mir diese supertollen Anlagen einmal von Innen angeschaut, der pure Wahnsinn. Riesige Golfanlagen direkt vor den Apartments, dazwischen Swimmingpools unter Palmen und eine Heerschar von Angestellten, die einen Hungerlohn erhalten, auf Wunsch wird man direkt mit dem Hubschrauber zum Airport geflogen. Als ich von den bewaffneten Wachen aus diesem luxuriösen Hochsicherheitstrakt heraus gelassen werde, wird mir sofort klar, wie schön und einfach ein Leben ohne Luxus sein kann. Unsere neuen Nachbarn sind mit dem Motorrad 6 Monate durch Indien gereist, bereitwillig geben sie uns Auskunft über Unterkünfte und Straßenverhältnisse. Als sie unsere voll bepackten Räder sehen, schütteln sie nur den Kopf, mit dem kleinen Hinweis, Goa ist Urlaub und hat mit Indien nichts zu tun, für euch fängt Indien jetzt erst an.

Das alles ist demnächst in unserem neuen Buch
"Weinschmitt's kulinarische Weltreise" zu lesen ...

Mit den liebsten Grüßen
Die Weinschmitts
Elke und Louis

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